Fortuna Düsseldorf: Vorstand um Robert Schäfer hat nur noch drei Mitglieder

Nur drei Mitglieder im Vorstand: Für Schäfer hilfreich, für Fortuna riskant

Fortunas Vorstand ist nicht vollzählig besetzt. Künftig gehören ihm nur noch drei anstatt fünf Mitglieder an. Dass zwei Positionen in dem Gremium vakant sind, ist dem Vorsitzenden aber nicht unangenehm.

Robert Schäfer ist seit dem 22. März 2016 für Fortuna tätig. Seitdem geht es mit dem Verein stetig bergauf. Daran hat auch er Anteil. Doch vor dem 1:0-Sieg zum Jahresabschluss in Braunschweig hatte Fortuna zwei Monate lang nicht mehr gewonnen. Das Wort Krise hatte in der Landeshauptstadt schon die Runde gemacht. War es purer Zufall, dass zu Beginn der Misserfolgsserie deutliche Dissonanzen in der Führung zutage traten? Sie fanden ihren öffentlichen Höhepunkt im Rückzug des Vorstand Finanzen, Jörg Eicker, auf der Mitgliederversammlung am 12. November. Diese Führungsturbulenzen könnten eine weitaus größere Tragweite haben als etwa der von vielen oft in diesem Zusammenhang angeführte Weggang von Co-Trainer Peter Hermann.

Jörg Eicker Foto: Christof Wolff

Schäfer hat ein klares Konzept. Der Vorstandsvorsitzende will Werte schaffen, die finanzielle Basis stärken und so die Voraussetzungen schaffen, um die Mannschaft personell aufrüsten zu können. Diese Unternehmen hat er geschickt in Angriff genommen und vorangetrieben. Dazu gehört auch die gewiefte Planung und Finanzierung des neuen Nachwuchsleistungszentrums.

Schäfer hat großes Verhandlungsgeschick. Als der Jurist nach Düsseldorf kam, hatte er einen Plan, der voll aufgegangen ist: Er wollte den Verein sportlich stabilisieren und Werte schaffen. Das ist ihm gelungen, indem er dem erfahrenen Trainer Friedhelm Funkel die sportliche Leitung übertrug und bei Verhandlungen großes Geschick bewies - sei es bei Leihen oder Verpflichtungen. Geradezu spektakulär waren die Erlöse, die er bei den vorzeitigen Wechseln von Stürmer Ihlas Bebou nach Hannover (rund fünf Millionen Euro) und Co-Trainer Peter ermann zu Bayern München (knapp zwei Millionen Euro) erzielte.

Schäfer glänzt in der Außendarstellung. Der Vorstandsvorsitzende betreibt hervorragendes Marketing in eigener Sache. Er ist ein Netzwerker auf höchstem Niveau. Auf dem Parkett der Bosse weiß er sich zu bewegen.

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Schäfers Führungsstil sei umstritten. Im eigenen Haus kamen Gerüchte auf, wonach er nicht unbedingt gut ankomme. Kommunikation auf Augenhöhe ist demnach nicht seine Stärke. So veränderte sich die personelle Struktur des Vorstands in den zurückliegenden 21 Monaten mehrmals. Dass Schäfer sich als alleiniges Sprachrohr des Vereins sehen möchte, verdeutlichte er bereits zwei Monate nach seinem Amtsantritt, als er seinem damaligen Vorstandskollegen Paul Jäger einen Maulkorb verpasste. Inzwischen gehört Jäger dem Gremium ebenso nicht mehr an wie Marketing-Chef Carsten Franck, dem eine fristlose Kündigung ins Haus flatterte und mit dem anschließend eine außergerichtliche Einigung erfolgte, die ihm einen sechsstelligen Betrag bescherte. Hatte Schäfer bei diesen Veränderungen noch einigermaßen plausibel argumentieren können, so war dies beim überraschend angekündigten Abschied von Jörg Eicker nicht mehr möglich. "Es gab keine atmosphärischen Störungen, wir haben nach meinem Empfinden gut zusammengearbeitet", sagte Schäfer.

Schäfer ist kein Teamplayer. Das verdeutlicht spätestens der Abgang von Jörg Eicker. Der Wirtschaftsexperte, der ehrenamtlich für den Verein tätig und erst im Juni vom Aufsichtsrat für drei Jahre in den Vorstand berufen worden war, ist fachlich unumstritten und war menschlich in der Führungsetage der Fortuna eine Bereicherung. Eicker ist eine Führungspersönlichkeit - kollegial, aber eben kein Zu- oder Mitarbeiter des Vorstandsvorsitzenden.

Schäfer regiert dank Funkels Erfolgen durch. Viele dieser Turbulenzen und Ungereimtheiten in der Vorstandsarbeit werden durch die sportlichen Erfolge der Mannschaft übertüncht. Punktezahl und Tabellenstand stimmen, die Kasse ebenfalls, die Perspektiven sind positiv - all das hilft Schäfer.

Fortuna kann ein Problem bekommen. Dem Vorstand gehören nach Eickers Abschied nur noch der Vorsitzende Robert Schäfer, Erich Rutemöller (Sport) und Sven Mühlenbeck (Organisation und Spielbetrieb) an. Das Trio garantiert, dass das eigentlich fünfköpfige Gremium handlungs- und beschlussfähig ist. Rutemöller und Mühlenbeck sind jedoch eher mitarbeitende, allenfalls beratende Funktionäre, nicht entscheidende. Sie begleiten Schäfer, dessen Vertrag bis zum 31. März 2019 läuft, auf dessen Weg. Der aber birgt durchaus Risiken - vor allem in der Abhängigkeit der Führungsstruktur von einem Mann. Will der Verein auf Dauer Erfolg haben, so braucht Fortuna eine starke Führung, aber keinen Alleinunterhalter.

(ths)