1. Sport
  2. Fußball
  3. Fortuna

Fortuna Düsseldorf: Uwe Rösler beruft in Darmstadt auf einen Spieler der U23 in den Kader

Am Sonntag in Darmstadt : Dieser Nachwuchsspieler könnte Fortunas Torflaute beenden

Kenan Karamans Ausfall wegen seiner Infektion mit dem Coronavirus sorgt für einen freien Platz im Fortuna-Kader beim Sonntag-Spiel in Darmstadt. Einnehmen wird ihn ein Spieler aus der U23.

Die Sorge um Kenan Karaman überlagert bei Fortuna derzeit alles Andere. Uwe Rösler weiß, wie sich der Stürmer nach seiner Infektion mit dem Coronavirus fühlen muss: Der Trainer hat vor einigen Jahren eine Krebserkrankung überstanden und gilt deshalb selbst als Risikopatient. „Aber in diesem Fall mache ich mir keine Gedanken um mich“, versichert Rösler. „Unser Doc Ulf Blecker hat ja zum Glück dafür gesorgt, dass Kenan nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise mit der Türkei mit keinem Spieler und niemandem aus dem Staff zusammentraf. So kann mir nichts passieren.“

Karaman dagegen ist etwas passiert, und das ist wahrlich schlimm genug. Der gebürtige Stuttgarter kämpfte im Herbst 2019 um sein Leben, als eine schwere Lungenentzündung völlig aus dem Ruder lief. Karaman wurde wieder gesund, aber niemand weiß, welche Folgen eine Covid-19-Erkrankung für seine Lunge haben würde.

„Es tut mir unheimlich leid für Kenan“, betont der Trainer, „speziell für ihn persönlich wegen seiner Lungen-Vorerkrankung. Ihm gehen jetzt einige Gedanken durch den Kopf, das hat er mir in einem Telefonat auch gesagt.“ Rösler will nun täglich mit dem 27-Jährigen telefonieren – um ihm zur Seite zu stehen und auch, um frühzeitig zu erfahren, wenn irgendwelche Symptome auftreten sollten.

Natürlich hat Karamans Infektion aber auch eine sportliche Seite, denn Fortuna wird mehrere Wochen auf den Nationalstürmer der Türkei verzichten müssen. Sollten Symptome aufkommen und die Krankheit einen schwereren Verlauf nehmen, ist es sogar möglich, dass der frühere Hannoveraner gar nicht mehr für die Düsseldorfer spielen wird; sein Vertrag läuft am Saisonende aus. „Kenan ist ein Topspieler, er wird uns sehr fehlen“, sagt Rösler mit Blick auf die Zweitliga-Partie beim SV Darmstadt 98 am Ostersonntag (13.30 Uhr).

Den für Karaman reservierten Kaderplatz besetzt Rösler aus dem eigenen Nachwuchs: Lex-Tyger Lobinger, Torjäger von Fortunas U23-Team in der Regionalliga West und Sohn der Stabhochsprung-Legende Tim Lobinger, rückt ins Zweitliga-Team auf. „Ich nehme Lex-Tyger mit nach Darmstadt“, berichtet der 52-Jährige. „Ich habe ihn jetzt mehrfach gesehen, und er ist stets herausgestochen mit seiner Athletik, seinem großen Willen und seiner Torgefahr.“

Deshalb ließ er den 22-Jährigen auch im Testspiel am vergangenen Freitag gegen den Drittligisten SC Verl (2:2) schon eine Weile mitspielen und zog ihn auch die komplette Trainingswoche zum Kader der ersten Mannschaft herauf. Dort überzeugte Lobinger seinen Coach ebenfalls: „Er macht unorthodoxe Sachen, die für Abwehrspieler schwierig sind. Und er ist ein sehr williger Spieler.“

  • Virtuelle Erinnerungshalle : Um diese Legenden musste Fortuna trauern
  • Häusliche Quarantäne : Fortunas Karaman positiv auf Corona getestet
  • Fortunas Cheftrainer Uwe Rösler.
    Fortuna schon Samstag auf Rang drei? : Das sagt Rösler zur aktuellen Tabellen-Konstellation

Das gilt auch für Jakub Piotrowski, der beim 0:3 gegen den VfL Bochum vor der Länderspielpause einer der Lichtblicke bei den Fortunen war. „Ich habe ihn gut gesehen in dieser Partie“, sagt Rösler, „mit seiner Physis und seiner Laufintensität, aber auch, weil er sich spielerisch gut in den Räumen bewegt hat.“ Der polnische U21-Nationalspieler, der zum Glück für Fortuna ebenso wenig mit einem Auswahlteam unterwegs war wie sein Landsmann Dawid Kownacki und der Österreicher Kevin Danso, sei eine Option auch für Darmstadt.

Doch worum geht es für Fortuna im Saisonendspurt überhaupt noch – jetzt, da der Aufstieg realistisch gesehen nicht mehr machbar ist? „Wir haben uns in einem Gespräch mit Vorstand, Trainerteam und Spielern Ziele gesetzt, aber intern“, verrät der Chefcoach. „Von den nächsten acht Spielen wird sehr viel abhängen.“ Nicht zuletzt für seine eigene Zukunft als Trainer, denn Röslers Vertrag läuft ebenfalls aus.

Und wie lebt es sich damit, von allen im Aufstiegskampf abgeschrieben zu sein? „Wir waren doch schon nach dem ersten Spieltag abgeschrieben, als wir beim HSV verloren“, erinnert sich der Coach. „Das ist für uns nichts Neues.“ Und irgendwie lächelt er dabei so vielsagend, als hege er selbst durchaus noch Hoffnungen auf die erste Liga.