Fortuna Düsseldorf: Zurück in den Kampfmodus - was in der Vorsaison Berge versetzte

Vor dem Neustart gegen Mainz : Fortuna muss zurück in den Kampfmodus

Nach sechs Bundesligaspielen ohne Sieg brauchen die Düsseldorfer am Samstag gegen Mainz ein Erfolgserlebnis. Dabei kann die Erinnerung an die Vorsaison helfen: Damals punktete Fortuna in manchen Partien, obwohl es spielerisch nicht nach Plan lief.

Schön spielen und gewinnen ist etwas Wunderbares. Doch wenn eine Fußballmannschaft schon in einer Phase steckt, in der beides nicht zusammenzubringen ist, dann lässt sich auf die Ästethik des Spiels eindeutig eher verzichten als auf den zählbaren Ertrag. Beispiel Fortuna Düsseldorf: Sie konnte sich letztlich nichts dafür kaufen, dass sie am sechsten Spieltag mindestens 65 Minuten lang deutlich besseren Fußball spielte als der aktuelle Tabellenführer Borussia Mönchengladbach, am Ende aber eine 1:2-Niederlage einstecken musste.

Am Samstag (15.30 Uhr, Arena) geht es gegen den FSV Mainz 05 vorrangig darum, Punkte einzufahren – wie auch in den folgenden beiden Partien gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf, den SC Paderborn und den 1. FC Köln. Solche Begegnungen kann man gewiss auch mit schönem Fußball gewinnen, doch aussichtsreicher ist zunächst einmal, in den Kampfmodus zu schalten. Dabei hilft ein Blick zurück auf die Vorsaison, als Fortuna einige Male wichtige Punkte in Begegnungen einfuhr, in denen es spielerisch gar nicht nach Wunsch lief. Einige Beispiele:

3. Spieltag, 2:1 gegen die TSG Hoffenheim. Nach dem bitteren Saisonstart mit der Heimniederlage gegen den FC Augsburg schien die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel trotz des vorangegangenen und sehr ermutigenden 1:1 in Leipzig chancenlos. Hoffenheim spielte den Aufsteiger förmlich an die Wand, traf lediglich das Tor nicht – Angreifer Andrej Kramaric nicht einmal das leere. Fortunas glückliche Pausenführung durch Alfredo Morales wankte etliche Male, doch mit enormem Kampfgeist übertünchten die Gastgeber ihre spielerischen Defizite. Den Clou landeten sie nach dem späten Ausgleich von Reiss Nelson (86.): Weil sie nie aufsteckten und weiter rackerten, holte Kenan Karaman zwei Minuten später doch noch einen Foulelfmeter heraus, den Dodi Lukebakio zum Siegtreffer verwertete.

15. Spieltag, 2:0 gegen den SC Freiburg. Wie sich erst Monate später herausstellte, wäre Trainer Funkel wohl beurlaubt worden, wenn seine Mannschaft diese Partie nicht gewonnen hätte. Denn zwar hatte sich Fortuna mit einem auch spielerisch überzeugenden 4:1-Sieg über Hertha BSC aus der Sechs-Niederlagen-Serie gekämpft und auch beim FC Bayern mit 3:3 gepunktet. Niederlagen gegen Mainz und in Bremen hatten den Aufsteiger aber erneut ans Tabellenende stürzen lassen. Entsprechend verkrampft ging es in der ersten Hälfte zu. Doch obwohl es fußballerisch nicht lief, bissen die Düsseldorfer die Zähne zusammen, kämpften bis zum Umfallen und holten durch einen Doppelpack von Abwehrchef Kaan Ayhan (55./79.) den wichtigen Sieg. Und siehe da: Nach der Führung lief es auch spielerisch besser.

17. Spieltag, 1:0 bei Hannover 96. Es war beinahe unansehnlich, was beide Mannschaften an diesem nasskalten Samstagnachmittag auf das rasenähnliche Geläuf des Hannoveraner Stadions brachten. Doch während der spätere Absteiger aus Niedersachsen den Hebel nie umgelegt bekam und bis zum Ende auf niedrigstem Niveau herumdümpelte, schaltete Fortuna irgendwann in den Kampfschwein-Modus. Schön war ihre Darbietung dann zwar immer noch nicht, aber anfangs fast unmerklich schlug das Pendel mehr und mehr auf ihre Seite um. Später Lohn war der Siegtreffer des eingewechselten Kapitäns Oliver Fink in der Nachspielzeit.

18. Spieltag: 2:1 beim FC Augsburg. Durch die drei Siege zum Jahresende war das Selbstvertrauen bei den Düsseldorfern kräftig gewachsen. Dennoch war es sehr fraglich, wie die Mannschaft mit den unsäglichen Querelen um die Vertragsverlängerung Funkels im Trainingslager von Marbella umgehen würde. Tatsächlich entschied sie erneut eine Partie, die fußballerisch nicht auf dem strahlendsten Niveau stand, durch ihren unbändigen Willen, starken Teamgeist und großen Einsatz für sich. Nach Marvin Duckschs 0:1 (45.) gestattete Fortuna dem FCA zwar den Ausgleich von Jonathan Schmid (64.), aber Benito Raman traf in der 89. Minute zum Sieg.

23. Spieltag, 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg. Es war das beste Beispiel dafür, wie man eine völlig verfahrene Begegnung, in der spielerisch überhaupt nichts zusammengeht, am Ende doch noch gewinnen kann. Viele hatten das Duell mit dem Mitaufsteiger nach Fortunas vorangegangenen Erfolgen als „Endspiel um den Klassenerhalt“ tituliert, und an diesem Druck schienen die Gastgeber anfangs zu schwer zu tragen zu haben. Trotz Überzahl nach der frühen Roten Karte gegen den Nürnberger Matheus Pereira (4.) liefen sich die Düsseldorfer immer wieder fest, verzweifelten am Abwehrriegel der Franken und gerieten kurz vor der Pause durch Eduard Löwen sogar in Rückstand. Aber erneut kämpfte sich die Funkel-Truppe aus dem Sumpf, weil sie nie den Glauben an sich verlor. Dem Eigentor Ewerthons (62.) folgte das 2:1 durch Kaan Ayhan acht Minuten vor dem Ende.

Ganz klar: Mit einer ähnlichen Einstellung wie in diesen Partien wäre auch gegen Mainz, Paderborn und Köln einiges zu holen.

Mehr von RP ONLINE