Fortuna Düsseldorf: So lief die schleichende Ausbootung von Robert Schäfer

Fortunas Ex-Vorstandschef : So lief die Entlassung von Robert Schäfer

Fortuna trennt sich von ihrem Vorstandschef. Der Entscheidung ging ein schleichender Prozess voran. Ein Protokoll.

März 2016 Robert Schäfer wird von Fortunas Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Reinhold Ernst als Vorstandsboss installiert. Das geschieht nicht ohne Nebengeräusche zwischen Schäfer und seinem damaligen Arbeitgeber Dynamo Dresden. In einem Interview für Dynamos Medienabteilung beteuert der damalige Geschäftsführer, noch einiges mit den Schwarz-Gelben vorzuhaben und nicht in Kontakt mit Fortuna zu stehen. Als der Wechsel dann doch perfekt ist, wirft mancher in Dresden Schäfer vor, die Unwahrheit gesagt zu haben – und das sorgt auch in Düsseldorf für negative Kommentare.

Mai 2016 Fortuna feiert den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Zuvor war es unter Trainer Marco Kurz noch einmal richtig eng geworden, und erst die Verpflichtung von Friedhelm Funkel nach der peinlichen Niederlage in Sandhausen bringt die Mannschaft wieder in die Spur. Jahre später entwickelt sich ein verbales Tauziehen darum, wer in der Fortuna-Führung dafür verantwortlich war, Funkel seinerzeit zu holen. Ernst wirft Schäfer vor, dass dieser sich fälschlich mit diesen Lorbeeren schmücke, während doch eigentlich der Aufsichtsratsvorsitzende diese wichtige Idee gehabt habe. Abschließend klären lassen sich die Hintergründe nicht.

Frühjahr 2017 Fortuna beendet eine relativ sorgenfreie Zweitliga-Saison mit einem 1:0-Heimsieg gegen den FC Erzgebirge Aue als Tabellenelfter. In einem Interview mit unserer Redaktion kündigt Funkel an, in der nächsten Saison durchaus mit Fortuna um den Aufstieg mitspielen zu können, wenn ihm die Klubführung einige Spieler als gezielte Verstärkungen verschaffen könne. Im Hintergrund tauchen Gerüchte auf, dass bereits zu diesem Zeitpunkt sowohl Ernst als auch Schäfer Kritik am Trainer üben. Zudem gibt es immer wieder Berichte, dass sich das Klima auf der Fortuna-Geschäftsstelle wegen Schäfers autoritärem Führungsstil stetig verschlechtere.

Mai 2018 Trotz des geglückten Aufstiegs soll es in der Führungsetage Zweifel geben, ob Funkel der richtige Trainer für die erste Liga ist. Es ist zu hören, dass Schäfer schon zu diesem Zeitpunkt das Szenario einer Trennung durchspielt.

Oktober 2018 Nach und nach ziehen weitere Wolken im Verhältnis zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und dem Trainer auf. Schäfer geht die Entwicklung des Teams nicht schnell genug. Er übt öffentlich Druck aus, fordert von Funkel, die Mannschaft zu entwickeln, bevor es zu spät ist.

November 2018 Der Vorstandschef ist nach den Niederlagen gegen Mainz und Bremen nicht mehr von Funkel überzeugt. Es soll ein Ultimatum für den Coach gegeben haben. Auch ein Nachfolger soll bereits gefunden sein: Damir Canadi. Doch Fortuna siegt gegen Freiburg, Dortmund und in Hannover.

Januar 2019 Vorstand und Aufsichtsrat sind sich einig, die Gespräche mit Funkel über eine Vertragsverlängerung – entgegen der Gepflogenheiten in den Vorjahren – nicht in der Winterpause zu führen, sondern ins Frühjahr zu verlegen. Funkel lehnt ab. Es kommt zur Eskalation in der Medienrunde am Pool im Trainingshotel in Marbella. Die Posse endet mit einem Burgfrieden und einer Verlängerung im Falle des Klassenerhalts. Aufsichtsratschef Ernst kündigt eine interne Aufarbeitung der Geschehnisse an.

Februar/März 2019 Ernst lässt durchblicken, dass die Prozesse der Aufarbeitung noch etwas dauern. Mehrere Szenarien sind denkbar. Aus Kreisen des Aufsichtsrates sickert durch, dass das wahrscheinlichste Ergebnis eine weitere Beschneidung von Schäfers Entscheidungsgewalt ist – etwa durch die Einsetzung eines Marketingvorstandes. Mit Kandidaten wird bereits verhandelt. Einer von ihnen ist schon zu diesem Zeitpunkt nach Informationen unserer Redaktion der Westfale Thomas Röttgermann. „Wir haben uns nicht zum ersten Mal mit ihm beschäftigt“, bestätigt ein Aufsichtsratsmitglied. Als Lehre aus dem desaströsen Auftreten in Marbella lässt sich Schäfer professionell beraten. Das Coaching zeigt offenbar schnell Erfolge. Funkel betont jedenfalls, es habe wieder eine Annäherung zwischen ihm und Schäfer gegeben: „Wir haben vernünftig zusammengearbeitet. Da ist nichts hängengeblieben.“

April 2019 Die Stimmung kippt im Aufsichtsrat. Es gibt mittlerweile eine absolute Mehrheit von Schäfer-Gegnern in dem Gremium. Bei einer finalen Abstimmung haben acht von neun Mitgliedern gegen den 43-Jährigen votiert. Schäfer wird vorgeworfen, zu Ich-bezogen Politik gemacht zu haben. Dazu, so heißt es, sollen angeblich auch fachliche Defizite kommen. Welche das sein sollen, darüber gibt es zumindest öffentlich noch keine Auskunft. Die Aufsichtsräte hinter Reinhold Ernst und seinem Stellvertreter Carsten Knobel geben sich betont zurückhaltend: „Unsere Kommunikation wird über den Vorsitzenden gesteuert.“ Bereits vor etwas eineinhalb Wochen erfuhr Schäfer von seinem bevorstehenden Aus bei Fortuna. Das Vertrauensverhältnis sei nachhaltig gestört, man wolle sich neu ausrichten.

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