Friedhelm Funkel und Thomas Röttgermann: Zwei Neusser regieren bei Fortuna Düsseldorf

Friedhelm Funkel und Thomas Röttgermann : Zwei Neusser regieren bei der Fortuna

Neuss gilt in der Region als die fußballloseste Großstadt. Das stimmt nicht so ganz. Denn die Neusser mischen beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf kräftig mit. Ein humorvoller Blick auf die Neusser „Macht“ bei der Fortuna.

Der Neusser bekommt sozusagen mit der Muttermilch zwei historische Ereignisse mit auf seinen Lebensweg gegeben, die er nie vergisst: Die Belagerung der Stadt durch Karl den Kühnen nebst Befreiung durch Hermann von Hessen in den Jahren 1474/75. Und den 5:4-Sieg des VfR 06 Neuss über die gerade (nicht zum letzten Mal) aus der Fußball-Bundesliga abgestiegene Fortuna Düsseldorf am 13. August 1967.

Seine weltpolitische Bedeutung hat Neuss dank emsiger Berater von Angela Merkel (von Hermann Gröhe bis Christoph Heusgen) behalten. Ihr fußballerisches Renommee hat die 160.000 Einwohner zählende Stadt hingegen auf eine Art und Weise eingebüßt, die ihr schon wieder ein Alleinstellungsmerkmal beschert: als fußball-loseste Großstadt Deutschlands. Sicher, es gab im Frühjahr 1968 noch einen 1:0-Erfolg im Rückspiel am Flinger Broich, der aber nie so verklärt worden ist wie jenes legendäre 5:4 – vielleicht weil ihn nicht so viele Neusser erlebt haben wie die gefühlt 50.000, die sich brüsten, damals im 15.000 Zuschauer fassenden Stadion live dabei gewesen zu sein.

Seither verliert sich Neuss aber in einem fußballerischen Nirwana, das der aktuelle Leistungsstand seiner Vereine nur unzureichend widerspiegelt. Ein – abstiegsgefährdeter – Landesligist, zwei – abstiegsgefährdete – Bezirksligisten, der Rest kickt auf Kreisebene. Besagter VfR 06 schickt sich übrigens gerade an, in die drittniedrigste Spielklasse (Kreisliga A) aufzusteigen. Doch die Neusser zeichnet Beharrlichkeit aus (weniger Wohlmeinende würden von Halsstarrigkeit sprechen), an der ja schon Karl der Kühne sich in elfmonatiger Belagerung die Zähne ausbiss.

Das Wichtigste vom Fortuna-Talk mit dem Mannschaftsrat bei der RP

Fußballerisch gesehen begannen sie den Weg durch die Instanzen. Getreu dem angelsächsischen Motto „Wenn du deinen Gegner nicht besiegen kannst, sing sein Lied“ sind sie dabei, die Schaltstellen der Macht in der „Sportstadt Düsseldorf“ zu übernehmen. Ganz subtil, um nicht zu sagen subkutan – nicht mit fliegenden Fahnen wie vor zwei Jahren jene Handball-Hasardeure, die ihr gemeinsames Kind namens „Rhein Vikings“ inzwischen sportlich, sportpolitisch und vor allem finanziell zu Grabe tragen mussten. Nein, die Fußballer machen es anders. Erst schleusten sie den gebürtigen Neusser Friedhelm Funkel als Trainer ein, was in Neuss ungläubiges Erstaunen hervorrief: „Ne Nüsser bei Fortuna, dat  klappt nie.“ Doch es scheint zu klappen, so sehr, dass der eher hemdsärmelige „Nüsser Jong“, der auch noch „henger de Bahn“ aufgewachsen ist (so nennen die Neusser alles, was nördlich ihres Bahnhofs liegt), im eher feinen Rechtsrheinischen mittlerweile Kultstatus besitzt.

Der nächste Coup war schlichtweg genial: In Person von Thomas Röttgermann übernahm ein Neusser den Posten des Vorstandsvorsitzenden, von dem  nicht mal die Neusser wussten, dass er ein Neusser ist. Nimmt man jetzt noch die Tatsache hinzu, dass Aufsichtsratschef Reinhold Ernst gleichfalls im Linksrheinischen (Meerbusch) zu Hause ist, müssten in der „Sportstadt“ langsam die Alarmglöckchen klingeln – nicht, dass die Fortuna irgendwann ihre Heimspiele am Büdericher Eisenbrand oder in einer noch zu errichtenden Arena auf der Neußerfurth (Funkels Heimat „henger de Bahn“) austrägt, die sie dann auch mit keinem Nachbarklub teilen muss.

Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel. Foto: Falk Janning
Fortuna Düsseldorfs neuer Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann. Foto: Falk Janning

Nun sind ja nicht alle Neusser Düsseldorf-allergisch. Es gibt Fortuna-Fans, es gibt Fortuna-Fanklubs und es gibt sogar eine Fortuna-Fankneipe mit dem schönen Namen „Zur flotten Theke“. In der soll sogar Friedhelm Funkel schon an selbiger gesessen haben. Seit er in Krefeld wohnt und in Düsseldorf arbeitet, macht sich der „Nüsser Jong“ jedoch rar in seiner Heimatstadt. Ganz im Gegensatz zu seinem  Bruder Wolfgang. Nach Versuchen als Co-Trainer – unter anderem seines Bruders – hat sich der Olympiadritte von 1988 in Seoul aufs Privatisieren verlegt. Ihn trifft man daher praktisch täglich in Neuss. Dabei lebt er in Glehn, was postalisch und politisch zu Korschenbroich gehört. In Korschenbroich wiederum wohnt nicht nur Fortuna-Legende Andreas „Lumpi“ Lambertz, sondern auch Gladbachs Borussen-Manager Max Eberl. Hin und wieder sollen die beiden gemeinsam beim Hunde-Ausführen zu beobachten sein. Doch das ist eine ganz andere Geschichte.

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