Vor dem Rückrundenstart So bereit ist Fortuna schon für den Aufstieg

Analyse | Düsseldorf · Der Zweitligist aus Düsseldorf startet am Freitagabend gegen den 1. FC Magdeburg in die Rückrunde. Doch ist die Zeit für den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse wirklich schon gekommen? Was für den Aufstieg bereits in diesem Jahr spricht und was dagegen. Eine Bestandsaufnahme.

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Das ist Daniel Thioune

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Foto: Christof Wolff

Als Klaus Allofs im September 2020 zur Fortuna zurückgekehrt ist, da konnte es ihm gar nicht schnell genug gehen. Bereits nach wenigen Tagen trommelte er, damals noch als Vorstand mit etwas undefiniertem Aufgabengebiet, die Mannschaft zusammen und ließ sie ein gemeinsames Ziel definieren. Die Profis haben artig nachgesprochen, was man eben als „gemeinsames“ Ziel definiert hatte: Aufstieg – allerdings mit Einschränkungen. Es klappte in der Saison 2020/21 nicht. Es klappte in der Saison 2021/22 nicht.

Und 2022/23? Da hat Allofs, mittlerweile als Sportvorstand auch ganz offiziell verantwortlich für die Entwicklung in diesem Bereich, sich mit einer Zielformulierung zurückgehalten. Wenngleich zwischen den Zeilen schon recht klar wurde, dass die Ansprüche bestimmt nicht geringer geworden sind. Doch diesmal hat sich eine Sache geändert – denn die Spieler haben von sich aus ein Ziel bestimmt. Und das lautet: Aufstieg in die Bundesliga.

Es hat sich etwas am Geist im Team getan. So etwas kann man nur schwerlich von oben verordnen. Es muss aus der Mitte der Kabine kommen und von allen auch halbwegs mitgetragen werden. Freilich ist allen Beteiligten auch klar, dass es eine sportliche Aufgabe wird. Denn Fortuna geht als Tabellensiebter und 26 Punkten mit einer nicht ganz optimalen Ausgangslage ins Rennen. Doch diesmal hat man ja Daniel Thioune – dessen Vertrag am Donnerstag offiziell bis 2025 verlängert wurde – als Cheftrainer von Anfang an dabei.

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Foto: Moritz Mueller

Doch auch Thioune hat es bisher nicht geschafft, Konstanz in den Laden zu bekommen. Es sind schon jetzt viele Punkte unnötig liegengelassen worden. Er hat das Team zwar wieder auf Kurs gebracht, doch manchmal scheint auch er daran zu verzweifeln, was alles immer noch im Argen liegt. Die Mannschaft ist einerseits schon gierig, doch in der Zusammenstellung des Personals täte es gut, deutlich mehr Typen wie Christoph Klarer und Michal Karbownik zu haben.

Also Spieler, die wirklich etwas erreichen wollen. Fortuna hat aktuell sehr viele unter Vertrag, die schon einiges erreicht haben. Aber das ist auch schon länger her. Auf der Außenbahn sind die Probleme besonders offensichtlich. Und dennoch hat man einige Trümpfe in der Hand. In Florian Kastenmeier einen guten Torwart, eine sehr stabile Defensive um typen wie Matthias Zimmermann oder auch Jordy de Wijs. Ein Mittelfeld mit außergewöhnlich viel Talent und möglicherweise einigen Überraschungen. Man nehme nur Elione Fernandes. Und im Sturm sind Namen wie Dawid Kownacki, Daniel Ginczek und Rouwen Hennings nicht zu verachten.

Im Trainingslager in Marbella war die Stimmung gut. Wenige Tage später wurde durch die Erkältungswelle im Kader wieder alles durcheinandergemischt. So wird es auch darauf ankommen, wie stabil das Team durch die restliche Saison bis Ende Mai kommt. Bleibt man weitestgehend von Verletzungen verschont, ist vieles möglich. Am Ende gehört so oder so eine gehörige Portion Glück dazu. Grundsätzlich ist es dem Kader in jedem Fall zuzutrauen. Es könnte am Ende auf Kleinigkeiten ankommen. Aber wenn sich Fortuna endlich mal in den Flow spielt – dann auf jeden Fall.

Im Aufstiegsrennen gibt es ein paar Tendenzen. Im Prinzip ist aber noch alles offen. An der Spitze thront aktuell der SV Darmstadt 98 (36 Punkte). Spannende Frage: Wie lange können sich die „Lilien“ dort oben halten? Dahinter kommt gleich der Hamburger SV. Der gefühlte Erstligist, gefangen im Körper eines Zweitligisten, so wie es die Deutsche Presse-Agentur so süffisant formuliert hat, will nach vier vergeblichen Anläufen seit dem Abstieg 2018 vom Sommer an endlich wieder zur deutschen Fußball-Oberschicht gehören. Von Ruhe im Umfeld ist daher allerdings nur bedingt etwas zu spüren. Es gibt viele Fragezeichen rund um den Klub.

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Foto: Frederic Scheidemann

Ebenfalls im Rennen sind noch der 1. FC Heidenheim, wie eigentlich jedes Jahr, der 1. FC Kaiserslautern, Hannover 96, der SC Paderborn und vielleicht auch noch Holstein Kiel. Bei keinem dieser Vereine dürfte der Aufstiegsdruck indes so groß sein wie beim HSV. „Wir sind bereit, die Herausforderung anzunehmen. Die Herausforderung, die wir letztes Jahr fast geschafft hätten. Die Herausforderung, einen weiteren Schritt zu gehen, um endlich das langersehnte Ziel, die Bundesliga, zu erreichen“, sagt Sportvorstand Jonas Boldt (41).

In Düsseldorf ist man ähnlich ambitioniert. Behält aber das Große und Ganze im Blick. „Mein Ziel ist und bleibt es, Samstag um 15.30 Uhr an der Seitenlinie zu stehen“, sagt Thioune. „Wir werden dafür hart arbeiten und unsere Chancen nutzen.“