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Fortuna Düsseldorf und DEG suchen Gastfamilien für ihre Talente von auswärts

Neues Projekt : Fortuna und DEG suchen Gastfamilien für Talente

Bislang lebten die Jugendspieler von Fortuna und DEG, die von außerhalb kommen, im Internat. Nun starten die beiden Klubs, die Stadt und ein Jugendhilfeverein ein neues Projekt – und suchen dafür Gastfamilien.

Ihlas Bebou oder Shinta Appelkamp von der Fortuna, Mathias Niederberger von der DEG – Düsseldorfs Sportvereine haben immer wieder Spieler hervorgebracht, die es weit geschafft haben. So wurde Niederberger mit den Eisbären Berlin deutscher Meister, steht am Samstag mit der Nationalmannschaft im Halbfinale der Eishockey-WM. Bebou sammelte diese Saison in der Fußball-Bundesliga 17 Scorerpunkte für die TSG Hoffenheim und spielte Europapokal, Appelkamp legte eine Klassesaison für Fortuna hin und steht am Sonntag (21 Uhr) mit der deutschen U21-Nationalmannschaft im Finale der Europameisterschaft.

 Aus der Talentschmiede der DEG: Mathias Niederberger.
Aus der Talentschmiede der DEG: Mathias Niederberger. Foto: dpa/Roman Koksarov

Im Nachwuchs der hiesigen Spitzenvereine finden sich aber bei weitem nicht nur Düsseldorfer Kinder und Jugendliche, auch Fortuna und DEG schicken ihre Späher auf Reisen, gerade in den höheren Altersklassen kommen die Talente von überall her, teilweise aus dem Ausland. Die lebten dann im Fliedner-Internat der Diakonie. Dort ist die Unterbringung künftig jedoch nicht mehr möglich, und so haben sich die beiden Klubs, das Sport- und das Jugendamt sowie der Jugendhilfeverein Trotzdem e.V. etwas Neues überlegt: Düsseldorfs Spitzennachwuchs soll bei Gastfamilien unterkommen.

Die werden nun gesucht. Bewerben können sich Familien, Paare wie Einzelpersonen, mit oder ohne weitere Kinder, mit Wohnungen oder Häusern. Wichtig ist nur, dass die jungen Sportler dort ein eigenes Zimmer bekommen. Und natürlich soll ihnen ein Umfeld geschaffen werden, das sich nicht negativ auf ihre Leistungen auswirkt, im Sport wie in der Schule. „Es geht darum, ihnen mehr Familiengefühl zu geben“, sagt Michael Staade, Vorsitzender des DEG-Stammvereins, der formal von den Profis getrennt ist und sich um die Jugend kümmert. Zwischen fünf und zehn Spieler von außerhalb hat die DEG jede Saison in ihrer U17 und der U20. Für die konnte Staade grundsätzlich auch mit der Internatslösung leben, „aber das ist immer auch ein bisschen wie im Hotel. Wir hoffen, dass sie jetzt ein richtiges Zuhause finden, gerade für Minderjährige ist das wichtig“.

Fortuna handhabt das Thema etwas anders. „Unsere Philosophie ist und bleibt, in erster Linie mit Talenten aus der Region zu arbeiten“, sagt Frank Schaefer, der Direktor des Nachwuchsleistungszentrums. „Aber es wird immer auch punktuell Ausnahmen geben, und für diese ist dieses Projekt angedacht, weil es unsere Optionen erweitert.“ Drei junge Fußballer waren im Fliedner-Internat untergebracht, in Zukunft können es ein paar externe Talente mehr werden, doch der Schwerpunkt soll weiter bei Spielern aus der Region liegen.

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Selbst für diese könnten Gastfamilien aber ein Thema werden. „Es gibt ja Jugendspieler, die vielleicht nur 60 Kilometer entfernt wohnen, aber dreimal umsteigen müssen, um mit dem Bus zum Training zu kommen“, erklärt Schaefer. „Dabei verlieren die Jungs viel Zeit. Durch die Aufnahme bei einer Gastfamilie könnte man Schule und Fußball besser zeitlich komprimieren. Dies werden aber immer Einzelfallentscheidungen sein.“

Im Idealfall favorisiert die Fortuna ein Modell, in dem die Spieler bei vereinsnahen Personen untergebracht werden, zum Beispiel Klubmitarbeiter, Gremienmitglieder oder Vereinsmitglieder. Schaefer: „Aber auch ein externer Interessentenkreis kann sich gerne melden. Wir haben mit der Kommunikation begonnen und werden diese weiter forcieren.“

Langfristig soll das Angebot auch für andere Vereine und Sportarten gelten. Los geht es jetzt erst mal mit Fortuna und DEG. Und da auch nur mit den besonderen Talenten: „Es geht um Kaderspieler und solche, von denen wir glauben, dass sie das Zeug dazu haben. Wir reden über Spitzensport“, sagt DEG-Vorsitzender Staade.

Die Kosten bekommen die Gastfamilien erstattet, teilweise von den leiblichen Eltern, teilweise über das Projekt. Das umfasst auch Sozialarbeiter, denn es soll vor allem um die Entwicklung der Jugendlichen gehen – auch in der Schule. Aber natürlich auch um den Sport. Und vielleicht wird aus einem Talent ja nachher ein Profi, der dann mal ein entscheidendes Tor schießt. Als Düsseldorfer Familie auf dem Weg dahin geholfen zu haben, sagt Staade, „das wäre doch eine schöne Geschichte“.

Info Wer Interesse daran hat, ein Sport-Talent bei sich einziehen zu lassen, kann sich beim Trägerverein Trotzdem e.V. melden. Alle Informationen hat Jan van der Koelen. Erreichbar ist er per E-Mail unter jan.van-der-koelen@trotzdem-ev.de oder telefonisch unter der 0163/4880813.