Fortuna Düsseldorf: Stürmer Jürgen Schult feiert 80. Geburtstag

Erster Bundesliga-Torschütze : Fortunas Aufstiegsheld Jürgen Schult wird 80

Er war der erste Bundesliga-Torschütze der Düsseldorfer. Auch beim DSC 99 spielte der Offensivmann eine wichtige Rolle – am Dienstag wird er 80 Jahre alt.

Drei Jahre lang, von 1964 bis 1967, trug Jürgen Schult das Trikot der Fortuna. Und wenngleich er nach 18 Einsätzen in der deutschen Eliteklasse den Klub wieder verließ, hat er in dessen langer Geschichte einen festen und bedeutenden Platz. Aus der Regionalliga aufgestiegen, erzielte der gebürtige Düsseldorfer das erste Bundesligator Fortunas, als diese – nach einem Treffer von Peter Meyer zum 2:1 kurz vor dem Abpfiff – sensationell beim Europapokalsieger Borussia Dortmund mit Siegfried Held, Reinhard „Stan“ Libuda, Lothar Emmerich und Rudi Assauer gewann. „In einem Spiel, in dem es für uns eigentlich nur darum ging, in welcher Höhe wir verlieren könnten“, erinnert sich Schult. Am Dienstag feiert er seinen 80. Geburtstag.

Der 20. August 1966 war gleich aus drei Gründen für ihn ein besonderer Tag. Erst überreichte ihm Trainer Kuno Klötzer eine Geburtstagstorte, Schult war 27 Jahre alt geworden. Dann feierte Fortuna ihre Premiere in der höchsten Liga, und der Halbstürmer erzielte den ersten von bisher 1212 Düsseldorfer Treffern in der Bundesliga.

Jürgen Schult war einer jener Spieler, deren Namen auch in der Chronik des DSC 99, dessen erstes Männerteam derzeit in der Bezirksliga (siebte Klasse) spielt, einen hervorragenden Klang haben. Denn der Halbstürmer – heute spricht man in dieser Position von einem offensiven Mittelfeldspieler – stieg 1959 mit dem Klub aus der Landes- in die Verbandsliga auf. Die Mannschaft um Torjäger Gerd Auge, Fredi Zwiebler, Werner Küppers, Hermann Birth sowie die Brüder Wolfgang und Reinhold Bludau war damit nach Fortuna eine der besten in der Landeshauptstadt. Masseur war Fritz Briel, Welt- und Europameister im Kanurennsport, Olympiazweiter und vielmaliger deutscher Meister.

Schult lebte als Junge mit seiner Familie an der Windscheidstraße, konnte von der Wohnung in der vierten Etage auf die Anlage des DSC blicken und wurde mit neun Jahren Mitglied des Traditionsvereins. Höhepunkt neben dem Aufstieg war im Mai 1959 ein Pokalspiel gegen den Oberligisten Rot-Weiss Essen mit Nationaltorhüter Fritz Herkenrath. Der DSC unterlag unglücklich mit 1:2, und in der RP hieß es damals: „Vor allem der junge Schult zeigte keinerlei Respekt vor den großen Kanonen. Wie dieses große Talent ... Nationalspieler Wewers geschickt täuschte und Herkenrath zum 1:1-Ausgleich überlistete, das war schon eine prächtige Leistung.“

Zur Fortuna kam Schult allerdings erst nach einem Umweg über Köln. „Ich war nicht allzu groß. Da war auch Fortuna der Meinung: Den nehmen wir nicht, der ist körperlich zu schwach und zu klein. Und dann bin ich zu Viktoria Köln gegangen.“ Deren Trainer war Hennes Weisweiler, später Meistercoach Borussia Mönchengladbachs und des 1. FC Köln. Der Viktoria-Mannschaft gehörten einige Spieler an, die später ebenfalls als Fußballlehrer tätig waren: Willibert Kremer (von 1982 bis 1985 Bundesligatrainer der Fortuna), Erich Ribbeck (mit ihm ist Schult gut befreundet und auch mehrmals in Urlaub gefahren), Jürgen Sundermann, Carl-Heinz Rühl und Gero Bisanz. „Bei Viktoria hat es dann so gut geklappt, dass Fortuna auf mich zukam und vergessen hat, dass ich zu klein war.“

Dass die Zahl seiner Einsätze in der Bundesliga auf 18 (fünf Tore) beschränkt blieb, hatte zwei entscheidende Gründe: Zur Vorbereitung auf sein Examen an der Sporthochschule Köln wurde Schult in der Rückrunde drei Monate lang freigestellt, und am Saisonende stiegen die Flingerner als Tabellenvorletzter wieder ab. „Dann haben sie bei Fortuna gedacht: Wir machen einen neuen Aufbau.“ Das habe man einerseits auch verstehen können, „aber ich wäre nie weggegangen. Für mich war Fortuna ein Traumverein. Ich bin bald in den Erdboden versunken, weil ich so enttäuscht war“.

So führte ihn der Weg zum VfR Mannheim, Deutscher Meister des Jahres 1949. Und nach Düsseldorf, wo die Eltern einst an der Graf-Adolf-Straße eine Drogerie führten, wurde die Kurpfalz für den Diplomsportlehrer zur zweiten Heimat, bis heute. Nach seiner aktiven Laufbahn wollte er allerdings in seine Geburtsstadt zurückkehren. „Ich hatte beim DSC schon einen Trainervertrag, musste ihm dann aber wegen einer Achillessehnenverletzung absagen.“

Mit Fortuna hat er sich längst wieder versöhnt. Daran hatte Ende der Achtzigerjahre sein Sohn besonderen Anteil. „Ich hatte Kontakt zu Dieter Bierbaum (Fortunas ehemaliger Stadionsprecher, die Red.), und er hat mir zwei Karten geschenkt.“ So haben sie wieder zusammengefunden, Schult und die große Liebe. Und seine tiefe Verbundenheit mit dem Verein beweist er auch dadurch, dass seinen WhatsApp-Kontakt ein rotes Fortuna-Herz mit dem F95 als Profilbild ziert. „Ich komme immer wieder gern nach Düsseldorf“, sagt Jürgen Schult, „und jedes Jahr treffen wir uns einmal mit Klassenkameraden vom Rethel-Gymnasium in der Altstadt.“

Mehr von RP ONLINE