Fortuna Düsseldorf "Mathis Bolly und Alvaro Dominguez waren meine besten Schüler"

Düsseldorf · Kamila Blumski ist seit einigen Jahren als Sprachlehrerin bei Fortuna Düsseldorf tätig. Auch für Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach arbeitet sie. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie, warum sie mit Daniel Carvajal nicht mehr durch Madrid laufen kann und verrät, wer ihre besten Schüler waren.

Kamila Benschop: Die Integrationsbeauftragte von Fortuna Düsseldorf
11 Bilder

Das ist Kamila Benschop

11 Bilder
Foto: Stanislav Petrov

Frau Blumski, Sie sind Sprachlehrerin für Profi-Fußballer: Ist das ein Job, der viel Geduld erfordert?

Kamila Blumski Ja, auf jeden Fall. Der Sprachunterricht ist ja auch nur ein Teil der Aufgabe. Es gehört ja auch noch die Integration der Spieler und Familien dazu. Und die gesamte Betreuung der Spieler. Der Sprachunterricht ist da noch ein zusätzlicher Wert quasi.

Also ist der Sprachunterricht selber gar nicht so anstrengend?

Blumski Doch, auch! Je nachdem aus welchem Land der Spieler kommt, lernt er ja auch ganz anders. Er hat dann eine ganz andere Schulbildung. Ein Profi, der aus Lateinamerika kommt, hat wahrscheinlich nicht die gleiche Bildung wie ein Spieler, der aus Spanien kommt. Grundsätzlich haben die Jungs die Schule schon recht früh verlassen. Das ist dann nicht immer so einfach, sie erstmal wieder zum Lernen zu bringen. Wenn man dann sagt: "Konjugiere mal das Verb", dann fragt er: "Was ist konjugieren? Und was ist ein Verb?"

Es ist also weit mehr als reine Nachhilfe. Gibt es denn so etwas wie eine Pause? Oder ist es ein 24/7-Job?

Blumski Es ist wirklich so ein 24/7-Job. Mal ist es vielleicht recht ruhig, dann ist aber wieder etwas.

Sie werden vermutlich zu einer Vertrauensperson?

Blumski Absolut!

Wie macht sich das bemerkbar?

Blumski Es gab schon Spieler, die mich nachts angerufen haben, weil sie nicht aus dem Parkhaus herauskamen. Oder sie hatten eine Autopanne oder haben sich von zu Hause ausgeschlossen. Da kommt alles Mögliche auf mich zu. Aber sie wissen natürlich auch, dass sie mich immer anrufen können. Sie können im Fall der Fälle ja auch in ihrer Muttersprache mit mir reden. Und so bin ich eine der wenigen, die einen Draht zu ihnen hat.

Es bleibt dann nicht beim Kontakt mit dem Spieler.

Blumski Nein, die Spielerfrauen kenne ich dann auch. Die Spieler haben ihre Mannschaft, die Frauen haben dann häufig nichts zu tun. Das ist natürlich sehr schwierig. Und dann lerne ich mit ihnen auch Deutsch, schreibe mit ihnen Bewerbungen — wenn sie dann so weit sind. Sie können sich dann ja einen kleinen Job suchen, damit sie eine Beschäftigung haben. Es ist also recht intensiv, aber ich mache den Job schon seit fünfeinhalb Jahren und er macht mir einfach sehr viel Spaß.

Sie kümmern sich also um den Spieler und die ganze Familie: Ist ein Spielertransfer für sie emotional?

Blumski Ja, ist er wirklich. Ich hatte bei manchen Spielern schon zu knabbern. Zum Beispiel bei Juanan und seiner Freundin: Die beiden habe ich sehr lange unterrichtet. Und als sie dann weg waren, war das für mich wie ein kleiner Einbruch. Sie waren in meinen ganzen Tagesbablauf eingebunden. Oder bei Cristian Ramirez: Er war 18 Jahre alt, als er zu uns kam. Er hat mich immer "nana" genannt, also große Schwester. Und ich habe am Anfang jeden Tag etwas mit ihm unternommen. Er kannte ja niemanden. Ähnlich war es bei Dani Carvajal von Bayer Leverkusen.

Haben Sie denn auch noch Kontakt zu den Spielern?

Blumski Ich habe mit allen Spielern, die ich betreut habe, noch Kontakt. Und diejenigen, die ich sehr intensiv betreut habe — zum Beispiel Dani — sehe ich immer noch regelmäßig. Wir versuchen immer, uns zu sehen. Die Familien sind einem dann auch so dankbar für die Hilfe. Die Mutter von Juanan hat zum Beispiel angefangen zu weinen, als sie mich getroffen hat und sagte, dass Juanan nicht gewusst hätte, was er ohne mich gemacht hätte.

Sie sind ja nicht nur bei der Fortuna tätig. Gibt es Unterschiede bei den Vereinen?

Blumski Nein, das nicht. Allerdings macht Bayer Leverkusen die Betreuung individuell. Jeder Spieler hat einen Betreuer, der die passende Landessprache auch fließend spricht. Bei der Fortuna kümmere ich mich hingegen um die gesamte Gruppe.

Birgt das Probleme?

Blumski Naja. Problematisch war es, als ich Giannis (Anm. d. Red. Gianniotas) unterrichten musste. Ich kann kein Griechisch, er sehr schlecht Englisch. Man musste am Anfang sowohl mit Bildern als auch Händen und Füßen arbeiten. Aber irgendwann hat er sich da reingefunden. Sein Englisch wurde besser, das Deutsch auch. Und am Ende war er so gut, dass ich den Unterricht auf Deutsch gestalten konnte.

Gibt es so etwas wie den besten Schüler? Ein geheimes "Best of" quasi?

Blumski Ja. Mathis Bolly und Alvaro Dominguez waren meine Top-Schüler.

Was haben sie gemacht, was andere nicht gemacht haben?

Blumski Mathis hat enorm schnell gelernt. Er konnte direkt umsetzen, was ich ihm erklärt habe. Ich konnte ihm einen Stapel Karteikarten mitgeben und eine Woche später hatte er sie alle drauf. Alvaro war auch ein sehr, sehr motivierter Schüler. Mit ihm konntest du zwei Stunden am Stück Grammatik pauken. Er hat auch darauf bestanden, zweimal die Woche zu lernen. Sowohl Mathis als auch Alvaro waren in zwei bis drei Monaten echt gut dabei.

Die Jungs haben viel Geld und werden teilweise verehrt. Würden Sie gerne tauschen?

Blumski Man denkt immer, dass Fußballspieler so ein tolles Leben haben. Das mag auch teils stimmen. Allerdings sind die Spieler auch ganz normale Jungs. Sie haben zwar mehr Geld auf dem Konto und fahren teurere Autos — aber sie machen die gleichen Sachen wie andere Jungs in ihrem Alter. Dani ist nun ein Superstar bei Real: Ich bin mit ihm durch Madrid gegangen, da ist mir das erst bewusst geworden. Man kann mit ihm eigentlich gar nicht mehr durch die Stadt gehen. "Das ist normal geworden", hat er mir dann nur gesagt. Es ist nicht immer einfach. Mit viel Druck müssen sie umgehen können. Im Fußball artet das dann ja teilweise aus.

Dolmetscherin, Cheerleader-Coach und Freundin von Charlison Benschop: Was würden Sie in Zukunft am liebsten hören? Oder habe ich die passende Beschreibung gar nicht erwähnt?

Blumski In erster Linie bin ich ich. Ich bin Kamila Blumski. Ich bin Dolmetscherin und mache ja auch ein bisschen im Moderationsbereich. Das ist meine Berufsbezeichnung und das will ich auch weiter verfolgen. Das Cheerleading ist mein Hobby, das ich seit Jahren mache. Ob mein Freund nun Charlie oder Hans-Peter heißt, ist in diesem Fall eigentlich egal.

Das Gespräch führte Christoffer Kleindienst.

****

Möchten Sie keine Fortuna-News verpassen? Dann folgen Sie unserer Fortuna-News-Seite auf Facebook!

(cfk)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort