Fortuna Düsseldorf trifft auf Kerem Demirbay

Fortunas Retter 2016 : Wiedersehen mit Kerem Demirbay

Am Samstag treffen die Fortunen auf Hoffenheim mit dem früheren Düsseldorfer Kerem Demirbay. Vor zweieinhalb Jahren hatte er sich verabschiedet. Heute ist er bei der TSG Dreh- und Angelpunkt, wurde dort Nationalspieler.

Ohne Kerem Demirbay wäre Fortuna sicher nicht da, wo sie sich jetzt befindet. Der Deutsch-Türke erzielte am vorletzten Spieltag der Saison 2015/16 den 1:0-Siegtreffer gegen den FSV Frankfurt, der die Düsseldorfer vor dem Abstieg in die 3. Liga bewahrte. Am Samstag (15.30 Uhr) treffen die Fortunen im Rahmen des 20. Bundesliga-Spieltages auf den Mittelfeldspieler, der sich vor zweieinhalb Jahren in Richtung Hoffenheim verabschiedete und bei der TSG zum Bundesliga-Spielmacher wurde.

„Ich war einfach überglücklich, dass das Ding rein gegangen ist“, sagt der 24-Jährige über den Treffer gegen den FSV Frankfurt, der den wichtigsten Sieg der gesamten Saison perfekt machte. „Am Ende haben wir es dann leider noch ein bisschen spannend gemacht, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Ich war sehr happy über unseren Sieg.“

In der Landeshauptstadt agierte der gebürtige Hertener, dessen Eltern aus der Türkei stammen, nur eine Spielzeit. In Düsseldorf war der Leihspieler des Hamburger SV auf Anhieb Leistungsträger, erzielte in 25 Punktspielen zehn Tore, bereitete vier vor und hatte damit entscheidenden Anteil daran, dass seine Mannschaft nicht noch weiter in den Keller rutschte. Die Fortuna hätte ihren Spieler gerne behalten. Doch den Freistoß- und Eckballspezialisten zog es mit Macht in die Bundesliga. Auch die Ablöse von zwei Millionen Euro, die der HSV forderte, war zu hoch für die Fortuna, die plante, ihren Kader zu verkleinern und zu verjüngen, und die Kosten für die Spieler herunterzufahren. Bei den Hoffenheimern erhielt der Deutsch-Türke einen Drei-Jahres-Vertrag.

Demirbay verabschiedete sich trotz des aufreibenden Abstiegskampfes und einer ganzen Reihe von Rückschlägen mit guten Erinnerungen aus Düsseldorf. „Die Saison hat mich als jungen Spieler sehr geprägt. Ich habe viel gelernt. Ich mag den Verein, der mir viel geboten hat. Mir wurde Vertrauen geschenkt.“ Aber der Spieler sagte auch ehrlich: „Den Abstiegskampf musste ich nicht noch einmal haben.“ Demirbay machte mit dem Wechsel nach Hoffenheim alles richtig, empfahl sich in der folgenden Saison mit guten Leistungen sogar für die Nationalmannschaft und gewann mit ihr 2017 den Confederations-Cup.

Vergessen hatte Demirbay bei seinem Abschied aus Düsseldorf längst die Affäre um seinen Macho-Spruch gegenüber Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus („Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen“). Dafür war er im Spiel beim FSV Frankfurt (2:1) vom Platz gestellt worden. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes bestrafte ihn zusätzlich mit einer fünfwöchigen Sperre.

Demirbay ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er spielte in der Jugend für Schalke 04, wechselte bereits 2007 im Alter von 14 Jahren in die Jugend von Borussia Dortmund und arbeitete sich bis zur zweiten Mannschaft hoch. Beim Hamburger SV schaffte er es zu den Profis, kam dort aber nicht zurecht und wurde nach Kaiserslautern und Düsseldorf verliehen, ehe er im Kraichgau landete. Dort wurde sein Vertrag Anfang 2017 vorzeitig bis 2021 verlängert. Schon in der ersten Saison entwickelte er sich in Hoffenheim zum Stammspieler, schoss seine Elf beim 1:1 in Köln nach Europa.

Das Jahr 2018 war für Demirbay allerdings geprägt von zahlreichen Verletzungen. 17 Pflichtspiele verpasste er. In der Rückrunde der Spielzeit 2017/18 kam er nur auf 169 Spielminuten. Erst zum Jahresende wurde er wieder fit. Nach auskuriertem Bänderriss im Sprunggelenk hatte er sich einen Kapselriss im Sprunggelenk zugezogen. In der Vorbereitung verletzte er sich dann am Außenband im linken Sprunggelenk. Im ersten Champions-League-Gruppenspiel der Hoffenheimer Vereinsgeschichte gegen Schachtar Donezk feierte er schließlich sein Debüt in der laufenden Spielzeit. Seitdem setzt TSG-Trainer Julian Nagelsmann wieder regelmäßig auf den deutschen Nationalspieler, setzt ihn als Sechser direkt vor der Abwehr und als Freigeist auf der Zehn ein. In der Königsklasse legte Demirbay zwei Treffer auf. Und beim 3:3 bei Hertha BSC schoss er die Kraichgauer in Führung und gab die Vorlage für einen weiteren Treffer.

Für Nagelsmann ist Demirbay „unglaublich wichtig, für unser Offensivspiel sehr entscheidend", wie er betont. Auch Liverpools Coach Jürgen Klopp buhlte vor kurzem um die Dienste des 25-Jährigen. Nach dem Confed-Cup-Sieg ist der Spieler etwas aus dem Blick des Bundestrainers geraten, aktuell ist er aber wieder ganz dicht dran, gehört zu den besten offensiven Mittelfeldspielern der Liga.

Jürgen Löw beobachtete Demirbay in der vergangenen Woche beim 4:2-Sieg der Sinsheimer in Freiburg. Dort stahl er seinen Gegen- und Mitspielern die Show. Der 25-Jährige lief in den 90 Minuten knapp zwölf Kilometer weit, schoss fünfmal aufs Tor, sorgte für vier Torschussvorlagen und mit einem fulminanten Schuss in der 85. Minute für den Endstand.

In der momentanen Form müssen sich die Düsseldorfer Verteidiger vor ihrem früheren Mannschaftskollegen mächtig in Acht nehmen. Denn Demirbay kann dribbeln und den Ball behaupten, verfügt über große Genauigkeit im Passspiel sowie eine überragende Übersicht. Dabei gelingen ihm häufig Aktionen ganz im Stile eines Arjen Robben: Als Linksfuß zieht er im halbrechten Raum nach Innen und setzt dann zum Schuss an. Demirbay ist so durchschnittlich pro Spiel an sechs Torabschlüssen beteiligt - so oft wie kein anderer Bundesligaspieler.

Mehr von RP ONLINE