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Fortuna Düsseldorf: Rouwen Hennings wie einst Klaus Allofs

Elf Hinrundentreffer für Fortuna : Rouwen Hennings wie einst Klaus Allofs

Als Familienmensch ist Weihnachten für Rouwen Hennings ohnehin wichtig. Sein elfter Saisontreffer beschert aber dem ganzen Verein Fortuna ein frohes Fest.

Es ist die Saison seines Lebens. Eine halbe Ewigkeit hat Rouwen Hennings dafür gebraucht, sich einen Stempel abzuwischen, den er ohnehin nie verdient hatte – den Stempel, ein sehr guter Zweitligastürmer zu sein, bei dem es aber für die Bundesliga leider nie reichen werde. Derlei Unfug wird sich Fortunas Stürmer sobald nicht mehr anhören müssen: Sein Führungstreffer zum 1:0 gegen Union Berlin (Endstand 2:1) war bereits sein elftes Saisontor.

Die volle Bedeutung dieser Marke wird erst deutlich, wenn man einen Blick auf die Statistik der knapp 25 Bundesligajahre in Fortunas Vereinsgeschichte wirft. Denn nur ein Düsseldorfer Spieler schaffte seit 1966 in der Eliteklasse elf Treffer in einer Halbserie – Klublegende Klaus Allofs vor 41 Jahren. Doch fast noch wichtiger ist, dass Hennings’ Tor gemeinsam mit Erik Thommys Last-Minute-Siegtreffer dafür sorgte, dass der ganze Verein ein halbwegs ruhiges Weihnachten verleben kann. Gerade für den Familienmenschen Hennings sicher ein sehr angenehmer Aspekt.

„Elf Tore sind schon eine stolze Zahl“, sagt der 32-Jährige. „Ich hoffe, dass uns das auch am Ende der Saison etwas einbringt und ich es in der nächsten Saison nochmal versuchen kann.“ Seine persönlichen Bestmarken sind jedenfalls nicht mehr weit entfernt. 13 Mal traf er in seinem bisher besten Jahr im Fortuna-Dress, der Aufstiegssaison 2017/18, 17 Mal in seiner Rekordspielzeit 2014/15 für den Karlsruher SC; jeweils in der Zweiten Liga, versteht sich.

Doch Rouwen Hennings ist keiner, der sich und seine individuelle Bilanz in den Vordergrund schiebt. Ganz, wie es sich für einen dreifachen Vater gehört, nimmt er sich selbst nicht so wichtig und behält lieber das große Ganze im Auge. „Gerade nach dieser Phase, in der wir nichts eingefahren haben, war es ganz wichtig, drei Punkte zu holen und mit einem positiven Gefühl in die Winterpause zu gehen“, betont er mit Blick auf den Erfolg gegen den starken Aufsteiger aus Berlin. „Ich glaube, auch die Art und Weise, wie der Sieg zustandekam, war überzeugend. Das müssen wir jetzt mit in die Vorbereitung nehmen.“

Positiv nach vorn zu blicken, ohne dabei in Euphorie zu verfallen – das hat Hennings immer schon ausgezeichnet. Ein Verdienst seiner norddeutschen Gene wahrscheinlich. Deshalb lässt er sich auch vom „Dreier“ im letzten Spiel des Jahres nicht blenden. „Wir hätten es früher klarmachen können gegen Union, aber wir waren manches Mal zu überhastet, haben es vielleicht zu sehr erzwingen wollen“, analysiert er nüchtern. Doch so sehr, wie er die starke erste Hälfte Fortunas relativiert, tut er es auch mit der hektischeren zweiten: „Union hat nach der Pause einiges umgestellt, da mussten wir uns erst hineinfuchsen. Wichtig war, dass wir dann kein zweites Tor kassiert, sondern weiter den Weg nach vorn gesucht haben.“

15 Punkte nach der Hinrunde, Relegationsplatz 16. Eine Traumbilanz ist das nicht für Fortuna, allerdings auch keine, die in einem Routinier wie Hennings tiefe Sorgen auslösen könnte. „Es hätte schon der eine oder andere Punkt mehr sein können. Das müssen wir in der Rückrunde besser machen, das Glück mehr erzwingen.“ Und dass dafür Friedhelm Funkel der richtige Trainer ist, steht für den Stürmer außer Frage: „Alle im Verein wissen, was er kann. Er kennt den Verein und den Fußball in- und auswendig, und ich glaube, dass er einfach hierhin passt.“

Mannschaft und Chefcoach werden weiter zusammenarbeiten, mit dem gemeinsamen Ziel, auch das schwierige zweite Jahr nach dem Aufstieg zu überstehen. Und wenn es dann noch zum Erreichen eines ganz persönlichen Ziels reicht, hätte Hennings nichts dagegen: zum zweiten Mal in einem Jahr das „Tor des Monats“ erzielt zu haben. „Ich habe nicht jedes Spiel und jedes Tor gesehen und weiß gar nicht, wie da die Konkurrenz ist, ob mein Tor da reinkommt in die Auswahl“, sagt er über sein 1:0 vom Sonntag bescheiden. „Aber es war schon ein sehr schöner Treffer. Und das mit meinem schwächeren rechten Fuß – aber ich weiß nicht, ob das in die Bewertung mit einfließt.“ Es war sogar sein erster Saisontreffer mit rechts, aber diese Fokussierung auf den starken Linken hat Hennings ebenfalls mit Klaus Allofs gemeinsam.