Früherer Fortuna-Angreifer Was macht eigentlich... Davor Lovren?

Serie | Düsseldorf · Er galt als eine der größten Zukunftshoffnungen, die Fortuna je auf dem Transfermarkt ergattern konnte. Und der kroatische Junioren-Nationalspieler deutete auch immer wieder einmal sein Talent an – aber den Durchbruch schaffte Davor Lovren nie. Eine Spurensuche.

Fortuna Düsseldorf: Fortunas Profis und ihre Vorgänger bei den Rückennummern
78 Bilder

Fortunas Trikotnummern und ihre berühmten Vorgänger

78 Bilder
Foto: dpa/Swen Pförtner

Zwei Szenen fallen dem geneigten Betrachter sofort ein, wenn der Name Davor Lovren fällt. Die eine spielt im Braunschweiger Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße. Dort läuft am 15. Dezember 2017 die neunte Spielminute, es steht noch 0:0 – in einer Begegnung, die für die in der Spitzengruppe der Zweiten Liga mitmischende Fortuna eminent wichtig ist. Plötzlich spielt Benito Raman einen Steilpass auf seinen blutjungen Kollegen Lovren. Der damals 19-Jährige läuft allein auf den erfahrenen Braunschweiger Schlussmann Jasmin Fejzic zu und lupft den Ball mit technischer Extraklasse über den Torwarthünen hinweg zum 1:0-Siegtreffer ins Netz.

Szene Nummer zwei ereignet sich ebenfalls in der Arena eines absoluten Traditionsklubs, im Max-Morlock-Stadion des 1. FC Nürnberg. Es ist immer noch die Saison 2017/18, und an jenem 13. Mai 2018 sind sowohl der gastgebende „Club“ als auch Fortuna bereits feststehende Aufsteiger in die Bundesliga. Es geht aber noch um viel Prestige, denn beide wollen unbedingt noch Zweitliga-Meister werden. Fortuna braucht dafür einen Sieg – und diesen leitet Davor Lovren ein.

In der Nachspielzeit flankt er den Ball mit dem Außenrist zentimetergenau auf den Kopf von Kaan Ayhan, der den 3:2-Erfolg und die „Radkappe“ für den Zweitliga-Meister sichert. Ein technisches Glanzstück des kroatischen Talents, das in dieser Form kaum einer seiner weit erfahreneren und renommierteren Kollegen im Fortuna-Dress hätte bewerkstelligen können.

Fortuna Düsseldorf - Hinrundenrangliste von Fans und Redaktion nach Durchschnittsnoten
55 Bilder

Fortunas Hinrundenrangliste von Fans und Redaktion

55 Bilder
Foto: dpa/Roland Weihrauch

Es gibt jedoch einen Haken an dieser im Grunde so schönen Geschichte. Davor Lovren zeigte in diesen beiden Szenen, sicherlich auch noch in der einen oder anderen mehr, die dann einen weniger spektakulären Ausgang hatte, seine ganze Qualität. Alles, was aus ihm einmal hätte werden können. Doch Davor Lovren schaffte es in seiner Zeit in Düsseldorf nie, sein Talent über einen längeren Zeitraum zu entwickeln.

Fortuna Düsseldorf: Das sind die Rekordtorschützen in der Zweiten Liga
52 Bilder

Fortunas Rekordschützen in der Zweiten Liga

52 Bilder
Foto: Frederic Scheidemann

Im Juli 2017 hatte Robert Palikuca, Fortunas früherer Profi und inzwischen für das Scouting und Spielverpflichtungen zuständiger Experte, Lovren von Dinamo Zagreb an den Rhein gelotst. Aufgrund von „Palis“ hervorragenden Kontakten in seine kroatische Heimat für ein Taschengeld an Leihgebühr, gemessen am Talent des Offensivspielers, dessen Bruder Dejan es als Profi des FC Liverpool zu internationalem Rang gebracht hatte.

Schnell überzeugte Lovren II die Verantwortlichen der Fortuna mit Trainer Friedhelm Funkel an der Spitze von seinem Talent, seine Unterschrift unter einen Fünf-Jahres-Vertrag wurde als echter Coup gefeiert. Doch von diesem Punkt an bricht die Geschichte ab. Denn weder unter Funkel noch unter dessen Nachfolgern Uwe Rösler und Christian Preußer konnte Lovren an das anknüpfen, was sich die Düsseldorfer von ihm versprochen hatten. Ein Problem dabei war sicher der Aufstieg: Eine Liga höher war es für den seinerzeit ja erst 19-jährigen Kicker naturgemäß viel schwieriger, sich in dem stärker gewordenen Kader durchzusetzen, als es im deutschen Unterhaus geworden wäre.

Fortuna Düsseldorf: Diese Profis wären besser in Düsseldorf geblieben
40 Bilder

Diese Profis wären besser in Düsseldorf geblieben

40 Bilder
Foto: dpa/Guido Kirchner

Zu seinen immerhin 14 Spielen in seiner ersten Saison in der Zweiten Liga, ergänzt durch einen Auftritt im DFB-Pokal, kamen nur noch zwei Kurzeinsätze mit insgesamt 44 Minuten Länge in der Bundesliga hinzu. Es folgten in den folgenden vier Spielzeiten 41 Einsätze für Fortuna – allerdings für die U23 in der viertklassigen Regionalliga, kein weiterer im Profiteam. Auch eine zwischenzeitliche Ausleihe an den kroatischen Erstligisten Slavo Belupo Koprivnica verlief nicht zufriedenstellend, denn nach fünf Einsätzen zum Rückrundenbeginn 2019/20 gab es für ihn anschließend keinen Kaderplatz mehr.

Im Juni dieses Jahres endete das Kapitel Fortuna für ihn vorzeitig. Beide Seiten einigten sich auf die Ausflösung seines eigentlich noch bis Sommer 2023 laufenden Vertrages, doch erst tief im Herbst fand der inzwischen 24-Jährige einen neuen Arbeitgeber. Dieser heißt NK Jarun und belegt in der zwölf Teams umfassenden zweiten Liga Kroatiens Platz neun. Ende Oktober spielte Lovren beim 0:0 gegen Hrvatski Dragovoljac 19 Minuten lang mit, eine Woche später beim 0:3 gegen NK Rudes 20 Minuten. In den folgenden fünf Partien bis zur WM-Pause stand der Angreifer dann schon wieder nicht mehr im Kader. Ein wirklicher Neuanfang sieht anders aus – und das Warten auf den Durchbruch geht weiter.