Paul Jäger in Hochform So entert ein Urgestein den Fortuna-Podcast

Düsseldorf · Paul Jäger ist ein Stück Fortuna. Ein großes sogar, denn er hat in vielen Funktionen 34 Jahre für den Verein gearbeitet und macht als Rentner in Teilzeit weiter. Im Vereinspodcast berichtet er über seine Erlebnisse, mixt perfekt Witziges und Ernstes. Was dabei besonders heraussticht.

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Das ist Paul Jäger

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Foto: Frederic Scheidemann

Oliver Bendt ist einige Stürme gewohnt. Der langjährige Fortuna-Reporter des lokalen Radiosenders Antenne Düsseldorf ist mit dem Verein durch ganz Deutschland gereist, hat Auf- und Abstiege erlebt, das denkwürdige Relegations-Rückspiel gegen Hertha BSC kommentiert und sogar Live-Interviews mit Jens Langeneke unmittelbar nach Niederlagen überstanden. Diesmal ist Bendt, von jedermann nur „Olli“ genannt, jedoch chancenlos. Sein Gesprächspartner im Fortuna-Podcast „Rot und Schweiß“ ist Paul Jäger – und das Vereins-Urgestein entert das Interview komplett, macht den Podcast zu seiner persönlichen Show.

Das soll jedoch keine Kritik an Bendt sein, ganz im Gegenteil. Der erfahrene Radiomann lässt sich in den fast 56 Minuten, die auf Fortunas Website nachzuhören sind, gern und mit Genuss an die Wand spielen. Jäger, der am 1. März nach 34 Jahren in etlichen Funktionen vom Geschäftsführer bis Interimsvorsitzenden bei Fortuna offiziell in den Ruhestand getreten ist, Kostenpflichtiger Inhalt aber als regionaler Repräsentant für soziales Engagement in Teilzeit weitermacht, erzählt ein Döneken nach dem anderen, und keins davon ist langweilig.

Dabei gelingt es dem 65-Jährigen, witzige Histörchen mit klaren Informationen abzuwechseln; Dinge, die ihm ernsthaft am Herzen liegen, bekommen den gleichen Platz wie Anekdoten. Zu zweiteren gehört ganz sicher sein Bericht vom hitzigen Aufeinandertreffen, das er im Jahr 2000 mit dem damaligen Fortuna-Kapitän Guido Jörres im ICE Deichgraf hatte, auf der Rückfahrt vom Regionalligaspiel bei Sachsen Leipzig; sinnigerweise am 11.11.

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Foto: dpa/David Inderlied

„Wir hatten 1:5 verloren, und Guido Jörres hatte auch noch einen Elfmeter verschossen“, erinnert Jäger sich lachend. „Da waren wir beide in der richtigen Stimmung und haben uns richtig in Rage geredet. Von ihm kam dann auch: ,Du hast mich mit meinem Vertrag über den Tisch gezogen.‘ Das Ganze ist dann ein wenig eskaliert. Leider war ein Informant einer Boulevardzeitung auch im Zug und hat alles mitgeschrieben. Eine Woche lang war die Hölle los, meine Kinder konnten kaum noch in die Schule gehen.“

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Foto: Christof Wolff

Ein weiteres Thema ist die legendäre Geschichte um das verspätet beim DFB eingetroffene Fax mit den Lizenzierungsunterlagen des Ligarivalen SV Wilhelmshaven. Wegen dieser Verspätung blieb die sportlich abgestiegene Fortuna in der damals drittklassigen Regionalliga, und im Podcast erzählt Jäger, dass er daran möglicherweise nicht unbeteiligt war: „Der damalige Präsident Michael Steffes-Holländer und ich saßen beim Italiener, und als wir erfuhren, dass bis 23.30 Uhr immer noch nichts aus Wilhelmshaven in Frankfurt eingetroffen war, haben wir bis zur Deadline um Mitternacht permanent die Speisekarte des Italieners an den DFB gefaxt.“ Ob das der Grund war, dass die Wilhelmshavener zu spät kamen, wisse er nicht, ergänzt Jäger: „Aber diese nette Mär hält sich wunderbar.“

Bei den ernsteren Geschichten beeindruckt besonders sein Bericht von der Zeit, als Fortuna kurz vor dem Ende war – zu Zeiten der Viertklassigkeit 2002 bis 2004. „Niemand wollte mehr etwas von Fortuna wissen“, sagt Jäger. „Da half nur noch die Komplettsanierung. Damals ist etwas gewachsen, der Vorstand mit Charly Meyer, Helmut Pöstges sowie Werner Sesterhenn und ich, wir waren ein verschworener Haufen.“

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Foto: dpa/Roland Weihrauch

Fortuna sei sein Wunschjob gewesen, als er 1989 kam, berichtet Jäger noch. „Der Verein war immer meine Leidenschaft.“ Und das merkt man ihm auch als offizieller Rentner noch an. Wenn er von den Zeiten mit „König Aleks“ Ristic schwärmt, seinen Kämpfen um die Lizenz, den Versuchen, mit dem damaligen Spieltagsplaner Hans-Georg Noack zu dealen, dass die Bundesliga-Heimspiele gegen Bayern und Schalke möglichst früh in die Saisons fielen („da kam Geld in die Kasse und wir haben Weihnachten erlebt“) – dann lebt man die Fortuna für einen Moment, wie Paul Jäger es tat und tut.

Aber was ist denn sein Fortuna-Moment, der ganz besondere, an den er sich als erstes erinnert? Die Relegation gegen Hertha, sagt er spontan. „Als ich da während des verfrühten Platzsturms auf dem Rasen stand, da war ich kurz vor dem natürlichen Tod. Weil ich wusste, was jetzt alles an Prozessen kommt.“ Nicht zuletzt wegen Jägers Geschick ging damals alles glimpflich aus, und der natürliche Tod ereilte ihn nicht. Es wäre auch unendlich schade gewesen.

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