Fortuna Düsseldorf: Was anders ist als im Bundesliga-Abstiegsjahr 2013

Analyse : Was Fortuna besser macht als 2013

Vor sechs Jahren hatte Fortuna Düsseldorf zum jetzigen Zeitpunkt der Bundesliga-Saison zwei Punkte mehr auf dem Konto und stieg am Ende ab. Dennoch stehen die Vorzeichen heute günstiger. Das liegt vor allem am Teamgeist und der Ruhe im Umfeld.

Es ist der 18. Mai 2013. Axel Bellinghausen sitzt auf dem Rasen in der Arena in Hannover und weint bitterlich. Kumpel Andreas „Lumpi“ Lambertz versucht, ihn zu trösten, obwohl er selbst untröstlich scheint. Fortuna Düsseldorf ist nach einem Jahr in der Fußball-Bundesliga direkt wieder abgestiegen. Das Team verspielt damals in den letzten zwölf Spielen eine hervorragende Ausgangslage. Alles begann auf den Tag genau an diesem Samstag vor sechs Jahren. Die Pessimisten im Umfeld warnen vor einer ähnlichen Entwicklung in dieser Saison. Dabei ist Schwarzmalerei gar nicht nötig.

2013 war es eine beispiellose Negativserie aus neun Niederlagen und drei Remis, die dazu geführt hatte, dass Fortuna am 34. Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz stand. Und das kurioserweise zum ersten Mal in der gesamten Saison: Bis zur vorletzten Runde war der Aufsteiger nie tiefer als bis auf Rang 16 gestürzt.

Die entscheidende Negativserie begann am 23. Februar 2013 mit einem 1:2 auf Schalke. In diesem Jahr geht es an diesem Tag gegen den 1. FC Nürnberg (18.30 Uhr). Wieder ist die Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt hervorragend. Die Unkenrufer in Fortunas Umfeld zeigen dennoch mit erhobenem Zeigefinger warnend auf 2013 – und die nackten Zahlen bestätigen sie in ihrem Pessimismus. 2013 hatte Fortuna 27 Punkte und zwölf Zähler Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz. Heute sind es im Vergleich dazu „nur“ 25 und elf. Es sind aber vor allem zwei Faktoren, die gegen eine ähnliche Entwicklung sprechen: Teamgeist und Ruhe im Umfeld.

Wenn man mit den Beteiligten aus 2013 spricht, heißt es offen oder hinter vorgehaltener Hand immer wieder, dass vor allem diese weichen Faktoren den Abstieg verursacht hätten. Im Winter wurde der ohnehin große Kader mit Genki Omae, Martin Latka, Robert Tesche, Cristian Ramírez und Mathis Bolly aufgebläht. Der Gemeinschaftssinn litt darunter. Die zuvor stark aufspielenden Fabian Giefer, Dani Schahin und Robbie Kruse wurden in der Rückrunde von größeren Vereinen umworben, verloren dadurch etwas den Fokus, wie Manager Wolf Werner später erklärte.

Und über allem schwebte die Unruhe im Umfeld. Verursacht durch Trainer Norbert Meier, der sich in dieser Phase vorübergehend von seiner Frau trennte. Im Grunde ein trauriger, aber alltäglicher Vorgang – wenn er nicht teils skurrile Folgen für Kadernominierung und unmittelbare Spielvorbereitung gehabt hätte, wie ebenfalls Werner später berichtete. Nicht hilfreich waren zudem die ausufernden Märchen um das Privatleben Meiers, die in der Landeshauptstadt die Runde machten. Dass sie frei erfunden waren, machten sie für das Gesamtgefüge nicht weniger schädlich. Die ruhige Hand, die den damaligen Vorstandsvorsitzenden und heutigen DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth ansonsten so auszeichnete, erwies sich in jenen Wochen, in denen im Nachhinein eine Trennung von Meier unausweichlich erscheint, als Nachteil.

In dieser Saison hat Fortuna ihren Nebenkriegsschauplatz bereits geschlossen. Die Posse um die Vertragsverlängerung von Trainer Friedhelm Funkel wird zwar intern weiter aufgearbeitet, hat aber keinen Einfluss auf das sportliche Geschehen; wenn überhaupt, dann einen positiven. Aus dem Mannschaftskreis ist zu hören, dass die Posse den sportlichen Bereich innerhalb des Vereins noch enger zusammengeschweißt habe. Die drei Zugänge Jaroslav Drobny, Markus Suttner und Dawid Kownacki gelten als voll integriert. Diesen Teamgeist hat die Fortuna ihrer Konkurrenz – vor allem in Stuttgart und Hannover – voraus.

Hinzu kommt, dass der Kader vor der Saison unter der qualifizierten Federführung des Leiters der Scoutingabteilung, Uwe Klein, sorgfältiger zusammengestellt wurde als in der Hektik des unerwarteten Aufstiegs 2012. Die Last verteilt sich auf mehr Schultern, Fortuna ist nicht mehr so abhängig von Einzelspielern wie damals.

Zudem hatten die Düsseldorfer ihre Krise bereits in der Hinrunde. Der Aufsteiger verlor, beginnend mit der Heimniederlage gegen Leverkusen, sechs Ligaspiele in Serie, stürzte ans Tabellenende, und die Schar der selbsternannten Experten im Lande tönte bereits, Fortunas Niedergang sei ja von Anfang an klar gewesen. Doch Funkels Truppe meisterte die Krise, raufte sich noch fester zusammen und kam gestählt aus ihr heraus. Das Team von 2019 war bereits im Keller und weiß, wie man ihn verlässt – anders als die Kollegen von vor sechs Jahren, von denen nur noch Kapitän Oliver Fink und sein Vertreter Adam Bodzek übriggeblieben sind und von den Fehlern von damals berichten können. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich das Drama von 2013 in diesem Jahr nicht wiederholen wird.

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