Fortuna Düsseldorf: Was Vorstandschef Thomas Röttgermann aus 2019 gelernt hat

„Man muss mit diesen Kraftfeldern umgehen“ : Was Fortuna-Chef Röttgermann aus 2019 gelernt hat

Der Vorstandsvorsitzende bleibt bis Freitag im Trainingslager. Er möchte sich ein genaues Bild vom Zustand des Teams machen.

Für Fortunas Vorstandsvorsitzenden Thomas Röttgermann waren es aufregende erste Monate seit seinem Amtsantritt im April. Die App-Affäre führte zu Dissonanzen mit dem Aufsichtsrat, die aber ausgeräumt scheinen. Der Vorsatz fürs neue Jahr ist, wieder mehr Ruhe rund um Fortuna einkehren zu lassen und sich auf wichtige Sachthemen zu konzentrieren. Im Trainingslager in Marbella, das er seit dem ersten Tag begleitet, nahm sich der 59-Jährige Zeit, um seine Sicht auf die Entwicklung des Klubs darzulegen. Röttgermann über...

...persönliche Lerneffekte aus 2019: „Ich habe einen sehr lebendigen Verein erlebt, der sehr viele Menschen bewegt, die sich auch gerne zu Wort melden. Darauf muss man sich einlassen. Es gibt rund um den Verein viele Gruppen, denen Fortuna wichtig ist, die wahrgenommen werden und Einfluss nehmen wollen. Es gibt keinen Grund, das schlecht zu finden. Man muss mit diesen Kraftfeldern umgehen. Das kannte ich so bei keinem anderen Verein vorher.“

...den Status quo bei Fortuna: „Fortuna hat allen Grund, selbstbewusst zu sein. Man muss darauf stolz sein, mit welchen Mitteln Fortuna in der Bundesliga spielt. Wir sind wer, und wenn wir noch ein bisschen zusammenrücken, noch ein bisschen mehr machen, wo können wir denn dann noch hinkommen? Das zu vermitteln, ist ein Prozess. Ich habe nicht das Gefühl, dass Fortuna selbstbewusst ist, sondern eher Risiken abwegt. Manchmal habe ich das Gefühl bei Gesprächen, dass wir uns auf den Drittliga-Abstieg vorbereiten müssen. Unser Augenmerk muss aber darauf liegen, nach oben zu gucken. Es ist wie auf dem Platz: Du gewinnst keine Spiele, indem du keine Tore zulässt, sondern indem du welche schießt.“

...Vermarktungschancen: „Wir vermarkten uns in Zukunft selbst, weil wir andere Sponsoringpakete schnüren wollen. Was wir momentan machen, ist sicher nicht zeitgemäß. Wir sind gut beraten, uns im Sponsoring an die eigene Nase zu fassen. Der Fehler liegt bei Fortuna. Uns ist es nicht gelungen, zu transportieren, was wir eigentlich wert sind. Ganz wichtig bleibt aber das TV-Geld. Denn: Selbst wenn wir unsere Erlöse in jedem Bereich der Vermarktung, das heißt im Ticketing, im Merchandising und im Sponsoring, verdoppeln würden, wären wir in der Geld-Tabelle der Bundesliga immer noch auf Platz 16.“

...zum Sportlichen: „Wenn wir 100 Prozent abliefern und es dann nicht reicht, dann reicht es eben nicht. Wir müssen aber diese 100 Prozent abliefern. Man kann auch erhobenen Hauptes absteigen – aber das wird uns nicht passieren, das möchte ich ganz laut dazusagen.“