Fortuna Düsseldorf stürzt nach Niederlage gegen Schalke 04 auf einen Abstiegsplatz

Nach dritter Niederlage in Folge: Fortuna stürzt auf einen Abstiegsplatz

Der Bundesliga-Aufsteiger bleibt sich treu. Auch das siebte Saisonspiel gestaltet er fast durchgängig ausgeglichen, verliert aber dennoch gegen den FC Schalke 0:2. Im Abschluss sind die Düsseldorfer viel zu harmlos.

Es ist der vielleicht älteste Spruch an Deutschlands Fußball-Stammtischen, und wer ihn riskiert, bekommt mit einiger Sicherheit das Phrasenschwein zum Geldeinwurf hingehalten. Wahr bleibt er dennoch: Wer keine Tore schießt, kann auch nicht gewinnen.

Umso bitterer ist es, wenn man wie Fortuna Düsseldorf hinreichend klare Chancen herausspielt, um jedes der bisher sieben Spiele seit dem Bundesliga-Aufstieg für sich entscheiden zu können – aber es nur ein einziges Mal schafft, tatsächlich die Punkte zu behalten. Auch gegen den FC Schalke 04 hatte der Aufsteiger auf diese Weise mit 0:2 das Nachsehen und stürzte damit erstmals in dieser Saison auf einen Abstiegsplatz.

Die Szene, die diesmal die ergreifende Harmlosigkeit der Düsseldorfer im Torabschluss nachwies und die Partie im Nachhinein mit entschied, ereignete sich bereits in der vierten Minute. Benito Raman lief allein auf Schalkes Torhüter Ralf Fährmann zu, doch statt mit hohem Tempo an ihm vorbeizuziehen, schoss der Belgier überhastet am Tor vorbei. „Solche Möglichkeiten müssen wir einfach nutzen“, sagte Trainer Friedhelm Funkel, „dann wird es vielleicht ein bisschen leichter. Da muss man einfach cleverer sein und bessere Entscheidungen treffen. Ich an Benitos Stelle wäre am Torhüter vorbei und hätte den Ball ins leere Tor geschoben.“

Nun war Funkel zu aktiven Zeiten jedoch ein ausgezeichneter Erstliga-Angreifer mit stolzen 82 Toren in 320 Bundesligaspielen – ein solcher will Raman allenfalls einmal werden. Auch ansonsten findet sich keiner in Fortunas Kader. „Wenn man solche Chancen nicht nutzt“, fasste Sportvorstand Erich Rutemöller zusammen, „hat das immer etwas mit Qualität zu tun.“

Wichtig ist allerdings, die Schuld an der schwachen Torquote nicht allein den nominellen Stürmern Raman, Rouwen Hennings und Marvin Ducksch anzulasten. Fortuna hat sich zwar bemerkenswert schnell an das spielerische Niveau der Bundesliga angepasst und hat auch keine erkennbaren Geschwindigkeits-Nachteile, wie sie Aufsteigern ansonsten gern nachgesagt werden. Sie schafft es jedoch nicht, vor dem gegnerischen Tor zwingend zu agieren. Oft bleibt der letzte Pass hängen, und wenn er dann doch einen Düsseldorfer in guter Position erreicht, dann geht dieser in der Regel fahrlässig damit um.

„Wir werden weiter daran arbeiten, cleverer und abgebrühter zu werden“, sagte Funkel. „Es ist jedoch schwer, Szenen wie die von Benito im Training zu simulieren. Natürlich lassen wir die Jungs da immer wieder auf die Torhüter zulaufen und ihr Entscheidungsverhalten üben. Aber bei uns auf dem Trainingsplatz und dann in der Liga vor 52.000 Zuschauern mit viel Adrenalin im Blut, das ist etwas ganz Anderes.“

Die Abschlussschwäche führt dazu, dass Fortunas gar nicht so häufige Fehler in der Defensive oft bereits spielentscheidend sind. „Di Santos Flanke vor dem 0:1 war gefühlt schon im Aus“, berichtete der diesmal als Innenverteidiger aufgebotene Adam Bodzek. „Irgendwie hat Serdar den Ball aber doch noch nach innen zu McKennie bekommen. Das ist eben der Unterschied, dass Schalke mit seiner ersten Chance des Spiels in Führung geht und mit der zweiten das 0:2 nachlegt.“

Auch das hat frei nach Erich Rutemöller natürlich mit Qualität zu tun. Fortunas Zukunft in der Bundesliga wird davon abhängen, wie schnell sie die ihre in Sachen Konsequenz gesteigert bekommt. Der FC Schalke hingegen scheint nach seinem krass misslungenen Saisonstart auf einem guten Weg.

Zwar war der Vizemeister über die 90 Minuten gesehen nicht besser als der Aufsteiger. Er gewann letztlich aber doch sicher und erinnerte damit schon wieder ein wenig an die Vorsaison, als sich Schalke dank seiner Effektivität fast unbemerkt auf Platz zwei schlich.

„Das war kein einfaches Spiel für uns, weil Fortuna auch nach dem 0:2 nie aufgehört hat, an sich zu glauben“, erklärte Trainer Domenico Tedesco. „Aber wir sind überglücklich über den Sieg. In der zweiten Hälfte war es ein Stück weit eine andere Musik.“ Die spielte zwar weder einen Schalker Triumph- noch einen Düsseldorfer Trauermarsch – um letzteren zu verhindern, muss Fortuna jedoch schnell lernen.

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