Fortuna Düsseldorf: Vorstandschef Thomas Röttgermann entschuldigt sich bei Mitgliedern

Fortuna-Mitgliederversammlung : „Mein Verhalten war Käse“

Auf der Mitgliederversammlung von Fortuna wird eine Umsatzsteigerung um 80 Prozent auf 71,5 Millionen Euro und ein Gewinn von 2,1 Millionen Euro verkündet. Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann entschuldigt sich für sein Verhalten rund um die App-Affäre.

Der Auftakt war stimmungsvoll. Kurz vor dem offiziellen Beginn der Mitgliederversammlung ließ Fortunas Führung auf zwei Großleinwänden in der Arena Erik Thommys Treffer zum 2:0 gegen den 1. FC Köln ablaufen – so waren die Mitglieder trotz der zu erwartenden kontroversen Diskussionen erst einmal positiv eingestellt. Und als dann kurz nach der Begrüßung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Ernst die Mannschaft unter der Führung von Cheftrainer Friedhelm Funkel erschien, brandete erst recht Riesenbeifall durch die Reihen der 741 anwesenden Vereinsvertreter.

Es war daher ein kräftiger Bruch im Ablauf der Veranstaltung, als der Vorstandsvorsitzende bei seinem Jahresbericht gleich in medias res ging. „Ich habe schon viele Reden gehalten, aber noch keine so begonnen“, sagte Thomas Röttgermann. „Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich in Ihren Augen nicht vermocht habe, wofür der Aufsichtsrat mich vor allem bestellt hatte: Ruhe und Ordnung in diesen traditionsreichen Verein zu bringen.“

Röttgermann ging ohne Umschweife auf die Debatte um seine Person ein, die in den vergangenen Monaten durch die Medien gegangen war. „Ich bin mit dafür verantwortlich, dass die falschen Themen rund um Fortuna in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Es tut mir leid, wirklich leid, und ich möchte auch keine Rechtfertigung anfügen. Ich habe die Situation nicht richtig eingeschätzt und mich vielleicht auch unbedarft verhalten. Meine Handhabung des Themas App-Entwicklung war Käse.“ Dazu passend erklärte Röttgermann, dass die umstrittene Verpflichtung von Felix Welling als Marketingdirektor, den er aus gemeinsamen Wolfsburger Zeiten kennt, nicht zustandekomme.

Eventuellen Rücktrittsgerüchten trat der Vorsitzende allerdings klar entgegen: Ein solcher habe nie zur Debatte gestanden, weil die durch den „Maulwurf“ im Verein, der interne Mails nach außen gegeben hatte, ausgelösten Attacken nicht ihm persönlich, sondern dem Verein gegolten hätten. Röttgermann hoffe und glaube, „in meinem nächsten Jahr als Vorstandsvorsitzender“ andere Themen in den Vordergrund stellen zu können. Das gelang Röttgermann dann gleich mit dem nächsten Satz: „Wir haben mit Trainer Friedhelm Funkel vereinbart, nicht erst im Trainingslager in Marbella über eine Vertragsverlängerung zu sprechen.“ Damit war ihm ebenso starker Applaus gewiss wie nach seinem folgenden Lob für Sportvorstand Lutz Pfannenstiel und den Direktor Scouting und Kaderplanung, Uwe Klein.

Die Mitgliederversammlung im Liveblog zum Nachlesen.

In diese Stimmungslage passten die Bilanzzahlen bestens hinein: 71,5 Millionen Euro Umsatz verbuchte Fortuna im abgelaufenen Geschäftsjahr, 80 Prozent mehr als im Jahr zuvor und 40 Prozent mehr als in der bislang letzten Bundesligasaison 2012/13. Das ergibt einen Gewinn von 2,1 Millionen Euro und Röttgermanns Zusammenfassung: „Es war wirtschaftlich eines der besten Jahre der Vereinsgeschichte.“ Pfannenstiels sportlicher Bericht reizte ohnehin nicht zum Widerspruch, im Gegenteil: Dass der wirtschaftliche Underdog nun schon im zweiten Jahr in Folge in der ersten Liga mitmischt, wurde in der Arena kräftig abgefeiert. „Der Wert unseres Kaders“, so der Sportvorstand, „hat sich von 42 Millionen Euro 2017/18 auf nun 85 Millionen mehr als verdoppelt. Damit haben wir das Heft des Handelns selbst in der Hand.“

Im Bericht des Aufsichtsrats breitete Ernst noch einmal die Entwicklung aus, die zur Trennung vom damaligen Vorstandschef Robert Schäfer geführt hatten. Ernsts Ziel war dabei offenkundig: die Mitglieder zu einer offenen Aussprache über dieses Thema zu ermutigen, in der Hoffnung, die Akte danach zumindest öffentlich schließen zu können. In Richtung Röttgermann sagte Ernst: „Thomas, wir sind sehr froh, dass wir dich haben. Es hat ein bisschen gerumpelt, aber manchmal ist das einfach so. Wir wären nicht Fortuna Düsseldorf, wenn wir uns nicht hin und wieder selbst vors Knie treten würden.“

Die anschließende Aussprache war zwar erwartet lang, aber ohne große Ausschläge. Im Gegenteil: Röttgermann erntete ausdrückliches Lob eines Mitglieds für seine öffentliche Entschuldigung – und auch dafür gab es Beifall. 66,74 Prozent der 677 stimmberechtigten Mitglieder votieren für seine Entlastung; der schlechteste Wert für den gesamten Vorstand, aber dennoch ein eindeutiges Votum. Die Entlastung für Ernst fällt mit 80,74 Prozent klarer aus.

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