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Fortuna Düsseldorf: Was F95 gegen den Karlsruher SC Hoffnung macht

„Histörchen“ – die etwas andere Gegnervorschau : Was Fortuna gegen den KSC Hoffnung macht

Fortuna möchte gegen den Karlsruher SC endlich den ersten Heimsieg der Saison feiern. Aus einem Umstand können die Düsseldorfer vor dem Spiel am Samstag etwas Hoffnung ziehen. Worum es geht.

Der Karlsruher SC ist in den letzten Jahrzehnten, ähnlich wie sein heutiger Gastgeber, zum Wandler zwischen den Ligen verkommen. Kaum ein Jahr vergeht, im dem der KSC nicht kurz vor einem Ligawechsel steht, oder ihn tatsächlich vollzieht. Aktuell stehen die Zeichen auf Erfolg. Sportlich zeigt der Trend ebenso nach oben, wie wirtschaftlich – nicht zuletzt Dank des fortschreitenden Umbaus des Wildpark-Stadions in eine neue, schmucke Arena.

Die Wurzeln der Badener sind elf Monate älter, als die der Fortuna, doch seinen heutigen Namen trägt der KSC erst seit dem 16. Oktober 1952. Damals kam es im zweiten Versuch zu einer Fusion des VfB Mühlburg-Karlsruhe und dem Karlsruher FC Phönix. Dieser Zusammenschluss machte sich bereits drei Jahre später bemerkbar, denn 1955 konnte die neue Nummer eins in Karlsruhe den ersten überregionalen Vereinstitel einfahren, als sie den FC Schalke 04 im DFB-Pokalendspiel mit 3:2 schlug. Einmal Blut geleckt, spielte der KSC im Folgejahr seine wohl beste Saison der Vereinsgeschichte. Erneut holten sie den DFB-Pokal und scheiterten denkbar knapp im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft an Borussia Dortmund.

Face-to-face-Vergleich Bereits in den 30er-Jahren machten die Jungs vom Flinger Broich Bekanntschaft mit einer der Ur-Zellen des Karlsruher SC. Am 1. Januar 1934 gab der amtierende Deutscher Fußballmeister seine Visitenkarte beim VfB Mühlburg-Karlsruhe ab und siegte mit 2:1 (0:0). Vor 6000 Zuschauern im Stadion an der Honsellstraße entschied Paul Mehl durch einen Doppelschlag (63. und 64.) das Freundschaftsspiel zu Gunsten der Fortuna.

In den kommenden 39 Jahren erlebten die Fans kein Wiedersehen zwischen den beiden Mannschaften. Erst nach Fortunas Bundesliga-Aufstieg (1966) führte das Schicksal die Teams erneut zusammen. Vor 55 Jahren kam es zum ersten Punktspiel-Duell auf rheinischem Boden. 27.000 Fans feierten im alten Rheinstadion am Ende besonders Jürgen Schult. Schult ging mit dem einzigen Treffer des Tages (58.) in die Geschichtsbücher ein, denn er besiegelte damit Fortunas ersten Heimsieg im Oberhaus.

In den weiteren elf Heimpaarungen der Elite-Klasse gelang es Fortuna noch fünf Mal, den Platz als Sieger zu verlassen, viermal dreht der KSC am Ende die Siegerrunde und zweimal blieb es bei einer Punkteteilung. In zwölf Partien gab es stolze 39 Tore zu bestaunen, wobei der Fortuna 22 Mal der Torschrei über die Lippen ging.

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In Zeiten der Zweitklassigkeit kommt es am Samstag zur zehnten heimischen Auseinandersetzungen mit den Nordbadenern. Beim Blick auf die Statistik wird klar, dass die Flingerer lieber die 280 Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen, als den Gang ins eigene Wohnzimmer gegen den KSC zu wagen. Eine ausgeglichene Bilanz bei vier Siegen, einem Remis und vier Niederlagen ist nicht gerade das Gelbe vom Ei.

Seitenwechsler Am Samstag dürften gleich zwei Fortunen mit Karlsruher Vergangenheit in der Anfangsformation von Trainer Christian Preußer stehen. Rouwen Hennings trifft – nach dem Spiel beim HSV – erneut auf einen Ex-Klub. Beim KSC spielte Hennings seine bisher treffsicherste Saison. In seiner letzten Spielzeit in Baden (2015) wurde er mit 17 Treffern Torschützenkönig der Zweiten Liga.

Und auch KSC-Eigengewächs Matthias Zimmermann möchte seinem ehemaligen Verein gern eine Niederlage zufügen. Dagegen ist für Fortunas ehemaligen Innenverteidiger Robin Bormuth die Vorrunde bereits gegessen. Hartnäckige Sprunggelenkbeschwerden zwangen ihn vor kurzem zu einer OP. Schade für ihn, gut für Fortuna. Ehemalige Düsseldorfer im Dress der Karlsruher entwickeln nämlich gerne Torinstinkt, sobald ihr verflossener Arbeitgeber auf dem Spielplan steht.

Spiel der Spiele Trotz Trainerwechsel, Willibert Kremer löste Ende Oktober 1982 Jörg Berger ab, stand Fortuna am 20. November 1982 das Wasser bis zum Hals. Als Tabellensiebzehnter der Bundesliga lagen die Wochen der Wahrheit vor den Düsseldorfern. Ein doppelter Punktgewinn gegen den Abstiegskonkurrenten Karlsruher SC tat Not und sollte der Startschuss für eine bessere Zukunft werden. Leider war das Publikumsinteresse bescheiden – ganze 7000 Fans verloren sich im weiten Rund des Rheinstadions. So triste der Besuch, so attraktiv die Begegnung.

Besonders Sturmtank Atli Edvaldsson war es zu verdanken, dass die löchrige Düsseldorfer Abwehr, in der Keeper „Otto“ Kleff einen rabenschwarzen Tag erwischte, nicht der alles entscheidende Faktor des Tages war. Wann auch immer ein Ball in den KSC-Strafraum flog, Edvaldsson hatte seinen Schädel in Reichweite. Nachdem zunächst noch der Pfosten für Karlsruhe rettete, war der Isländer in Minute 24 mit dem 1:0 zur Stelle und das muntere Toreschießen war eröffnet. Ralf Dusend wollte es seinem Mannschaftskameraden gleich tun und erhöhte nach 39 Minuten auf 2:0.

Dass diese Führung trügerisch war, zeigte sich in der Folge. Noch vor dem Wechsel kam der KSC zum Anschlusstreffer und nach einem Blackout von Kleff stand es nach 55 Minuten 2:2. Doch der Glaube an zwei Punkte war immer noch vorhanden und so erzielte Fortuna noch zwei weitere Tore durch Manni Bockenfeld (73.) und Holger Fach (78.). Dass Emanuel Günther in den Schlussminuten noch auf 3:4 verkürzte, hatten die Düsseldorfer erneut Kleff zu „verdanken“. Auch wenn es nicht sein Tag war, so war es für Fortuna aber ein gewonnenes Schlüsselspiel zum richtigen Zeitpunkt.

Was Hoffnung macht Heimsiege sind eigentlich das Faustpfand für eine stabile Saison. Erzielt ein Verein dazu noch überdurchschnittlich viele Auswärtspunkte, steht dem Klub Tür und Tor offen, eine erfolgreiche Spielzeit abzuliefern. Während Fortuna in der vergangenen Saison für Heimstärke stand und auswärts regelmäßig versagte, scheint sich das Blatt in der aktuellen Runde und 180 Grad gedreht zu haben. Auswärts hui, zu Hause pfui.

Nach vier Heimauftritten reichte es gerade einmal zu zwei mickrigen Punkten und Platz 15 in der Heimtabelle. Nur ältere Fortuna-Anhängern kennen das Gefühl, wie es ist, die Arena nach einem Heimsieg im Rückspiegel zu haben. Am 22. Dezember 2019 (!) gab es zuletzt einen Heimsieg, bei dem jeder Willige live und in Farbe hätte dabei sein dürften. Zumindest 7500 Fans kamen (unter Corona-Bedingungen) neun Monate später in den Genuss den letzten Heimsieg vor Publikum überhaupt mitzuerleben (1:0 gegen Würzburg).

Was also sollte Hoffnung geben, endlich wieder Heimspielfreude zu entwickeln? Glaubt man der Statistik, so ist ein torloses Spiel ebenso wenig zu erwarten wie eine Punkteteilung. Mathematisch gesehen, stehen die Chancen also 50:50. Dass kein Ex-Düsseldorfer den Flingerern in die Suppe spuken kann, spricht allerdings für die Landeshauptstädter. Das rundet die Quote auf 51:49 zu Gunsten der Fortuna auf. Prinzip Strohhalm...

Hier geht es zur Bilderstrecke: So gut werden Fortunas Heimspiele besucht