Zehn Jahre „Haus vom Veh“ Als der veräppelte Armin Veh kurz zum Fortuna-Fan wurde

Düsseldorf · Die Gruppe „Halbangst“ kennt fast jeder, der sich ein bisschen näher mit dem Fortuna-Umfeld beschäftigt. Originelle Videos rund um den Traditionsklub sind ihr Markenzeichen, doch eines davon hinterließ besonderen Eindruck weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Haus vom Veh“ wird jetzt zehn Jahre alt.

Fortuna gegen Frankfurt - das Halbangst-Video „Haus vom Veh“
11 Bilder

Fortuna gegen Frankfurt - das Halbangst-Video „Haus vom Veh“

11 Bilder
Foto: Christoph Wolff/CHRISTOF WOLFF

Es waren bewegte Zeiten bei Fortuna. Im Mai 2012 war der Klub in der denkwürdigen Relegation gegen Hertha BSC in die Bundesliga aufgestiegen – und die von den Berlinern in der Folge des ebenso friedlichen wie verfrühten Platzsturms der Düsseldorfer Fans angestrengte Prozessserie bildete die Geburtsstunde der Gruppe „Halbangst“. In Anlehnung an das berühmt gewordene Zitat des damaligen Hertha-Trainers Otto Rehhagel, der das Relegations-Rückspiel mit seinen Erlebnissen in einem Weltkriegsbunker verglichen hatte, gab sich eine Gruppe diesen Namen, die fortan originelle Musikvideos im Zusammenhang mit Fortuna produzierte.

Eines davon erlangte besonders hohen Bekanntheitsgrad und wurde zum Diskussionsstoff weit über die Stadtgrenzen hinaus: das „Haus vom Veh“, das in diesen Tagen ein Jahrzehnt alt wird. Und das Fortuna-Spiel, für das es gedreht wurde, ist am Mittwoch auf den Tag genau zehn Jahre her. Am 30. November 2012 war Eintracht Frankfurt zu Gast in der Stockumer Arena – mit eben jenem Armin Veh als Trainer.

Auf ihrer Facebookseite beschreiben die Halbangstler den Hintergrund so: „Armin Veh hatte im Vorfeld des Spiels seiner Eintracht aus Frankfurt immer wieder gegen Fortunas ,Rotzlöffel‘ Sascha Rösler geätzt und den Erfolg Fortunas mit Schwalben und daraus folgenden eiskalten Elfern von Jens Langeneke verbunden. Anlass war das späte 1:1 natürlich durch einen Elfer von Jens am 13. Februar 2012 – noch in der 2. Bundesliga. Rösler hatte danach ein paar sehr warme Worte für Veh übrig… Kurz: Die Stimmung war vor dem nun folgenden Duell in der Bundesliga (beide waren aufgestiegen) am 30. November 2012 unglaublich aufgeheizt und somit für uns die Aufforderung zum Tanz.“

"Das Haus vom Veh" nimmt Eintracht aufs Korn
13 Bilder

"Das Haus vom Veh" nimmt Eintracht aufs Korn

13 Bilder

Und was für ein Tanz das wurde. Halbangst trommelte prominente Gäste wie die Fortuna-Legenden Peter Biesenkamp (leider inzwischen verstorben), Aleksandar Ristic und natürlich Sascha Rösler zusammen und drehte zur Musik von Peter Fox‘ „Haus am See“ ein urkomisches Video. Kurz vor der Partie an jenem 30. November spielte es Stadion-DJ Marcus „Opa“ Haefs in der Arena ab, als sich Armin Veh bereits im Innenraum befand. Die mindestens 40.000 Düsseldorfer unter den damals 51.345 Zuschauern schwenkten dazu weiße Taschentücher (passend zur Textpassage „Tempo-Taschentücher lagen auf dem Weg“) und sangen lauthals mit.

Das Bemerkenswerteste an der ganzen Aktion: Der auf diese Weise veräppelte Armin Veh lobte das Video. Und das obwohl er Textzeilen wie „Vehs Gejammer ist von keinem zu ertragen“ verkraften musste. Bereits Tage vor dem Spiel sagte der Eintracht-Trainer auf der Pressekonferenz in Frankfurt anerkennend: „Ich finde das echt kreativ. Die Düsseldorfer Fans lassen sich wirklich immer etwas einfallen, sie haben ja auch solche ,Rotzlöffel’-T-Shirts mit dem Rösler drucken lassen. Ich fand das Video sehr lustig.“

Das ist Sascha Rösler Teammanager von Fortuna Düsseldorf
10 Bilder

Das ist Sascha Rösler

10 Bilder
Foto: rpo, Falk Janning

Später teilte er das seinen Spöttern sogar persönlich mit, wie auf der Halbangst-Seite zu lesen ist: „Drei Monate später trafen zwei Halbängstler Armin Veh in Düsseldorf auf der Tribüne und outeten sich. Zu deren Erstaunen sprach er direkt vom damaligen Spiel, wie sehr ihn diese Minuten vor dem Spiel beeindruckt hätten, und natürlich, dass der Spielverlauf nach dem ganzen Vorgeplänkel für uns einfach der Himmel auf Erden gewesen sein müsse. Er habe das Video fünfmal gesehen und wünsche sich, dass es bei aller Rivalität zwischen Fußballfans immer so kreativ hin und her ginge. Es waren wirklich sehr nette 15 Minuten mit ihm.“ Letztlich führte „Haus vom Veh“ sogar dazu, dass sich Rösler und Veh Jahre später zu einem witzigen Erinnerungsgespräch trafen – übrigens in der Redaktion der Rheinischen Post.

Eine Sache glückte den Halbangst-Machern allerdings nicht. Die ursprüngliche Schlussszene mit AC/DC-Gitarrist Angus Young, den die Truppe zufällig in einem Altstadtcafé getroffen hatte und zum Statement „I like Fortuna more than Eintracht ‘cause it’s Rock’n’Roll“ vor die Kamera geholt hatte, musste sie auf Betreiben von dessen PR-Agentur wieder herausschneiden. Dem Erfolg von „Haus von Veh“ konnte das keinen Abbruch tun.

Übrigens: Fortuna gewann das Bundesliga-Duell der beiden Aufsteiger 4:0 und krönte damit ihre hervorragende Hinrunde. Am Saisonende stieg sie dennoch ab – Rock’n’Roll eben.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort