Fortuna Düsseldorf und die Grenzen der Selbstkritik

"Dann sollen sie halt anders spielen": Fortuna und die Grenzen der Selbstkritik

Nach schlechten Ergebnissen gehen Fortunas Spieler immer wieder hart mit sich ins Gericht. Doch was nützt es, wenn ihre Auftritte anschließend so ausfallen wie jetzt in Regensburg?

Friedhelm Funkel stellt sich in aller Regel vor seine Spieler — wie es sich für einen guten Trainer gehört. Doch nach der 3:4-Niederlage seiner Düsseldorfer Fortuna beim Zweitliga-Aufsteiger SSV Jahn Regensburg platzte dem 64-Jährigen doch kurz der Kragen. Anlass war das Zitat von Innenverteidiger André Hoffmann, die Vorstellung ab der 30. Minute sei eine "Frechheit" gewesen. "Dann sollen sie halt anders spielen, wenn das eine Frechheit ist", polterte der sonst so beherrschte Coach. "Sollen sie es vorher anders machen auf dem Platz, hinterher so etwas zu sagen, ist leicht."

Man kann Fortunas Profis in der Tat nicht vorwerfen, dass sie nach schlechten Ergebnissen Ausflüchte suchten. Manche Anhänger taten das nach dem 1:3 bei Union Berlin vor zwei Wochen zwar, doch taten sie den Kickern damit Unrecht: Schließlich hatten diese ihrer (berechtigten) Kritik am äußerst schwachen Schiedsrichter Robert Hartmann stets hinzugefügt, die Niederlage sei letztlich ihre eigene Schuld gewesen. Selbstkritik gab es in den vergangenen Wochen reichlich: In Berlin, zuvor beim glanzlosen 1:0 gegen Sandhausen, erst recht jetzt nach der verspielten 3:0-Führung in Regensburg.

Doch was nutzt Selbstkritik, wenn man letztlich doch nicht die richtigen Lehren daraus zieht? "Wir brauchen sicher einige Tage, um das alles aufzuarbeiten", sagte Hoffmann völlig enttäuscht in der Interviewzone. "Da bieten wir 30 Minuten lang ein perfektes Auswärtsspiel. Doch für das, was danach passierte, muss sich jeder einzelne selbst hinterfragen. Bis wir am Sonntag gegen St. Pauli spielen, werden wir sicher Lösungen finden." Wirklich?

"Natürlich haben wir jetzt zu beißen an dem Ding", gab Kapitän Oliver Fink zu. "Aber das wird uns keine Knüppel zwischen die Beine werfen." Wirklich nicht? "Wir werden das hier sehr kritisch analysieren, aber wir werden das wegstecken", versicherte Funkel. Wirklich?

"Das war nicht einmal zweitligawürdig"

Linksverteidiger Niko Gießelmann vermittelte, so geschockt, wie er kurz nach dem Abpfiff dastand, eher einen anderen Eindruck. "Das war brutal. Für die letzten 60 Minuten der Partie kann man sich nur schämen", erklärte der 26-Jährige. "Wir dürfen das jetzt nicht zu nah an uns herankommen lassen, sonst kippt alles in die andere Richtung."

Diese Gefahr besteht in der Tat. Nüchterne Analyse ist jetzt das Gebot der Stunde, klares Ansprechen der unglaublich dummen Fehler von Regensburg. Aber Selbstzerfleischung, Verlust des Selbstvertrauens, das man als Aufstiegskandidat einfach braucht, Angst vor weiterem Versagen — das wäre der falsche Weg. Jener, der unweigerlich zum Scheitern führen würde.

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(jol)