Fortuna Düsseldorf: Mitglieder sorgen für Erdbeben bei Fortuna

Fortuna Düsseldorf : Mitglieder sorgen für Erdbeben bei Fortuna

Um 0.09 Uhr, am Ende der mit fünf Stunden und vier Minuten rekordverdächtig langen Mitgliederversammlung des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, hatte das Erdbeben sein ganzes Ausmaß erreicht. Dann lag das Ergebnis der Stichwahl vor, durch die Fortunas bisheriger Aufsichtsratsvorsitzender Burchard von Arnim sein Mandat verlor.

Eine knappe Stunde zuvor, nach dem ersten Wahlgang der 914 Stimmberechtigten, war bereits bekanntgeworden, dass Fortunas Mitglieder von Arnims bisherigen Stellvertreter nicht mehr in das Gremium berufen hatten. Günter Karen-Jungen, Grünen-Bürgermeister im Düsseldorfer Rathaus, wurde ebenso abgewählt wie der Unternehmer Gerd Röpke.

Lediglich der frühere Henkel-Chef Albrecht Woeste und Marcel Kronenberg, hauptberuflich für die Tote-Hosen-Plattenfirma JKP tätig, behielten ihren Posten. Björn Borgerding, Reinhold Ernst und Ignacio Ordejón Zuckermaier, bislang Mitglied von Fortunas Satzungskommission, zogen neu in das Gremium ein, dessen Hauptaufgaben Kontrolle und Beratung des Vorstands sind.

Während von Arnim das Votum mit unbewegter Miene zur Kenntnis nahm und sich Bedenkzeit erbat, ob er als Nachrücker zur Verfügung stehe, strahlte Borgerding über das ganze Gesicht. "Ich bin sehr glücklich, dass die Mitglieder mir das Vertrauen ausgesprochen haben", sagte der 32-jährige Sportökonom, der mit 601 Stimmen das mit Abstand beste Ergebnis erzielt hatte. "Unser ehemaliger Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth hat mich allerdings eben, als er mir gratulierte, sehr freundlich darauf hingewiesen, dass ich nun auch eine hohe Verantwortung trage. Dessen bin ich mir bewusst, und ich werde alles versuchen, ihr gerecht zu werden."

Der Jurist Reinhold Ernst, bis zu seinem Rücktritt vor fünf Jahren einige Monate Aufsichtsratsvorsitzender, verzeichnete mit 422 Stimmen das zweitbeste Resultat. "Ich muss das alles erst einmal sacken lassen", kommentierte er. Das neu formierte Gremium wird demnächst zusammenkommen und auf seiner ersten Sitzung den neuen Vorsitzenden wählen. Das Ergebnis scheint nach dem Ausscheiden von Arnims und Karen-Jungens völlig offen. Neben den in der Nacht zum Freitag gewählten fünf Mitgliedern kommen dafür auch die vier Aufsichtsräte in Frage, die zuvor vom Wahlausschuss bestellt worden waren: Dieter vom Dorff, Joachim Hunold, Heinz-Peter Schlüter und Christian Veith.

Bis die Entscheidung feststand, musste ein Abstimmungs-Marathon absolviert werden. Da der Verein nicht für eine Stichwahl vorbereitet war, die durch die Stimmengleichheit für von Arnim und Ordejón Zuckermaier (je 353) nötig wurde, musste jedes um 23.30 Uhr noch anwesende Mitglied den Saal verlassen und sich im Foyer gegen Vorlage seines Ausweises einen neuen Stimmzettel holen. Das nahm viel Zeit in Anspruch, war aber notwendig, da eine mündliche Abstimmung über einen Aufsichtsratsposten anfechtbar gewesen wäre. Durch die Verzögerungen nahmen nur noch 298 Mitglieder teil, Rechtsanwalt Ordejón Zuckermaier siegte mit 195:103 klar.

Der Ablauf, der auf den ersten Blick chaotisch wirkte, warf am Ende ein positives Licht auf Fortunas Demokratiefähigkeit. "Ich möchte wetten", sagte ein Mitglied nach der Versammlung, "dass es nicht bei jedem Verein eine solche Stichwahl gegeben hätte. Ich bin stolz darauf, dass bei Fortuna nicht einfach so ein unliebsamer Stimmzettel unter den Tisch fällt." Eine bequeme Entscheidung haben Fortunas Mitglieder so sicher nicht getroffen — aber eine demokratische. Auch wenn das Ergebnis nicht jedem in der Klubführung gefallen hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mitgliederversammlung 2014 bei der Fortuna

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