Fortuna Düsseldorf: Trennung von Friedhelm Funkel ist ein durchsichtiges Possenspiel der Verantwortlichen

Analyse zur Funkel-Trennung : Fortunas Bosse betreiben ein durchsichtiges Possenspiel mit Funkel

Fortuna Düsseldorf steht so gut da, wie lange nicht mehr. Doch der sportliche Erfolg über drei Jahre hinweg reicht den oberen Vereinsverantwortlichen nicht, um den Vertrag mit Trainer Friedhelm Funkel bereits jetzt zu verlängern. Ein großes Wagnis.

Es ist kurz vor 14 Uhr im Mannschaftshotel der Fortuna in Marbella, als Friedhelm Funkel die Tränen in die Augen schießen. Der Trainer sitzt am letzten Tag des Trainingslagers neben Vorstandsboss Robert Schäfer und beschreibt seine Gefühlslage: „Ich wollte eigentlich nicht in Rente gehen, aber jetzt gehe ich eben im Sommer schon in Rente, weil ich nie mehr eine solch tolle Mannschaft  und so einen tollen Mitarbeiterstab haben werde.“ Funkel und Fortuna werden unterschiedliche Wege gehen, weil sich die Vereinsverantwortlichen um Vorstandsboss Robert Schäfer und den Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Ernst nicht dazu durchringen konnten, den in etwas mehr als fünf Monaten auslaufenden Vertrag des 65-Jährigen bereits jetzt zu verlängern.

„Wir haben im Verein mit allen Gremien verabredet, konkrete Vertragsgespräche mit dem Trainer, aber auch mit den Spielern und dem Funktionsteam erst zu führen, wenn absehbar ist, wie sich die Spiele in der Rückrunde entwickeln“, erklärt Schäfer. Funkel fehlt deshalb – nachvollziehbarer Weise – die Wertschätzung seitens der Vereinsführung. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht“, sagt der gebürtige Neusser. „Ich sehe das schon so, dass mir kein Vertrauen gegenüber gebracht wird.“ Schäfer widerspricht dieser Darstellung. Allein: Seinen Aussagen zu folgen, fällt schwer. Zumal Funkel dem Verein nach eigener Aussage – von Schäfer unwidersprochen – angeboten hat, auch einen nur für die erste Liga gültigen Vertrag zu unterschreiben.

Der Klub versucht die Situation zwar so darzustellen, dass der Trainer weitere Gespräche ablehnen würde und es keine Entscheidung gegen Funkel sei, doch diese These wirkt abstrus. Denn Funkel hat keine andere Wahl, als dieses Zeitspiel als Misstrauensvotum gegen sich zu werten. Zumal der Arbeitsnachweis von Funkel seit seinem Amtsantritt im März 2016 eine deutliche Sprache spricht: Klassenerhalt in der zweiten Liga als Feuerwehrmann, Konsolidierungsjahr 2017, Aufstieg 2018 und nun der 14. Platz nach der Hinrunde mit sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze in der Bundesliga – punktgleich mit Schalke 04 und vor weitaus finanzstärkeren Klubs wie dem VfB Stuttgart oder Hannover 96. Ein Bewerbungsschreiben, an dem eigentlich niemand vorbeikommen kann. Eigentlich.

Fortunas Verantwortlichen reichen diese Argumente nicht aus. Sie wollen nach dieser Saison allem Anschein nach, einen anderen Weg auf der Trainerposition einschlagen, ohne das aber zum jetzigen Zeitpunkt bereits offen zu kommunizieren. Es ist ein durchsichtiges Possenspiel. Dazu passen auch die Informationen unserer Redaktion, nach denen es bereits ein internes Ultimatum an den Trainer vor dem Spiel gegen Freiburg gegeben hatte. Der 2:0-Sieg rettetete Funkel schließlich den Job. Gegen Dortmund und Hannover folgten schließlich weitere Siege.

Ohnehin hat Funkel intern nicht nur Verehrer. Dem Vernehmen nach passt es Teilen der obersten Heeresleitung nicht, dass der Trainer seinen ganz eigenen Kopf hat und auch öffentlich nicht mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Zudem halten sich die Gerüchte hartnäckig, dass andere Personen gerne ebenso viel Lob und Scheinwerferlicht abbekommen möchten wie Funkel. Diese Haltung, gepaart mit dem Wunsch im Zuge der Modernisierung der Vereinsstrukturen auch im sportlichen Bereich neuen Wind zu entfachen, dürfte der wahre Beweggrund sein, warum Funkels Wunsch nach einer vorzeitigen Verlängerung im Trainingslager – so wie in den Jahren zuvor – nicht entsprochen wurde.

Die spannende Frage ist, ob die Vereinsführung die Folgen dieser Entscheidung hinreichend bedacht hat. Bei der letzten Trainingseinheit in Marbella am Freitagnachmittag verweigern die Fans das obligatorische Foto mit der Mannschaft – aus Protest gegen die Entscheidung der Kluboberen. Auch die Banner der aktiven Fanszene werden bewusst verkehrtherum aufgehängt.

Der Trainer bestätigt, dass er nach der Entscheidung des Vereins emotional angefasst ist. „Das zu verdauen, ist jetzt erstmal nicht leicht“, sagt Funkel. „Bis zum Telekom Cup sind es nur zwei Tage. Aber bis zum Ligastart werden wir das abgehakt haben.“ Am kommenden Samstag tritt die Fortuna dann zum ersten Rückrundenspiel in Augsburg an, möchte aus ihrer gute Ausgangsposition trotz aller Nebengeräusche das Beste machen. „Für mich kam nie in Frage das Handtuch jetzt vorab zu werfen“, erklärt Funkel. „Wir werden alle an einem Strang ziehen, um das große Ziel Klassenerhalt zu schaffen. Das kann aber bis zum letzten Spieltag dauern. Dazu brauchen wir weiter die tolle Unterstützung unserer Fans. Solche Fans wie hier in Düsseldorf habe ich noch nie erlebt.“

Funkel kann dabei auch auf den vollen Rückhalt seiner Mannschaft zählen. Mehrere Spieler äußern sich hinter vorgehaltener Hand fassungslos über die Entscheidung des Vereins. Das Team wurde im Übrigen vor vollendete Tatsachen gestellt, die Einschätzung des Mannschaftsrates vom Vorstand nicht eingeholt. „Das ist eine Entscheidung für den Verein Fortuna Düsseldorf hinter der alle Gremien geschlossen stehen“, sagt Schäfer. Geschlossenheit täte Fortuna gut.

(erer)
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