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Fortuna Düsseldorf: So fand Florian Hartherz nach einem verlorenen Jahr zurück in die Spur

Fortunas Linksverteidiger : So fand Florian Hartherz zurück in die Spur

Es war ein verlorenes Jahr für Florian Hartherz. Immer wieder plagte sich Fortunas Linksverteidiger mit Verletzungen herum – und wenn er doch spielte, dann lief es nicht. Gegen Werder trat er nun ganz anders auf. Jetzt hat der 28-Jährige uns erzählt, was die Gründe dafür sind.

Schon die Körpersprache hat sich komplett verändert. Wenn man in der vergangenen Saison das Fortuna-Training besuchte, dann sah man zwar immer einen Florian Hartherz, der engagiert seinen Job machte, der keine Pausen einlegte und kämpfte – man sah aber auch, wie der Linksverteidiger in einigen Momenten leicht Kopf und Schultern hängenließ, wie sein Lächeln etwa gezwungen wirkte.

Vorbei. Hartherz trainiert immer noch mit Volldampf, aber hängende Schultern? Von wegen. Der 28-Jährige steht aufrecht, scherzt viel, lacht über das ganze Gesicht. Fast so, als stünde da ein anderer Spieler auf dem Trainingsplatz.

Ganz ähnlich sah das am Samstagabend beim unglücklichen 2:3 gegen Werder Bremen aus. Trainer Christian Preußer hatte Hartherz etwas überraschend anstelle von Leonardo Koutris für die Startelf nominiert, und der frühere Bielefelder nutzte seine Chance. „Flo“ machte seine linke Abwehrseite dicht, sprintete immer wieder druckvoll nach vorn, gab keinen Ball verloren. Ein sehr ordentlicher Auftritt, dem im Grunde nur die Krönung in Form eines Punktgewinns – oder gar deren drei – fehlte.

Auch im Gespräch nach dem Mittwoch-Frühtraining präsentiert sich Hartherz bester Laune, obwohl Preußer ein schweißtreibendes Programm abspulen ließ. „Das geht schon ganz schön zur Sache unter unserem Coach“, sagt er lachend. „Zum Abschluss noch ein paar Läufe, das kennt man gar nicht mehr so. Aber das tut uns gut, auch wenn es jetzt eklig und nervig ist. Das wird man in den Spielen sehen, das zahlt sich am Ende in jedem Fall aus.“

Mit seinem guten Spiel gegen Werder hat er nach der verlorenen ersten Saison viele überrascht. Auch sich selbst? „Ganz ehrlich, ich hatte damit gerechnet, dass es für mich gut laufen würde“, sagt er. „Ich habe mir mit dem Ende der vergangenen Saison vorgenommen, alles reinzuhauen, was ich habe. Das ist mir in den Wochen der Vorbereitung gut gelungen, und ich habe mich einfach riesig gefreut auf dieses Spiel. Ich habe es angenommen, als sei es das letzte meines Lebens, und wollte den Fans zeigen, was ich draufhabe.“

Die Rückschau auf die Vorsaison, als er als Aufsteiger von Arminia Bielefeld kam, aber nie seine Form fand, fällt ihm sichtlich nicht leicht. „Mental ist es wirklich nicht immer einfach gewesen. Ich hatte zuvor nicht viele Verletzungen in meinem Leben gehabt, aber diese Achillessehnen-Geschichte war dann keine einfache, ich bekam immer wieder Probleme. Die Sehne ist fast gerissen, und ich musste mit Rehatraining und einer Ernährungsumstellung hart daran arbeiten, das wieder hinzubekommen. Aber das ist abgehakt, ich schaue nur nach vorn und habe Bock darauf, mit den Jungs etwas zu erreichen. Ich finde diesen Verein klasse, diese Stadt und diese Fans. Flo Hartherz gibt jetzt Vollgas.“

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Auf der Rückfahrt vom letzten Saisonspiel sei seine persönliche Entscheidung gefallen: wieder ganz der Alte werden, mit neuer Ernährung und Zusatztraining. „Ich habe zu viel Fleisch gegessen, einen schlechten Cholesterinwert gehabt. Das ist jetzt völlig anders.“ Er lese auch wieder viel mehr, habe sich viele Bücher besorgt, in denen es um die mentale Seite geht, um den positiven Umgang mit schwierigen Situationen. „Der entscheidende Baustein ist aber die Fitness“, betont er.

Nun ist er Christian Preußer „dankbar, dass er mir eine faire Chance gibt“, sagt Hartherz. „Er ist ein junger Trainer, der eine offene, ehrliche und direkte Art hat. Er gibt immer Hilfestellung und Tipps, aber er fordert immer hundert Prozent. Das finde ich gut, auch die Art, wie er Fußball spielen lässt, mit viel Gegenpressing und Druck nach vorn. Das passt zu mir.“

Somit ist allerdings der Konkurrenzkampf zwischen ihm und dem zweiten Linksverteidiger im Kader, Leo Koutris, voll entbrannt. Das sei jedoch nur sportlich ein Thema, versichert Hartherz. „Menschlich ist unser Verhältnis super. Wir verstehen uns top, wir quatschen in der Kabine. Wenn es dann auf den Platz geht, sind wir natürlich Konkurrenten, weil wir beide spielen wollen.“

Natürlich auch am Sonntag (15.30 Uhr) im DFB-Pokalspiel beim VfL Oldenburg. Nach zwei Pokalpleiten gegen Viertligisten und einer qualvollen Verlängerung beim Fünftligisten FC Villingen wird da manchem Fortuna-Fan schon mulmig, aber Hartherz ist zuversichtlich. „Ich habe in dieser Mannschaft überhaupt nicht das Gefühl, dass wir Oldenburg unterschätzen könnten“, sagt der 28-Jährige. „Niemand nimmt sich in den Trainingseinheiten zurück, wir wollen weiterkommen. Und es wäre doch eine geile Sache, vielleicht irgendwann wieder ein Pokal-Heimspiel vor vollem Haus zu haben.“

Apropos volles Haus: Auch wenn es nur 12.850 Zuschauer waren, so hat „Flo“ doch die Atmosphäre gegen Werder mit jeder Körperfaser genossen. „Es war Bombe gegen Bremen, ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich nur daran denke“, schwärmt er. „Ich habe das gebraucht, die Menschen im Stadion, die Emotionen. Ich glaube, jeder, der mit dabei war, hat das genossen. Es war einfach grandios, vielen Dank an alle.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Florian Hartherz