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Fortuna Düsseldorf: Was Friedhelm Funkel vom 1. FC Köln zu Rassismus-Vorwurf sagt

Rassismus-Vorwurf gegen Funkel : „Ich werde meine Sprache prüfen“

Nach der 0:3-Niederlage des 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen hat der 67-Jährige mit einem Interview für Entrüstung gesorgt. Wegen einer Andeutung wurde dem Ex-Trainer von Fortuna rassistisches Gedankengut unterstellt. Was er selbst dazu sagt.

Herr Funkel, ein Interview von Ihnen sorgt für Empörung. Nach dem Spiel gegen Bayer Leverkusen sagten Sie wörtlich: „Sie haben eine enorme Schnelligkeit durch ihre – ja, den ein oder anderen Ausdruck darf man ja jetzt nicht mehr sagen – durch ihre Spieler, die halt so schnell sind.“ Verstehen Sie das Problem der Aussage?

Funkel Ja, mit etwas Abstand ist mir das bewusst geworden. In dem Moment nicht. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was ich sagen wollte. Ich habe nur schnell gemerkt, dass ich es ganz anders ausdrücken wollte.

Der Verdacht liegt nahe, dass Sie eine Verbindung zwischen der Hautfarbe der Leverkusener Torschützen Leon Bailey und Moussa Diaby herstellen wollten.

Funkel Ich habe das auch zur Kenntnis genommen, und mich hat das schon ein wenig erschrocken. Ich weiß nicht mehr genau, was mir da durch den Kopf gegangen ist. Aber ich bin weit, weit, weit davon entfernt, irgendjemanden anzugreifen. Das habe ich noch nie in meinem Leben gemacht, und das werde ich auch bis zu meinem Lebensende nicht machen. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Menschen verletzt. Weder verbal noch, indem ich ihn attackiert habe. Und das werde ich auch niemals machen. Dafür habe ich zu viel Respekt vor allen Menschen auf der Welt.

Es wurde daraufhin von einigen Fan-Klubs sogar ihr Rücktritt gefordert.

Funkel Es war niemals meine Absicht, irgendwen zu beleidigen oder zu verletzen. Sollte es doch passiert sein, kann ich nur um Verzeihung bitten. Wer mich kennt, der weiß, dass ich jeden Menschen gleich behandele, egal welche Nationalität oder Hautfarbe er hat. Das war so und das wird auch immer so bleiben. Manche wollen das aber gar nicht sehen, da wird dann etwas aufgeblasen. Da verstehe ich die Medienwelt nicht.

Es geht ja weniger darum, ob man Ihnen glaubt, dass Sie weltoffen sind, als dass man Sie versucht dafür zu sensibilisieren, wie Sie Sprache einsetzen.

Funkel Ja, aber da werden einem Dinge unterstellt, das ist schon ein Stück weit enttäuschend. Was ich gesagt habe, war so nicht richtig. Ich hätte es besser formulieren müssen, um nicht missverstanden zu werden. Ich habe zu allen Spielern immer ein gutes Verhältnis gehabt. Besonders zu den afrikanischen Profis. Wissen Sie, wie die mich genannt haben?

Verraten Sie es.

Funkel Papa! Einfach nur Papa. Egal ob Bachirou Salou in Duisburg oder später auch viele weitere meiner Spieler. Dadurch kommt sicherlich sehr gut zum Ausdruck, was wir für eine Beziehung hatten. Noch einmal, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: damit will ich nichts rechtfertigen, damit will ich erklären, wie ich Offenheit lebe. In meiner Aussage ist das so nicht deutlich geworden.

Was haben Sie aus allem gelernt?

Funkel Ich bin noch dabei, das für mich aufzuarbeiten. Aber natürlich lerne auch ich noch täglich dazu. Ich werde meine Sprache prüfen. Wer bin ich, dass ich behaupten würde, ich wüsste alles und würde keine Fehler machen? Das ist Quatsch. So ticke ich nicht.

Seit vergangenem Montag sind Sie Trainer des 1. FC Köln. Schon eingelebt?

Funkel Absolut. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Da sind tolle Charaktere drunter, die machen es einem leicht. In vielen Bereichen musste auch alles von null auf 100 gehen. Wir haben nicht viel Zeit, einander zu beschnuppern. Ich habe aber schon das Gefühl, dass ich dazu gehöre. Wir müssen jetzt gemeinsam abliefern. Aber nach dem Spiel gegen Leverkusen bleibt auch die Erkenntnis: wir haben 0:3 verloren.

Ihre Mannschaft hat phasenweise ordentlich mitgespielt.

Funkel Stimmt, aber dafür können wir uns in unserer Situation recht wenig für kaufen. Es haben manchmal nur Zentimeter gefehlt. Es waren zum Teil individuelle Fehler von uns dabei. Diese Niederlage wird uns nicht umwerfen. Wir werden es besser machen. Klar ist aber auch: die Aufgabe wird nicht leichter. Ich bin aber überzeugt von den Spielern.

Hertha BSC ist als einer Ihrer Konkurrenten im Abstiegskampf erst einmal in Quarantäne. Ein Vorteil für Ihre Mannschaft?

Funkel Das wird man sehen, ob das wirklich ein Nachteil ist. Man wird sehen, inwieweit es sich auswirkt, dass sie 14 Tage nicht trainieren konnten. Für uns sollte aber nicht entscheidend sein, was andere machen, sondern wie wir uns entwickeln.

Was sagt eigentlich Ihre Frau dazu, dass Sie endlich mal wieder etwas öfter aus dem Haus sind?

Funkel Die freut sich für mich, dass ich noch einmal machen kann, was mich einfach erfüllt: als Trainer zu arbeiten. Ich weiß, das hört sich etwas kitschig an, aber ich hatte einfach Lust dazu, noch einmal diesen Job zu machen.

Und wie war das erste Mal an der Seitenlinie?

Funkel Bis auf das Ergebnis war es schön. Wissen Sie nur, was ich irgendwann realisiert habe?

Wie sind gespannt.

Funkel Ohne Zuschauer ist es nicht die gleiche Magie. Ich stand da und habe irgendwann mal meinen Kopf etwas angehoben. Ich habe auf die leeren Tribünen geblickt und das war ein ganz komisches Gefühl. Wenn du da stehst, bist du komplett im Tunnel. Ich nehme verschiedene Geräusch anders war. Es geht hektisch zur Sache, alle schreien durcheinander. Es ist jetzt nicht still. Aber es fehlt diese Energie. Ich habe zum ersten Mal in meiner Karriere in der Bundesliga ohne Fans gespielt. Darauf hätte ich verzichten können.

Sollten Sie mit dem FC tatsächlich den Klassenerhalt schaffen – stoßen Sie mit einem Glas Pils oder Alt auf den Erfolg an?

Funkel (lacht) Was für eine gemeine Frage. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich sehr gerne Kölsch trinke – auch weil man davon einfach mehr trinken kann. Ich mochte immer schon helles Bier etwas lieber. Aber wenn ich mal in eine Kneipe in Düsseldorf gegangen bin, habe ich auch immer ein Pils bekommen. Nur um nicht den nächsten Ärger zu bekommen: ich mag natürlich auch Alt.

Viele Fortuna-Fans waren sehr enttäuscht von Ihrem Engagement ausgerechnet in Köln. Verstehen Sie die Wut?

Funkel Ja und nein. Ja, wir haben eine unfassbar intensive Zeit durchlebt. Zwischen mir und den Fans ist etwas Besonderes gewachsen. Und das wird von meiner Seite aus auch immer so bleiben. Es ist nur schon seither einige Zeit vergangen. Dinge haben sich geändert. Alles, was ich über Fortuna gesagt habe, habe ich immer auch zu 100 Prozent so gemeint. Da war nichts geheuchelt oder aus Kalkül. Kann man mir abkaufen oder nicht. Ich erwarte aber auch, dass man respektiert, dass ich ja auch ein eigenes Leben haben. Und da habe ich eben noch einmal eine Chance ergriffen.

Hatten Sie eigentlich nochmal Kontakt zur Führungsetage von Fortuna?

Funkel Nein, wir hatten keinen Kontakt. Sie wollten das nicht. Für mich hat sich also diesbezüglich seit Januar 2020 nicht viel geändert. Ich bedauere das, aber so ist es nun eben. Ändert aber nichts daran, dass Fortuna immer einen besonderen Platz in meinem Leben haben wird. Ich habe in meiner Düsseldorfer Zeit nie verborgen, dass ich auch Sympathien für Köln habe. Nun werde ich das umgekehrt auch so halten. Etwas sportliche Rivalität ist vernünftig, aber es sollte nicht soweit führen, dass man Hass empfindet.

Hier geht es zur Infostrecke: So reagieren die Fans nach Funkels Sinneswandel