Fortuna Düsseldorfs Torwarttausch: Genie oder Wahnsinn

Fortuna Düsseldorf : Fortunas Torwarttausch: Genie oder Wahnsinn

Ausgerechnet im Zweitliga-Spitzenspiel heute beim 1. FC Kaiserslautern (13 Uhr/Live-Ticker) will Düsseldorfs Trainer Oliver Reck Stammkeeper Michael Rensing durch Lars Unnerstall ersetzen.

Wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Und wenn ein Fußballtrainer richtig Selbstbewusstsein entwickelt hat, dann wagt er sich schon mal auf sportliches Glatteis. So wie jetzt offenbar Fortuna Düsseldorfs Chefcoach Oliver Reck, denn der 49-Jährige plant offenbar einen Torwarttausch. Ausgerechnet im Zweitliga-Spitzenspiel beim 1. FC Kaiserslautern (Samstag, 13 Uhr, Live-Ticker) soll Stammkeeper Michael Rensing seinen Kasten räumen und für Lars Unnerstall Platz machen.

Bestätigen wollte Reck entsprechende Nachrichten auf Nachfrage zwar nicht. Sein Dementi freilich fiel halbherzig aus: "Ich sage grundsätzlich zu allen Personalien erst eine Stunde vor dem Anpfiff etwas." Doch ganz gleichgültig, wann der Trainer nun den Wechsel offiziell macht - die Frage nach dem Warum muss ohnehin gestellt werden. Unzweifelhaft nämlich hat ihm Rensing keinerlei Anlass dazu gegeben, im Gegenteil: Der frühere Münchner, Leverkusener und Kölner war an den bisherigen zehn Spieltagen der große Rückhalt der Düsseldorfer, spielt eine ganz starke Saison.

Dennoch hat sein Trainer ein Problem. Mit einer Aussage, die er kurz vor Saisonbeginn im Trainingslager von Maria Alm öffentlich getätigt hatte. "Es wird keine eindeutige Nummer eins geben", kündigte Reck im Juli an. "Lars Unnerstall wird ebenso seine Spiele und seine Chancen bekommen wie Michael Rensing."

Nun möchte er diese Zusage offenbar einlösen, aber der Zeitpunkt dafür scheint bedenklich. Fortuna fährt als beste Auswärtsmannschaft der Liga zum besten Heimteam Kaiserslautern. Da hätten die Düsseldorfer allen Grund, mit breiter Brust anzutreten - und dem besten Kader. Doch neben den Langzeitverletzten Oliver Fink, Heinrich Schmidtgal und Ihlas Bebou fallen sicher auch die wichtigen Stammkräfte Jonathan Tah (Muskelverletzung) und Charlie Benschop (erkrankt) aus. Dann auch noch zusätzlich und ohne jede Not den Torwart zu wechseln, ist entweder genial oder wahnsinnig. Das Ergebnis und vor allem Unnerstalls Vorstellung werden die Antwort darauf geben und damit auch Recks Status nach der Partie festlegen: Klappt der Torwartcoup, ist er der Held, geht er schief, ist Reck der Depp.

Immerhin gibt es auch eindeutig gute Nachrichten aus der Sparte Personalien. Regisseur Michael Liendl und Flügelspieler Axel Bellinghausen haben ihre Knöchelblessuren aus dem Kampfspiel gegen den FC St. Pauli (1:0) auskuriert und können heute ins Geschehen eingreifen. Das ist vor allem für Bellinghausen von großer Bedeutung, spielte er doch von 2005 bis 2009 für die Lauterer, war im Fritz-Walter-Stadion sogar erklärter Publikumsliebling. Für Fortunas Eigengewächs ist es also ein ganz besonderes Spiel, zumal da Bellinghausen kein Hehl aus seinem Wunsch macht, am Ende beide Klubs als Aufsteiger zu sehen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg - und der könnte schon im Oktober über Glatteis führen.

(RP)