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Fortuna Düsseldorf: Wie ein Sieg beim VfL Osnabrück Norbert Meiers Job rettete

Meiers Job gerettet : Die Sternstunde der Fortuna-Fans in Osnabrück

Am Sonntag gastiert Fortuna beim VfL Osnabrück. Ein wichtiges Zweitligaspiel – und doch gab es vor einigen Jahren ein Duell beider Klubs an gleicher Stätte, das noch ungleich wichtiger war. Wir erinnern an eine ganz besondere Weichenstellung, bei der die Fans die Hauptrolle spielten.

Es war zwar erst der siebte Spieltag, der da am 2. Oktober 2010 anstand. Und doch ging es für Fortuna in jener Saison 2010/11 bereits um alles. Wie auch jetzt wieder, genauer gesagt am Sonntag um 13.30 Uhr, stand vor zehneinhalb Jahren ein Zweitliga-Gastspiel beim VfL Osnabrück auf dem Düsseldorfer Programm, doch die Vorzeichen der Partie waren geradezu einzigartig. Die Mannschaft von Trainer Norbert Meier hatte nicht nur die vorangegangene Partie gegen den VfL Bochum verloren (0:1) – sondern auch alle sechs Pflichtspiele dieser Saison zuvor.

Bereits im Hochsommer hatte das Unheil seinen Lauf genommen. Wobei von Hochsommer wenig zu spüren war, als sich Fortuna am 15. August in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals beim damaligen Drittligisten TuS Koblenz blamierte: Im strömenden Regen schied die Meier-Elf mit 0:1 aus.

In der Zweiten Liga stellten die Düsseldorfer dann einen Vereinsrekord auf. 0:2 bei Energie Cottbus, 1:2 gegen Hertha BSC, 0:1 beim FSV Frankfurt, 1:2 gegen 1860 München, 0:3 beim FC Ingolstadt und schließlich 0:1 gegen Bochum. Sechs Punktspiel-Niederlagen zum Saisonstart in Verbindung mit einem Erstrunden-Pokalaus – das hatte es in Fortunas wechselhafter Vereinsgeschichte noch nie gegeben.

 Norbert Meier nach dem 3:2 vor dem Gästeblock.
Norbert Meier nach dem 3:2 vor dem Gästeblock. Foto: dpa/Friso Gentsch

Natürlich war Fortuna damit Tabellenletzter, und das mit immerhin schon vier Punkten Rückstand aufs rettende Ufer, sieben sogar auf den nun wartenden Gastgeber Osnabrück. Die Atmosphäre in Düsseldorf fühlte sich dementsprechend an. Das merkte man schon an einem kleinen Detail: Bereits nach der vierten Saisonpleite in Ingolstadt hatte sich Norbert Meier nach der Pressekonferenz mit Handschlag von den Medienvertretern verabschiedet – was der Trainer sonst nie getan hatte und daher mit Symbolkraft ausgestattet schien.

Doch die Vereinsführung um Präsident Peter Frymuth und Manager Wolf Werner hielt zu Meier, auch nach der unglücklichen Niederlage gegen Bochum noch. Ein Spiel übrigens, an das Meier noch heute manches Mal zurückdenkt: „Wir hätten gegen den VfL nicht verlieren dürfen. Auch, weil Bochums Torschütze Chong Tese zum Zeitpunkt des 0:1 längst nicht mehr hätte auf dem Platz stehen dürfen.“ Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte jedoch eine Tätlichkeit des Nordkoreaners übersehen.

Nun also Osnabrück. Und bei aller Zurückhaltung der Fortuna-Führung war klar: Beim VfL musste es einen Sieg geben, sonst wäre Meier nicht mehr zu halten gewesen. Doch in dieser Situation passierte Bemerkenswertes. Die knapp 1800 Düsseldorfer Fans feierten Mannschaft und Trainer schon mit lautstarken Sprechchören, als diese den Platz zum Aufwärmen betraten. „Ich bekam eine richtige Gänsehaut“, gab Meier später zu.

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Und die Mannschaft nahm den Rückenwind, der sich während des Spiel unvermindert fortsetzte, voll mit. Patrick Zoundi erzielte bereits in der dritten Minute das 1:0, Jens Langeneke ließ acht Minuten später per Foulelfmeter das 2:0 folgen. Von Matthias Heidrichs 2:1 ließen sich die Gäste nicht lang schocken und stellten wenig später durch Oliver Finks Kopfball den alten Abstand wieder her.

Es musste in der zweiten Hälfte noch einmal gezittert werden, als Dennis Schmidt auf 3:2 verkürzte, doch das Team um Interimskapitän Langeneke – „Lumpi“ Lambertz fehlte gesperrt – nahm den eminent wichtigen Sieg mit nach Hause. Die Fans im Gästeblock gaben nicht eher Ruhe, bis Norbert Meier vor den Zaun kam, um sich lang anhaltende Gesänge abzuholen. Der Job des Trainers war gerettet, doch nicht nur deshalb sagte Angreifer Marcel Gaus nach der Partie: „Man kann gar nicht beschreiben, wie groß der Stein war, der mir vom Herzen gefallen ist.“

Die Rolle der Fans bei diesem Spiel und in der Trainerfrage generell sorgte bundesweit für Aufsehen. Im Kommentar unserer Redaktion hieß es damals: „Nach einem Sieg kann jeder feiern, aber nach sieben Pflichtspiel-Niederlagen in Folge Spieler und Trainer bereits vor der achten Begegnung anzufeuern, ihnen mit lauten Sprechchören das Vertrauen auszusprechen — das war außergewöhnlich, ja einzigartig. Somit haben die Fans einen entscheidenden Anteil daran, dass die böse Pleitenserie in Osnabrück riss. Mit diesem Schulterschluss kann es tatsächlich noch gelingen, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.“

 Doch Fortuna gelang sogar noch mehr. Nach der Wende an der Bremer Brücke drehte sie die Saison komplett, wurde nach einem furiosen Schlussspurt sogar noch Siebter. Unter anderem aufgrund der drei Siege im Übergangsstadion „Lena-Arena“, das auf dem Trainingsgeländer errichtet werden musste, da die große Arena wegen der Ausrichtung des Eurovision Song Contest gesperrt war. Ein Jahr später stiegen die Düsseldorfer dann sogar in die Bundesliga auf. Mit Trainer Norbert Meier, der ohne die Unterstützung der Fortuna-Fans an jenem 2. Oktober 2010 in Osnabrück womöglich seinen Job verloren hätte.