Gelungener Start für Lutz Pfannenstiel Wie ein Ex-Fortune jetzt die US-Profiliga MLS aufmischt

Update | Düsseldorf · Er war als Sportvorstand bei Fortuna – nun ist er der große Macher in der nordamerikanischen Fußball-Liga MLS. Wie Lutz Pfannenstiel den Klub vom Reißbrett auf den Rasen gebracht hat. Mit welchen Mitteln er arbeiten kann. Welche Vision er dort verfolgt.

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Foto: dpa/David Inderlied

Es steckt einiges an Bundesligaerfahrung in der neu gegründeten Mannschaft in der Major League Soccer (MLS). Fortunas ehemaliger Sportvorstand Lutz Pfannenstiel sicherte sich unter anderem die Dienste von Roman Bürki (ehemals Borussia Dortmund), Eduard Löwen (1. FC Nürnberg und Hertha BSC), Tomas Ostrak (1. FC Köln) sowie von Joāo Klaus (TSG Hoffenheim). Letzterer schoss die Gäste mit dem 3:2 zu ihrem ersten Sieg im ersten Spiel. Und auch die beiden folgenden Partien hat das Team gewonnen. Ein echter Traumstart.

Denn St. Louis FC wurde erst 2019 gegründet. Pfannenstiel half dabei, den Klub vom Reißbrett auf den Rasen zu bringen. Als er angefangen hatte, erzählt er, habe er im August 2020 lediglich Präsentationen und Ideen vorgefunden, doch ein Trainingsgelände, geschweige denn ein Stadion gab es noch nicht. Knapp zweieinhalb Jahre und hunderte Millionen Dollar später erstreckt sich in Downtown West, St. Louis, ein Sportpark, der so manchen Bundesligaklub neidisch machen dürfte.

Prunkstück ist dabei der „Citypark“, der Platz für 22.500 Zuschauer bietet. Kosten: etwa 485 Millionen US-Dollar. Direkt daneben erstreckt sich das Trainingsgelände der ersten Mannschaft und des Nachwuchses. Eine Anlage, die es, wie Pfannenstiel beteuert, in die Top-5 der Bundesliga schaffen würde.

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Foto: F95.de

Zum Verständnis: Die Major League Soccer funktioniert anders als die europäischen Topligen. Statt sich sportlich für die Liga zu qualifizieren, braucht es in den USA nur genug Kapital, um sich in die Liga zu kaufen – ganz nach dem Vorbild der NFL, NBA oder NHL. So musste St. Louis eine Eintrittsgebühr von 200 Millionen US-Dollar aufbringen, damit sie als sogenanntes „Expansion-Team“ der Liga beitreten konnten. Und sie sind bei Weitem nicht das einzige neue Team. Seit 2010 wuchs die amerikanische Profiliga von 16 auf jetzt 29 Teams.

Grund dafür ist auch die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Diese, hofft MLS-Commisioner Don Garber, „wird Raketentreibstoff für den Fußball in Nordamerika sein“. Den Zahlen nach zu urteilen, ist das noch nicht mal übertrieben: Laut dem Magazin Forbes ist der durchschnittliche Wert eines MLS-Teams seit 2019 um etwa 85 Prozent auf 579 Millionen US-Dollar gestiegen.

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Es gibt noch einen weiteren, großen Unterschied zu Europas Spitzenligen. Etwas, was sich hierzulande nicht Wenige herbeisehnen: das Ausspielen der Meisterschaft in Play-offs.
Die 18 besten Teams der „Regular Season“ kämpfen in einem KO-System um den MLS-Cup. Da ist Spannung garantiert. Zuletzt konnte sich Los Angeles FC die sogenannte „Philip F. Anschutz Trophy“ sichern. Neu in diesem Jahr ist der „League Cup“. Ein Turnier, das im Sommer zwischen Teams der nordamerikanischen und mexikanischen Liga ausgetragen wird.

Insgesamt hat der ortsansässige Investor Enterprise, ein global operierender Mietwagenkonzern, circa eine Milliarde Dollar in das Projekt gesteckt. Pfannenstiel betont jedoch, dass Enterprise und seine Eigentümer, die Taylor-Familie, mit dem Verein vor allem junge Menschen aus der Region erreichen und die Stadt für den Fußball begeistern wolle.

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Foto: Frederic Scheidemann

Die MLS hatte lange den Ruf einer Rentnerliga. Spieler wie Bastian Schweinsteiger oder David Beckham kamen, um im Spätherbst ihrer Karriere noch mal richtig abzusahnen. Doch laut Weltenbummler Pfannenstiel, der als Erster in allen Fifa-Kontinentalverbänden aktiv war, wird es solche Transfers in St. Louis nicht geben. Er wolle auf junge Talente setzen. Besonders auf Spieler aus der Region. In den ersten Monaten, erzählt er, sei er von High School zu High School gefahren, um Spieler zu scouten. Eine mühselige Arbeit, die sich jedoch ausgezahlt hat. Denn heute spielen einige der von ihm entdeckten Spieler in der Profimannschaft. Beim Blick auf die Zahlen bestätigt sich das Bild: Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 24 Jahren, und auch die Transferbilanz fällt laut transfermarkt.de mit circa 5,23 Millionen Euro moderat aus.

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Foto: dpa/Marius Becker

Pfannenstiel war 2018 von der TSG Hoffenheim als Sportvorstand nach Düsseldorf gewechselt. Zwei Jahre später hatte er den Aufsichtsrat um eine vorzeitige Vertragsauflösung gebeten – nach eigenem Bekunden ausschließlich aus privaten Gründen. Der ursprüngliche Kontrakt lief noch bis Sommer 2021. Mit seinem Nachfolger Uwe Klein hatte er sich später eine öffentliche Schlammschlacht geliefert.Kostenpflichtiger Inhalt Worum es ging? Einfach hier nachlesen.

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