Fanfreundschaft lebt So wurden Fortunas Anhänger in Ipswich gefeiert

Düsseldorf · Am Anfang war es ein netter Spaß, kaum mehr als die Idee zu einem interessanten Zeitvertreib. Doch über die Jahre ist es eine tiefe Fanfreundschaft geworden, die Fortuna mit dem englischen Drittligisten Ipswich Town verbindet. Die 17. Tour Düsseldorfer Fans dorthin wurde eine ganz besondere.

Großer Bahnhof für Fortunas Fans bei Ipswich Town
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Großer Bahnhof für Fortunas Fans bei Ipswich Town

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Foto: Fortuna Blues

Die Basis liegt im Jahr 1979. Damals, vor fast 44 Jahren, hätten sich Fortuna Düsseldorf und der Ipswich Town FC beinahe in einem ganz großen Spiel gegenübergestanden, im jeweils größten Spiel der jeweiligen Vereinsgeschichte. Doch während Fortuna ins Finale des Europapokals der Pokalsieger einzog, scheiterte Ipswich in der Runde der letzten acht ganz knapp am FC Barcelona – nur aufgrund der inzwischen abgeschafften Auswärtstorregel mit 2:1 und 0:1.

Und so trafen die Düsseldorfer im Endspiel (3:4 nach Verlängerung) eben auf Barcelona und nicht auf die Engländer aus Ipswich, die im Halbfinale gegen den belgischen Klub SK Beveren sogar Favorit gewesen wären. Wer weiß, was aus Fortuna und dem Ipswich Town FC geworden wäre, wenn es das Finale gegeneinander gegeben hätte? So jedenfalls entstand in den Jahren danach eine tiefe Fanfreundschaft, die europaweit ihresgleichen sucht.

Seit vielen Jahren besuchen sich die Anhänger aus Deutschland und England gegenseitig zu Spielen ihrer Klubs. Bereits zum 17. Mal waren im Januar wieder die Fortunen an der Reihe, und diesmal brachten die Organisatoren Ulli Münsterberg und Friedrich Schacht sogar zwei prall gefüllte Busse an den Start. Ziel war natürlich das Stadion an der Portman Road, wo der drittplatzierte Gastgeber Ipswich Town zum Spitzenspiel der Dritten Liga – so weit ist der Traditionsklub inzwischen sportlich abgerutscht – Tabellenführer Plymouth Argyle erwartete.

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Fortunas Hinrundenrangliste von Fans und Redaktion

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Foto: dpa/Roland Weihrauch

Bis es so weit war, hatte der Tross jedoch einiges zu überstehen. „Unsere 17. Tour nach England dürfte die härteste Fahrt seit dem Bestehen der Fortuna Blues gewesen sein“, berichtet Münsterberg, „und sie war dennoch eine der allerfeinsten.“ Die unerwartete „Härte“ hatte ihren Ursprung im Wetter, das bei Fahrtbeginn noch bestens gewesen war. „Tatsächlich jedoch musste unsere Fähre auf der Überfahrt von Dünkirchen über den Kanal einige Stunden vor den weißen Kreidefelsen von Dover kreuzen, weil der Kapitän den Dampfer bei nun doch schwerer See nicht andocken konnte“, erklärt Münsterberg. „Als es endlich weiter ging, war klar: Uns fehlte für unseren eng kalkulierten 36-Stunden-Non-Stop-Trip Zeit. So erreichten wir Portman Road erst gegen Mittag – und trotzdem war ein bombastischer Empfang.“

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Foto: Frederic Scheidemann

So gut es ging, zogen die Fortunen mithilfe ihrer Freunde von den „Tractor Boys“ aus Ipswich, die sie bereits sehnsüchtig erwartet hatten, ihr Programm dennoch durch. Zu diesem gehörte auch ein Empfang in einer Sendung des Radiosenders BBC Suffolk. Gemeinsam mit Schacht war Münsterberg dort zum Interview eingeladen. „Müdigkeit nach der Hinfahrt mit schwerem Seegang vortäuschen ging nicht. Auch deswegen nicht, weil die Ipswich-Town-Legenden Terry Butcher und Steve McCall am Start waren.“ Insgesamt trafen die Fortuna Blues vier Spieler aus Ipswichs Uefa-Cup-Gewinnermannschaft von 1981.

Auch die Düsseldorfer hätten eigentlich eine Fortuna-Legende mit im Bus gehabt: Der Waliser Dean Thomas, in den 1980er-Jahren Profi beim damaligen Bundesligisten, musste seine Teilnahme wegen der Nachwehen einer Knieoperation allerdings absagen. „Dean hat uns aber fest versprochen, beim nächsten Mal mitzufahren“, erklärt Schacht.

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Foto: dpa, dpa

Und ein nächstes Mal wird es mit Sicherheit geben. Dann hoffentlich auch wieder mit einem Sieg der Ostengländer, der diesmal durch den Ausgleichstreffer von Plymouth zum 1:1 in der Nachspielzeit knapp nicht zustande kam. Dennoch wurde gemeinsam gefeiert, unter alten Freunden: „Wir hatten uns alle lange nicht gesehen, und dennoch war es so, als sei es erst letzte Woche gewesen.“

Bei der Rückfahrt warteten dann sogar noch einmal Probleme auf die Organisatoren, da französische Zollbeamte und Mitarbeiter der Fährgesellschaft offenbar mit den Umstellungen durch den Brexit überfordert waren. Obwohl der Tross pünktlich an der gebuchten Mitternachtsfähre war, wurde diese unnötigerweise verpasst. So verzögerte sich die Reise immens, und die Busse mit den Fortunen kamen sieben Stunden später als geplant wieder in Unterrath an. „Und trotz allem kamen sofort die Fragen, wann es denn wieder nach Ipswich losgeht“, berichtet Münsterberg gerührt. Echte Fanfreundschaft ist eben viel wichtiger als Ergebnisse, schwere See oder überforderte Fähr-Mitarbeiter.

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