Fortuna Düsseldorf: Verein hadert mit Handspiel-Entscheidungen gegen sich

Immer wieder gegen Fortuna : Funkel fühlt sich betrogen

Friedhelm Funkel ist sauer. Er klagt die Schiedsrichter an, seine Fortuna beim Thema Handspiel konsequent zu benachteiligen. Fünf Elfmeter-Situationen gab es in dieser Saison. Immer wurde zum Nachteil für die Düsseldorfer entschieden.

Friedhelm Funkel rennt auf den Platz, gestikuliert in Richtung Schiedsrichter Robert Hartmann. Der Trainer hat einen roten Kopf, stapft wütend zu seinem Trainerstuhl und verpasst ihm einen Tritt. So sehr in Rage sieht man Fortunas Trainer nicht oft. Der Grund: Beim Stand von 0:1 gegen Eintracht Frankfurt (0:3) nimmt der Unparteiische eine Handelfmeter-Entscheidung zurück. Es ist nicht das erste Mal in dieser Bundesliga-Saison, dass die Düsseldorfer sich in solch einer Situation betrogen fühlen. „Wir sind aus meiner Sicht benachteiligt worden“, sagt Funkel. „Über Handspiel lässt sich immer streiten, aber wir wurden in einer Saison jetzt fünf Mal benachteiligt. Das ist ärgerlich und geht schon nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut. Das muss ich einfach mal sagen.“

In der Tat liest sich das Handspiel-Protokoll dieser Saison bei Fortuna sehr einseitig:

Fall 1, 8. Spieltag, Eintracht Frankfurt - Fortuna 7:1: Adam Bodzek blockt eine Hereingabe von Lucas Torro in der 18. Minute mit der Hand. Schiedsrichter Deniz Aytekin sieht die Situation nicht, das Spiel läuft weiter, Fortuna erzielt im Gegenzug fast die Führung. Dann meldet sich mehr als zwei Minuten später der Videoschiedsrichter. Aytekin sieht sich die Szene nochmal an und entscheidet auf Handelfmeter für Frankfurt. Sebastian Haller trifft zur 1:0-Führung. Es ist der Auftakt zum Debakel.

Fall 2, 9. Spieltag, Fortuna - VfL Wolfsburg 0:3: Wolfsburgs William schlenzt einen Freistoß aufs Fortuna Tor. In der Mauer steht Rouwen Hennings, der seine Hände auf dem Rücken hat. Fortunas Stürmer spreizt seinen Arm leicht ab, der Ball springt dagegen. Schiedsrichter Daniel Schlager entscheidet sofort auf Elfmeter. Der Videoschiedsrichter hat gegen die Entscheidung nichts einzuwenden, bleibt still. Wout Weghorst bringt den VfL vom Punkt nach 41 Minuten in Führung.

Fall 3, 10. Spieltag, Borussia Mönchengladbach - Fortuna 3:0: Wieder gibt es Handelfmeter gegen Fortuna beim Stand von 0:0 – am dritten Spieltag in Folge. Diesmal schießt Alassane Plea Abwehrchef Kaan Ayhan aus kurzer Distanz an. Der „kicker“-Ticker schreibt: „Der Düsseldorfer hatte den Arm angelehnt und hatte sich auch noch weggedreht. Den Elfmeter gibt es aber, auch aus Köln kommt keine Intervention.“ Felix Brych ist sich seiner Sache sehr sicher. Funkel unterstellt ihm bis heute Arroganz in dieser Situation.

Fall 4, 15. Spieltag, Fortuna - SC Freiburg 2:0: Es sind sechs Minuten gespielt, als Kevin Stöger mit einem Freistoß an der Freiburger Mauer hängenbleibt. Mike Frantz hatte den Ball mit dem rechten Arm abgewehrt – eine vergleichbare Szene zum Düsseldorfer Spiel gegen Wolfsburg mit Rouwen Hennings. Schiedsrichter Harm Osmers lässt weiterspielen, auch der Videoschiedsrichter hat nichts einzuwenden.

Fall 5, 25. Spieltag, Fortuna - Eintracht Frankfurt 0:3: Die Gäste führen mit 1:0, als Benito Raman den Ball nach 61 Minuten scharf von rechts in die Mitte bringt. Martin Hinteregger hat seinen Arm angelegt, bewegt seinen Oberkörper aber zum Ball und trifft das Spielgerät mit dem Arm – ebenfalls vergleichbar mit der Hennings-Szene gegen Wolfsburg. Schiedsrichter Robert Hartmann zögert nicht, zeigt auf den Elfmeterpunkt. Doch diesmal meldet sich Felix Zwayer aus dem Videoschiedsrichter-Keller in Köln. Hartmann schaut sich die Szene auf dem Bildschirm vor der Gegengerade nochmals an und revidiert seine Entscheidung.

„Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Das hat die Mannschaft nicht verdient“, sagte Funkel. „Solange die Schiedsrichter sich nicht irgendwann mal darauf einigen, wann denn nun gepfiffen wird und wann nicht, wird es diese Diskussion immer geben.“ Auch zum Thema Videoschiedsrichter, der für mehr Gerechtigkeit sorgen soll, hat der Fortuna-Trainer eine klare Meinung: „Es ist in vielen Fällen einfach ungerecht, das muss man sagen. Und wenn man von dieser Ungerechtigkeit häufiger betroffen wird, ist das eben nicht schön.“

Gegen Frankfurt gab es in dieser Hinsicht sogar noch ein weiteres Beispiel. Nach zwei Minuten brachte Dawid Kownacki den Ball zum vermeintlichen 1:0 im Frankfurter Tor unter. Doch Schiedsrichter Hartmann hatte zuvor bereits Abseits gepfiffen. Eine klare Fehlentscheidung, da der Ball vom Frankfurter Jonathan de Guzman kam. „Der Schiedsrichter kam in der Halbzeit zu mir und hat sich entschuldigt, dass er zu früh gepfiffen hat, und der Videoschiedsrichter somit nicht mehr eingreifen konnte“, sagte Funkel. „Die Entschuldigung habe ich akzeptiert.“

Nach der Rücknahme der Handelfmeter-Entscheidung war es dann aber mit dem Verständnis für den Schiedsrichter dahin. „Wir sind heute sicher keine Freunde“, sagte Funkel in Richtung Hartmann, der den Coach gegen Ende des Spiels wegen höhnischen Applauses beinahe noch auf die Tribüne geschickt hätte.

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