Fortuna Düsseldorf: Vorstandschef Schäfer ist der starke Mann

Vorstandschef: Schäfer ist Fortunas starker Mann

Robert Schäfer hat die Fortuna in weniger als zwei Jahren in die Bundesliga geführt. Seine Mission ist aber noch nicht vorbei.

Fortuna Düsseldorf steht gut da. So gut wie lange nicht mehr. Einer, dem viel Lob dafür gebührt, ist Robert Schäfer. Unter der Führung des Vorstandvorsitzenden hat Fortuna weniger als zwei Jahre gebraucht, um sich von einem Abstiegskandidaten in der zweiten Liga zu einem Fußball-Bundesligisten zu entwickeln. Trotzdem gibt es auch Kritiker – extern und intern. Schäfer fühlt sich zuweilen falsch dargestellt, sieht seine mittelfristige Zukunft dennoch in Düsseldorf und will seinen Vertrag verlängern – allerdings nur gegen ein deutlich angehobenes Gehalt.

Im September 2016 trat Schäfer seine Mission an. Es gab zu dieser Zeit nicht gerade wenige Vorbehalte. Der Mann habe zu wenig Herzblut für Fortuna, hieß es. Schäfer betonte, dass man ihn allein an seinen Taten messen soll. Er verstellt sich nicht, klopft sich nicht aufs Herz und tut so, als sei er Fortune durch und durch. Der Preis dafür ist vielleicht, dass er nie den Ruf des Karrieristen losgeworden ist, der Fortuna als Sprungbrett für höhere Aufgaben nutzen möchte. Er hat dieser These auch nie öffentlich widersprochen. Fest steht: Der 42-Jährige hat geliefert, sieht seine Mission in Düsseldorf aber noch nicht als beendet an. Er möchte Fortuna in der Bundesliga etablieren und hat deshalb ein Angebot eines Bundesligakonkurrenten abgeblockt.

Stattdessen sind die Verhandlungen mit dem Aufsichtsrat in vollem Gange. Schäfers Vertrag endet im Juni 2019. Nach Informationen dieser Redaktion soll der neue Kontrakt dann bis 2022 laufen. „Ich bin sehr glücklich in Düsseldorf und führe mit dem Aufsichtsrat Gespräche über eine längerfristige Vertragsverlängerung, die nun immer intensiver werden“, sagt Schäfer.

Fortunas Maßgabe lautet: So wenig Geld wie möglich ausgeben und das, was da ist, in die Mannschaft stecken. In Kreisen des Aufsichtsrates sollen deshalb nicht alle glücklich sein über die zu erwartenden Mehrkosten, die sich aus einer Vertragsverlängerung Schäfers ergeben würden. „Ich stelle keine Forderungen. Wir haben verabredet, dass Fortuna mir ein Angebot unterbreitet“, sagt der Vorsitzende. Anfangs war noch Schäfers Berater an den Gesprächen beteiligt, die sich um eine deutliche Anhebung der Bezüge drehten, die branchenüblich bei etwa 300.000 Euro pro Jahr plus Boni liegen. Die Zahlen kommentiert Fortuna-Aufsichtsratschef Reinhold Ernst ebenso wie Schäfer nicht. Wohl aber erklärt Ernst: „Nachdem andere Themen im Sommer Priorität hatten, intensivieren wir nun die Gespräche mit Robert Schäfer über eine Vertragsverlängerung. Wir sprechen dabei mit Robert direkt. Der neue Vertrag soll dann verhandelt werden, leistungsbezogen und marktgerecht sein.“

 Unabhängig vom Salär hat Schäfer seit Beginn seiner Amtszeit mit Kritikern zu kämpfen, die trotz der sportlichen Erfolge nicht verstummen. Es gibt Stimmen im Fortuna-Umfeld, die Schäfer eine Art Kontrollwahn unterstellen. In dieses Bild passt die neue Mediendoktrin, die den Journalisten vorschreibt, jegliche Zitate von Spielern und Vereinsangestellten außerhalb der Interviewzone noch einmal Fortunas Medienabteilung vorzulegen, die diese Aussagen autorisieren soll. Trainer Friedhelm Funkel hält von dieser Methode, die andere Vereine schon länger praktizieren, wenig. Er will sich den Mund nicht verbieten lassen und ruft indirekt zum Ungehorsam auf: „Ich werde meine Meinung sagen. Und wenn jemand meint, meine Zitate doch noch jemandem vorlegen zu müssen, ist das ganz allein seine Sache.“

In der Schlussphase der vergangenen Spielzeit hat Schäfer in Thomas Gassmann einen neuen Mediendirektor eingestellt – speziell für die externe Kommunikation oberhalb des sportlichen Bereichs. Der ehemalige Journalist soll dabei helfen, dem Vorstandsvorsitzenden eine positivere Außendarstellung zu verschaffen.

Auch intern ist Schäfer nicht unumstritten: Auf der Geschäftsstelle und im Aufsichtsrat ist nicht jeder ein Schäfer-Verbündeter. Ihm wird nachgesagt, penibel auf jeden Cent zu achten. Dabei erscheint das prinzipiell logisch bei einem Verein, der nicht auf Rosen gebettet ist und sich auf die Fahnen geschrieben hat, Investoren abzulehnen. Doch bei Gesprächen über Mitarbeitergehälter und zuletzt bei den Aufstiegsprämien soll es heftigere Diskussionen gegeben haben, die fürs Betriebsklima nicht gefördert waren.

Auf der anderen Seite ist es auch nicht angeraten, jedem Gerücht Glauben zu schenken. So hieß es über Monate, dass der Vorstandsvorsitzende den ehemaligen Finanzvorstand Paul Jäger aus dem Amt gedrängt habe. Doch wer sich direkt mit Jäger und dessen engstem Umfeld unterhält, stellt schnell fest, dass er Schäfer keineswegs als seinen ärgsten Feind im Klub ansieht.

Schäfer hat öffentlich jedenfalls nur lobende Worte für seine Mitarbeiter übrig: „Ich bin vor allem stolz auf die Kollegen. Wie die sich reingehängt haben, wie wir uns auch in schwierigeren Zeiten immer wieder motiviert haben. Und klar, ist man auch selbst stolz. Es war ja auch mein erster Bundesliga-Aufstieg.“

Es gibt aber auch diejenigen im Fortuna-Lager, die in Schäfer den Hauptgrund für die positive Entwicklung sehen. Schließlich hat er die entscheidenden Personen installiert, die für den Aufwind gesorgt haben. Namentlich sind das der Leiter der Scouting-Abteilung, Uwe Klein, und Robert Palikuca, Leiter des Lizenzbereichs – diese beiden sind im Zusammenspiel mit Schäfer verantwortlich für die Kaderplanung. Und dass diese sportlich wie wirtschaftlich gelungen war, lässt sich an der Tabelle und der Jahresbilanz ablesen. „Wir müssen uns noch besser vermarkten“, fordert Schäfer dennoch. „Da ist mehr Potential vorhanden. Das muss sich über eine Zeit finden. Aber das Vertrauen der Geldgeber in die handelnden Personen bei Fortuna wächst.“

Die Einstellung von Alexander Steinforth, der zuvor auf der Geschäftsstelle von Manchester United gearbeitet hatte, ist dagegen wieder ein Beispiel für die Zwiespältigkeit des Themas: Viele loben die weitere Professionalisierung des Klubs im Marketing, andere sehen ihre Vorurteile bestätigt, dass Schäfer sich eine eigene Hausmacht aufbaut. Letztlich läuft es immer wieder auf den in Düsseldorf schon länger bekannten Konflikt zwischen der „alten“ und der „neuen“ Fortuna hinaus. Grundfrage: Wie weit darf Modernisierung gehen, oder: Geht es Schäfers Kritikern um Bewahrung von Traditionen oder um das Beharren auf überholten Positionen? „Wir wollen die Lücke zu den anderen schließen – aber mit Augenmaß“, sagt Schäfer. „Wir wollen ein Traditionsverein sein, der modern ist, aber ein Gefühl dafür hat, was den Menschen wichtig ist. Wir haben unseren Weg gefunden und den werden wir nicht verlassen.“

Auch in München hatte Schäfer mit einer für ihn nicht zufriedenstellenden öffentlichen Wahrnehmung zu kämpfen. Von 2010 bis 2013 führte er die Geschäfte des TSV 1860 München. Dort wird im Rückblick allerdings auch das Bild eines ehrgeizigen, aber freundlichen Mannes gezeichnet. Ehemalige Mitarbeiter berichten von einer sehr direkten Art, die meist gut angekommen sei. Außerhalb der Büroräume sei die Herzlichkeit nicht zu kurz gekommen. Es wird gerne erzählt, wie Schäfer einer altgedienten Buchhalterin der Löwen zu später Stunde auf dem Oktoberfest noch den Zutritt zu Kufflers Weinzelt verschafft hat.

Bei vielen Fans in Düsseldorf hat Schäfer jedenfalls großen Rückhalt. Vor allem, weil er zusammen mit Ernst das umsetzt, was sich die Basis eines Traditionsvereins immer wünscht: Die eigenen Werte als eingetragener Verein bewahren. „Unser Ziel ist es, uns in der Bundesliga zu etablieren. Aber dabei wollen wir den eigenen Weg nicht verlassen“, sagt Schäfer. „Wir wollen keine Kommerzialisierung um jeden Preis, sondern wollen auch an die denken, die uns diesen Weg ermöglicht haben. Deswegen haben wir die Dauerkartenpreise stabil gehalten. Das ist auf positive Resonanzgestoßen.“

Der Vorsitzende weiß, dass er seinen Weg nur mit breitem Rückhalt weitergehen kann. Deshalb sagt er: „Geschlossenheit ist eine ganz wichtige Voraussetzung. Und ich bin stolz darauf, dass der Verein so geschlossen war.“