Torknoten gegen Fürth endlich geplatzt Wie die drohende Auswechslung von Fortuna-Stürmer Vermeij den Sieg begünstigt hat

Düsseldorf · Seit Dezember wartete der niederländische Angreifer auf sein nächstes Zweitliga-Tor, am Samstag brach er endlich den Bann. Hätte er sich im Spiel gegen Fürth aber ein bisschen mehr Zeit gelassen, wäre es nicht dazu gekommen. Was der Profi und Trainer Thioune über das richtige Timing sagen.

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Foto: Moritz Mueller

Natürlich hatte Vincent Vermeij das Treiben an der Seitenlinie, präziser noch: vor der Auswechselbank, genauestens mitbekommen. Etwas mehr als eine Stunde war am Samstag beim 1:0-Sieg von Fortuna gegen die SpVgg Greuther Fürth auf der Uhr, als sich Christoph Daferner parat machte, um für seinen niederländischen Sturmkollegen aufs Feld zu kommen. „Ja“, sagte Vermeij hinterher mit einem seufzenden Lachen, „ich habe gemerkt, dass ich ausgewechselt werden sollte.“

Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Tore gefallen, und der 29-Jährige hatte kurz zuvor einen Abschluss aus der Distanz weit über das Ziel gejagt. Auf diese Weise wollte der Angreifer, der seit Dezember auf seinen nächsten Zweitliga-Treffer gewartet hatte, seinen Arbeitstag allerdings nicht beenden. Und dann bekam er zum Glück noch eine weitere Gelegenheit: Shinta Appelkamp setzte Vermeij geschickt mit einem anspruchsvollen Pass in Szene, der Niederländer verarbeitete das Zuspiel perfekt und überwand Fürth-Keeper Jonas Urbig mit einem überlegten Flachschuss ins linke Eck.

Thioune lobt das gute Timing

Daferner kehrte anschließend erstmal wieder auf die Bank zurück, ehe der längst geplante Wechsel dann fünf Minuten nach dem Siegtor über die Bühne ging. „Der Trainer war nachher ehrlich zu mir und meinte: ,Das war ein gutes Timing mit dem Tor’“, erzählte Vermeij. „Ich habe ihm dann gesagt: ,Ja, das habe ich gesehen.’ Aber er hat sich natürlich mit mir gefreut.“ Dass er nicht die gesamte Dauer über auf dem Platz stehen würde, war dem Familienvater übrigens von vornherein klar. „Wir sind immer in Unterzahl angelaufen, das hat sich gelohnt, war aber heftig“, sagte er. „Wir haben viel Qualität auf der Bank und ich wusste, dass der Wechsel irgendwann kommt. Dass ich kurz davor noch ein Tor mache, freut mich natürlich.“

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Auch Chefcoach Daniel Thioune nahm die Situation mit Humor. „Ich versuche immer, verbal Druck aufzubauen. Und wenn das nicht gelingt, eben nonverbal“, witzelte der 49-Jährige. „Das ist mir in Wiesbaden schon gut gelungen, als Isak den Druck von mir bekommen hat. Und heute wollte ich Vincent damit kitzeln.“ Zur Erinnerung: Tatsächlich war die Szenerie vor Wochenfrist beim SV Wehen eine ganz ähnliche, als Marcel Sobottka darauf wartete, Isak Johannesson abzulösen, der Isländer vorher aber noch rasch den Treffer zum 2:0-Endstand erzielte.

Warum Vermeij keinen besonderen Druck verspürt hat

Allerdings legte Thioune auch noch eine etwas ernsthaftere Erläuterung nach. „Die Entscheidung, auf der Neuner-Position etwas zu verändern, ist schon vorher gefallen. Ich warte dann immer noch den nächsten Moment ab, der kam aber nicht, sondern erst, als Christoph schon für die Einwechslung vorbereitet war“, erzählte der Coach. „Es war wenig gewollt, damit wirklich Druck aufzubauen, aber es war cool, dass ,Vince’ dann so abgeschlossen hat. Das freut mich tierisch für ihn.“

Aus Vermeij platzte der Jubel nur so heraus, als der Ball im Netz zappelte. „In den vergangenen Wochen haben immer ein paar Zentimeter gefehlt. Und jetzt ist es mir gelungen, den einzigen Treffer zu erzielen“, sagte er. Besonderen Druck habe der 29-Jährige während seiner torlosen Zeit dennoch nicht verspürt: „Ich habe versucht, mich nicht zu viel damit zu beschäftigen, und aus der Mannschaft habe ich immer den vollen Support bekommen. Es war und ist mir eigentlich egal, wer die Tore geschossen hat und wer sie in den nächsten Spielen schießt. Hauptsache, wir gewinnen.“

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Foto: Moritz Mueller

Unterstützung von Mannschaft und Trainerteam

Trotzdem nagten die vergebenen Möglichkeiten der vergangenen Wochen, in Erinnerung war vor allem die Großchance gegen Braunschweig geblieben, an Vermeij, das konnte er nicht von sich weisen. „Wenn ich vom Platz gehe und kein Tor gemacht habe, bin ich natürlich ein bisschen sauer. Aber insgesamt bin ich ein ruhiger Typ“, erzählte er. „Und wie gesagt: Die Mannschaft und das Trainerteam haben mir in den letzten Wochen immer das Gefühl gegeben, dass mein nächstes Tor bald kommt, wenn ich so weiterarbeite.“

Am Ende behielten sie recht, das zeigte der Samstag, an dem Fortuna ihren Status im Aufstiegsrennen noch einmal verbesserte. Dass der finale Ausgang der Saison auch von den Ergebnissen der direkten Konkurrenten, insbesondere vom Hamburger SV, von Holstein Kiel und St. Pauli, abhängt, nahm der niederländische Angreifer gelassen zur Kenntnis. „Wir sind natürlich alle ein bisschen mit der Tabelle beschäftigt“, sagte er. „Aber ich bin niemand, der sich dann jedes Spiel anschaut und um die richtigen Ergebnisse für uns bettelt.“ Vermeij sorgt lieber selbst für klare Verhältnisse, ganz besonders gern mit seinen Toren.

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