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Fortuna Düsseldorf: Geduld der Fans wird am Ende belohnt

Fortuna Düsseldorf : Geduld der Fans wird am Ende belohnt

28.256 Zuschauer sehen zwischen Fortuna und Union Berlin ein über weite Strecken trostloses Spiel. Doch der Siegtreffer von Mathis Bolly 100 Sekunden vor Schluss versöhnt die Fans. Der Jubel nach dem Schlusspfiff ist riesengroß.

Das Statement, das die Fans nach dem Schlusspfiff abgaben, war eindeutig. Zum Jahresabschluss wurde gejubelt - sicher weniger über die spielerische Darbietung, wohl aber über das Ergebnis. 1:0 gewann die Fortuna gegen Union Berlin und erfüllte damit die Pflichtaufgabe. Wie ausgelassen Spieler und Fans feierten, war einerseits übertrieben, doch andererseits ein Indiz für die Erleichterung über den Dreier. "An Tagen wie diesen", sangen sie während der Ehrenrunde, und die Stimmung war überschwänglich.

88 Minuten lang hatten sich die Zuschauer als überaus geduldig erwiesen, was angesichts der mageren Heimbilanz von zuvor nur zwei Siegen in acht Spielen alles andere als selbstverständlich war. Trainer Oliver Reck hatte aber genau das im Vorfeld der Begegnung in selten eindeutiger Weise eingefordert. "Wir brauchen die Unterstützung", hatte er gesagt. "Das Publikum ist unser Faustpfand. Die Unterstützung in kritischen Situationen war immer enorm wichtig." Aber der Coach hatte auch seine Spieler in die Pflicht genommen: "Wir müssen in Vorleistung treten, dann wird der Funke auch überspringen. Aber wir sind in der Bringschuld."

Die Spieler unterstützten die Forderung ihres Trainers und gingen unmittelbar vor dem Anpfiff in die Kurve, wo sie mit Gesten die Stimmung anheizten. Tatsächlich war die Atmosphäre in der Esprit-Arena in der Anfangsphase lebendiger als bei manch anderem Heimspiel.

Nachdem Fortuna drei der letzten vier Partien verloren hatte, war jedermann klar, dass die Aufgabe gegen Union Berlin nicht rein spielerisch gelöst werden kann. Passend dazu wurde nach drei Minuten das Liedgut ausgewählt. "Kämpft den Gegner nieder, holt den Sieg für uns", sangen die Fans und gaben die Richtung vor. Mit der Zeit ging der musikalische Schwung etwas verloren. Da waren die Lieder ähnlich lahm und lethargisch wie die Darbietungen auf dem Feld. Der erste Schuss auf das Berliner Tor nach 26 Minuten durch Pohjanpalo hauchte den Anhängern kurzzeitig wieder Leben ein, und als Benschop das Tor zwei, drei Meter verfehlte, hallte ein "ahhh" durch das Stadion. Die karge Vorstellung wurde zur Pause mit einigen wenigen Pfiffen des sehr geduldigen Publikums quittiert.

Vor dem Wiederbeginn gingen die Fortunen nicht in die Kurve der Fans, sondern bildeten einen Kreis und beschworen den Teamgeist. Nach einer Stunde schaffte es die Fortuna endlich mit einem Kopfball des völlig freistehenden Michael Liendl den Funken auf die Ränge überspringen zu lassen. Sofort waren die Fans stimmgewaltig da. Die Fans ließen nicht locker, trieben die Mannschaft nun immer stärker nach vorne. "Steht auf, wenn ihr Fortunen seid", sangen sie, und alle machten mit. Es schien lange, als bliebe die flehentliche Bitte der Fans "Düsseldorfer Jungs, schießt ein Tor für uns" lediglich ein vorweihnachtlicher Wunsch - und dann wurde er doch noch erfüllt.