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Fortuna Düsseldorf - was aus Kenan Karaman, Kevin Danso, Luka Krajnc, Jean Zimmer, Kelvin Ofori und Brandon Borrello geworden ist​

Karaman, Danso, Krajnc und Co. : Was aus den Fortuna-Abgängen geworden ist

Sie wollten aus Düsseldorf weg oder haben keine Perspektive mehr bei Fortuna gesehen. Doch was ist aus den Profis an neuer Wirkungsstätte geworden? Für wen es der richtige Schritt war. Und wer besser im Rheinland geblieben wäre. Ein Überblick.

Kenan Karaman In der letzten Saison war Karaman der Spieler, über den am meisten diskutiert wurde. Von den einen für seine technischen Fähigkeiten bewundert, wurde ihm von den anderen eine mangelhafte Einstellung nach seinem geplatzten Wechsel in die Türkei unterstellt. Uwe Rösler vermittelte im Konflikt geschickt, sodass Karaman bis zum Schluss ein wichtiger Faktor für Fortuna war und trotz langer Ausfallzeiten immerhin neun Scorerpunkte beisteuerte.

Nach der schwachen Fußball-Europameisterschaft der Türkei wechselte der in Hoffenheim ausgebildete Karaman mit einem Jahr Verzögerung zu Besiktas. Dort konnte Karaman das erste Mal in seiner Karriere Champions League spielen, verlor aber alle sechs Partien mit seinem Team. Auch in der Liga war es eine gebrauchte Saison für den damals noch amtierenden Meister- und Pokalsieger. Besiktas landete nur auf dem sechsten Rang und entließ gleich zwei Trainer: den ehemaligen Erfolgscoach Sergen Yalcin und später dessen Nachfolger Önder Karaveli.

Für den Traditionsverein ist es die schlechteste Platzierung der letzten 35 Jahre, nur die Saison 1997/98 wurde auch auf Platz sechs abgeschlossen. Aktuell wird die Mannschaft von Valerien Ismaël trainiert, der Karaman vermehrt im rechten Mittelfeld einsetzt. Positiv für Karaman ist, dass er in der unruhigen Zeit auf seine Spielminuten kam und im letzten Spiel traf. Seine Statistiken mit nur jeweils zwei Toren und Vorlagen entsprechen jedoch nicht seinen Ansprüchen.

Gökhan Gül Aus der Bochumer Jugend wurde Gökhan Gül an den Flinger Broich transferiert. Der heute 23-jährige Mittelfeldspieler kam mit der Empfehlung von mehreren Spielen für die deutsche Jugendnationalmannschaft. In Düsseldorf bremste ihn aber ein schwerer Ermüdungsbruch aus und es fiel ihm schwer, sich in den Kader zu kämpfen. Um wieder Spielzeit zu erhalten, wurde er nach Wehen Wiesbaden in die Dritte Liga verliehen und wusste dort zu überzeugen.

Jedoch schien Wehen nach dem Aufstieg nicht mehr auf ihn zu setzen, sodass es ein verlorenes zweites Jahr wurde. Zurück in Düsseldorf wollte er auf ein Neues angreifen und verletzte sich wieder schwer mit einem Mittelfußbruch. Deshalb versuchte er nach Vertragende, einen Neustart in der Türkei beim Zweitligisten Genclerbirligi Ankara. Beim Erstligaabsteiger scheint Gül sein fußballerisches Glück gefunden zu haben und verpasst selten ein Spiel.

Zusätzlich erzielte der ehemalige Düsseldorfer, der jetzt in der Innenverteidiger spielt, drei Saisontore. Mit dem Abschluss auf dem 13. Tabellenplatz blieb der Hauptstadtverein trotzdem hinter den Erwartungen zurück.

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Kelvin Ofori Ursprünglich als großes Talent von der „Right to Dream Akademie“ in Ghana verpflichtet, kam er nie in Düsseldorf richtig an. Dabei deutete er häufig sein Können an, konnte aber nie Konstanz in seine Leistungen bringen. Nach herausragenden Auftritten wie im Pokal gegen Kaiserslautern oder in der Liga gegen Würzburg folgten meist schwache Vorstellungen.

Für den immer noch 20-Jährigen war es schwierig, sich auf den europäischen Fußball einzustellen. Nicht auszuschließen, dass ihn die Erfahrungen in der Akademie belasteten. 2018 wurde in den „Football Leaks“ berichtet, dass die Spieler dort mit Gewalt zu besseren Trainingsleistungen gezwungen werden sollten.

Hinzu kam, dass die anderen Spieler aus Ghana wie Ampomah, Adams und Tekpetey auch alle Probleme hatten sich in Düsseldorf zurechtzufinden. Aus dieser Sicht schien ein Neuanfang und der spätere Wechsel nach Paderborn für alle Seiten nachvollziehbar. Doch in Paderborn sind die Probleme von Ofori vermutlich noch größer geworden zu sein. Er schaffte es zehnmal überhaupt nicht in den Kader von Trainer Lukas Kwasniok. Dabei hatte er nicht einen Einsatz von Anfang an und konnte nur fünf Prozent der möglichen Spielminuten auf dem Platz stehen.

In der Lokalpresse wird der ehemalige Düsseldorfer schon als „einzige Enttäuschung“ beschrieben. Ein hartes Urteil für Ofori, der kaum Chancen bekam. Es scheint fragwürdig, ob er seinen bis 2023 gültigen Vertrag in Paderborn erfüllen wird.

Brandon Borrello Als Leihspieler vom SC Freiburg kam Brandon Borrello für eine Saison nach Düsseldorf. Uwe Rösler gab ihm zu Beginn viele Chancen und probierte ihn auf mehreren Positionen aus. Leider schien das spielerische Vermögen des Australiers nicht auszureichen. Denn fehlender Einsatz oder Wille konnte Borrello nie vorgeworfen worden,

Rösler honorierte, dass er nie aufstecke, sich im Training empfahl und setzte ihn als Joker gegen den KSC ein. Sein Tor in der letzten Minute war ein versöhnlicher Abschied für den in der Kabine beliebten Flügelspieler. In dieser Saison wurde er von Freiburg nach Dresden verliehen und schon nach zwei Spielen fiel er lange mit einem Mittelfußbruch aus. Anschließend folgten weniger starke Leistungen in einer insgesamt verunsicherten Dresdener Mannschaft.

Nach der Entlassung von Trainer Alexander Schmidt und der Verpflichtung von Guerino Capretti wurde Borrello nur noch sporadisch einsetzt. Auch im Rückspiel der Relegation reichte es nur zu einem 22-minütigen Kurzauftritt und am Ende steht der Abstieg von Dynamo. Dem sympathischen Borrello bleibt zu wünschen, dass er mit der nächsten Leihe oder Transfer den richtigen Verein findet. Eine Möglichkeit wäre der 1. FC Kaiserslautern, bei dem er seine erfolgreichste Fußballzeit hatte.

Jean Zimmer Unter die Kategorie sympathischer Fußballspieler fällt auch Jean Zimmer, der Borrello im Relegationsspiel gegenüber stand. In der Winterpause der Vorsaison verliehen, wechselte er mit Beginn der Saison 2021/22 fest zu seinem Jugendverein Kaiserslautern.

Zimmer ist ein Spieler, auf den sich der Trainer immer verlassen kann und der seine Aufgabe zuverlässig erledigt. Mit Fortuna erlebte der Pfälzer neben dem Abstieg auch viele Höhepunkte wie die Zweitligameisterschaft und sein unvergessliches Tor gegen Dortmund. Bemängelt wurde zum Schluss, dass er zu wenig Impulse für das Offensivspiel setzen würde.

Bei Kaiserslautern konnten die Verantwortlichen ihr Glück kaum fassen, den „verlorenen Sohn“ verpflichten zu können. Zimmer wurde direkt Kapitän und schaffte den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt. Mit ihm holte Kaiserslautern noch einen Rückstand von sieben Punkten zum ersten Rettungsplatz auf.

In der vergangenen Saison fiel Zimmer lange wegen einer chronischen Darmerkrankung aus, doch das Team schaffte auch ohne ihn ein neues Wunder. Als Vorjahres-Fast-Absteiger qualifizierte sich das Team für die Relegation zur Zweiten Liga.

Fast schon typisch für den Pfälzer Traditionsverein kam es wieder zu Unruhe und für die beiden Spiele übernahm Dirk Schuster das Traineramt von Marco Antwerpen. Zimmer war auf einmal wieder da und Schuster konnte sich in beiden Spielen auf den Kapitän verlassen.

Nach dem 2:0-Sieg in Dresden machte der Fan und Kapitän des Vereins kein Geheimnis aus seiner Gefühlswelt und weinte vor Glück. Die Fortuna-Fans werden sich mit Sicherheit freuen, Zimmer in der kommenden Saison wieder in der Arena begrüßen zu dürfen.

Luka Krajnc Krajnc war eines der zentralen Diskussionsthemen der Fortuna-Vorbereitung der vergangenen Saison. Uwe Klein versuchte den Innenverteidiger nach der erfolgreichen Leihe, günstig von Frosinone Calcio zu verpflichten. Auch die Fans und ehemaligen Kollegen bekundeten Krajnc ihre Sympathie und hofften auf sein Comeback.

Den Höhepunkt der Saga erreichte die Geschichte, als der Linksfuß staatstragend erklärte, nur zur Fortuna wechseln zu wollen. Dem romantischen Versprechen folgte die Unterschrift beim Ligakonkurrenten Hannover 96, die ein deutliches höheres Gehalt anzubieten hatten.

Uwe Klein hatte keinen Ersatzkandidaten in der Hinterhand und das Versäumnis konnte erst in der Winterpause mit der Leihe von de Wijs aufgelöst werden. Luka Krajnc selbst spielte eine ähnlich durchwachsene Saison wie die Fortuna bei dem sein Eigentor gegen Darmstadt den Tiefpunkt markierte.

Mit der Stabilisierung unter dem neuen Trainer Christoph Dabrowski fand auch Krajnc zu alter Form zurück. Demnach eigentlich positive Aussichten, doch steht bei Hannover ein großer Umbruch mit dem neuen Trainer Leitl und teuren Zugängen an. Im unruhigen Hannoveraner Umfeld ist dem Team von Krajnc für die kommende Spielzeit von Aufstieg bis sportliche Krise alles zu zutrauen.

Kevin Danso Der Österreicher entwickelte sich zu einer der Top-Transfers nach dem Abstieg in die Zweiten Liga. Trotz schwacher Auftritte zu Beginn schenkte im Rösler weiter das Vertrauen, das er beeindruckend zurückzahlte.

Ähnlich wie bei de Wijs konnte den gegnerischen Stürmern angesehen werden, dass es kein Vergnügen war, gegen den robusten Innenverteidiger zu spielen. Mit Anfang 20 solche Präsenz und Zweikampfstärke zu zeigen, blieb nicht unbemerkt und Danso wurde Transferziel von vielen Erstligisten.

Doch zunächst ging es zurück zum FC Augsburg, bei dem Danso seine fehlende Perspektive bemängelte. Der Augsburger Manager unterstellte ihm fehlenden Charakter und verkaufte ihn an RC Lens für über fünf Millionen Euro. Dort ist Danso seit dem dritten Spieltag unumstrittener Stammspieler und verpasste Spielminuten nur wegen Sperren. Schafft er es, sein Temperament, das er auch in Düsseldorf zeigte, besser zu kontrollieren, stehen ihm alle Türen offen. Mit Lens verpasste er auf Platz sieben knapp das internationale Geschäft, wird jetzt aber auf noch mehr Scouting-Zetteln markiert sein.

Anton Mitryushkin Auch Mitryushkin wechselte wie Borello von Düsseldorf nach Dresden. Als Ersatzkeeper kam er auf immerhin fünf Einsätze – nach dem sich Stammkeeper Kevin Broll einen Handbruch zugezogen hatte. Mitryushkin zeigte in den Spielen eine starke Leistung, auch wenn Dresden aus diesen Spielen nur zwei Punkte holen konnte.

Sein Vertrag lief nur bis Ende der Saison, doch auch der Kontrakt von Konkurrent Broll hat nur eine Gültigkeit für die Zweite Liga. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass Mitryushkin sich als erster Torhüter in der Dritten Liga beweisen kann. Nach seinen überzeugenden Leistungen sind aber auch Engagements in der Zweiten Liga denkbar.

Dragos Nedelcu Der junge Rumäne war eine einzige Enttäuschung bei Fortuna. Die Leihe wurde schon nach der Hinrunde abgebrochen. Der kreative Plan, den körperlich wenig robusten defensiven Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger umzuschulden, scheiterte.

Bei intensiven Zweikämpfen gegen gelernte Mittelstürmer wie Simon Terodde oder Robert Glatzel, war er überfordert. Mit Sicherheit kann das nicht nur Nedelcu vorgeworfen werden, sondern auch der Scouting-Abteilung von Fortuna. Bei Erstligist FCV Farul in Rumänien spielt er wieder auf seiner angestammten Position und das überzeugend. Schade, dass er in Düsseldorf nie ernsthaft die Chance bekommen hatte, sich mal im defensiven Mittelfeld zu probieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Profis wären besser in Düsseldorf geblieben