Fortuna Düsseldorf - Röttgermann-Interview: „Irgendjemand will Fortuna schaden“

Vorstand verteidigt sich im Interview : „Irgendjemand will Fortuna schaden“

Thomas Röttgermann, Lutz Pfannenstiel und Christian Koke präsentieren sich demonstrativ als Einheit. Sie wollen die Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Schönfärberei entkräften.

Sonntagvormittag, durch das Fenster im Showroom der Düsseldorfer Arena ist zu sehen, wie die Spätsommer-Sonne den Rasen in hellem Grün erstrahlen lässt. An einem gedeckten Tisch sitzen Fortunas Vorstands-Vorsitzender Thomas Röttgermann, Sportvorstand Lutz Pfannenstiel und Marketingvorstand Christian Koke. Ihre Gemütslage ist weniger sonnig. Das Führungstrio will eine Botschaft senden: Wir, die oberste operative Einheit des Düsseldorfer Bundesliga-Klubs, stehen zusammen und lassen uns auch in schwierigen Zeiten nicht auseinander dividieren. „Der Kampfgeist in mir ist geweckt“, sagt Röttgermann, der durch zwei Artikel im „Handelsblatt“ und im „Spiegel“ ins Zwielicht gerückt wurde. Vetternwirtschaft und Schönfärberei lauten die zentralen Vorwürfe.

Herr Röttgermann, was sind Ihre neuesten Erkenntnisse?

Thomas Röttgermann Ich sehe immer klarer, was gerade passiert. Deshalb sitzt der komplette Fortuna-Vorstand hier, um Klartext zu reden.

Bitteschön.

Röttgermann Sowohl im Handelsblatt-Artikel als auch im Spiegel-Artikel geht es um Einzelthemen, über die man sicher reden kann, die aber immer in einen größeren Kontext gestellt werden. Es gibt Büchsenspanner, Menschen, die im Gebüsch sitzen, größere Ziele verfolgen und damit Fortuna schaden wollen. Es wird durch Instrumentalisierung ein Bild gezeichnet, das so nicht stimmt. Zum Beispiel: Wenn über Felix Welling geschrieben wird, wird von Vetternwirtschaft gesprochen. Die Wahrheit ist: Wenn Trainer den Arbeitgeber wechseln, nehmen sie Co-Trainer mit, Vorstände nehmen Referenten mit, Chefärzte nehmen Oberärzte mit. Das ist also eigentlich keine Neuigkeit. Doch es wird in einen Gesamtkontext gestellt, um die Fortuna zu erschüttern. Diesen Fokus können wir nicht hinnehmen. Das akzeptieren wir als Fortuna nicht.

Werden Sie juristisch gegen den Spiegel vorgehen?

Röttgermann Das ist eine Frage der presse-rechtlichen Beurteilung. Es ist Rufschädigung, gegen die man juristisch nur schwer vorgehen kann.

Sie haben versucht, den Vorwurf der Vetternwirtschaft zu entkräften, indem Sie erklärt haben, dass Felix Welling ein hochqualifizierter Mann ist. Reicht das?

Röttgermann Felix Welling ist ja nicht arbeitslos gewesen. Er hatte es nicht nötig, dass ich ihm einen Job zuschustere. Sondern ich habe durch mein Netzwerk einen Mann zu uns geholt, der mir vertraut, dass Fortuna ein toller Verein mit vielen spannenden Herausfoderungen und Projekten ist. Ich habe ihn überzeugt, seinen sehr guten Arbeitsvertrag zu kündigen, um zu uns zu kommen. Vetternwirtschaft ist, wenn man einem Bekannten einen Job zuschustert, obwohl er gar nicht die Qualifikationen dafür hat. Aber es ist doch absurd, zu verlangen, dass ich eine hochqualifizierte Person nicht einstellen darf, weil ich sie kenne.

Aber können Sie nicht verstehen, dass gerade der Zusammenhang mit der Arbeit an ihrer App-Idee „MySport“ ein Geschmäckle transportiert?

Röttgermann Dieses Geschmäckle kann man sehen wollen. Aber wenn man meine Argumentation zu Ende denkt, ist doch klar, dass ich ihn - vor meiner Tätigkeit bei Fortuna - bei dieser App-Idee dabei haben wollte, weil ich eben weiß, was er kann. Er ist fachlich exzellent und ich kann ihm vertrauen. Wenn man es zuspitzen möchte: Die Arbeit an der App hat mich im Nachhinein darin bekräftigt, Felix Welling zur Fortuna holen zu wollen. Das Geschmäckle dürfte aber eigentlich nur entstehen, wenn ich eine völlig unqualifizierte Person geholt hätte, um sie zu protegieren. Das ist aber keineswegs der Fall.

Warum haben Sie den Aufsichtsrat über den Vertragsabschluss mit Welling nicht informiert?

Röttgermann Ich bin davon überzeugt, dass Transparenz in Richtung des Aufsichtsrates wichtig ist, um bei der Fortuna erfolgreich zu arbeiten. Und in diesem Fall ist die Information zu spät erfolgt, keine Frage. Aber das ändert nichts an der Richtigkeit dieser Entscheidung.

Das Problem ist die Außenwirkung. Sie wissen, dass er qualifiziert ist. Alle anderen nicht. Fortuna gilt in dieser Hinsicht als gebrandmarkt. Ihrem Vorgänger Robert Schäfer wurde vorgeworfen, durch das Einstellen ihm bekannter Personen eine Hausmacht aufbauen zu wollen. Bei Ihnen wirkt das nun auf den ersten Blick ähnlich.

Röttgermann Wenn es mein Bestreben wäre, eine Hausmacht aufzubauen, würde ich Ihnen völlig Recht geben. Das ist es aber nicht. Das muss man mir auch bitte abnehmen. Die Motivation und die Vorgehensweisen, die ein Robert Schäfer hatte, sind nicht unbedingt auch die meinen. Ich habe auch schon bewiesen, dass ich ganz anders ticke und an viele Dinge ganz anders herangehe. Ich arbeite nicht über Taktik und Hausmacht. Ich arbeite über Argumente, Kommunikation und Qualität. Dazu brauche ich entsprechende Mitarbeiter. Ich werde hier nicht zehn Prozent der Mitarbeiter durch bekannte Leute ersetzen. Wir reden hier über zwei Mitarbeiter von 80 – und zwar über Leute, die in meinem engsten Umfeld arbeiten. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Mein Umgang mit der App-Idee war nicht optimal. Das räume ich ein. Und das ist ein Ansatz, um weitere Fragen zu stellen. Alles okay soweit. Aber man kann nicht mein gesamtes Handeln jetzt unter diese Überschrift stellen.

Bei der App und Welling räumen Sie also Fehler ein. Sie wurden auch zur Fortuna geholt, um nach Robert Schäfer Ruhe in den Klub zu bringen. Wie würden Sie das bisher bewerten?

Röttgermann Es kann durchaus sein, dass ich auch geholt wurde, um Ruhe in den Verein reinzubringen. Meine Motivation ist aber, Fortuna nach vorne zu bringen, ohne Unruhe zu schaffen. Unruhe ist zwar jetzt da, aber sie ist von außen gezielt gesteuert worden. Ich werde auch weiterhin Themen setzen, die beim Aufsichtsrat Fragen aufwerfen werden. Das muss auch so sein, um den Verein nach vorne zu bringen. Wir müssen immer wieder Dinge ändern und dabei alle im Verein intellektuell herausfordern.

Haben Sie es denn durch ihre Fehler ihren Gegnern zu einfach gemacht?

Röttgermann Nein. Ich gehe auch ganz sicher jetzt nicht in Sack und Asche. Ich bin ein Mensch mit einer ganz normalen Fehlerquote. Dazu stehe ich. Das ist aber nicht der Punkt. Denn die einzelnen Themen haben keine echte Substanz und Relevanz. Selbst in der Ballung ist das nicht der Fall. Die Brisanz liegt in der Nutzung dieser Themen für ein übergeordnetes Interesse. Es wird im Detail gebohrt, obwohl es nur kleine Mosaiksteine sind. Dabei ist das Gesamtbild, dass daraus gemacht wird, das Problem.

Wenn die Unruhe gesteuert gewesen sein soll: Wer will Ihnen denn schaden?

Röttgermann Ich glaube nicht, dass man mir schaden möchte. Ich bin nur der Ansatzpunkt, um Ziele zu erreichen. Ich weiß nicht, wer es ist. Es sind Kreise um Fortuna herum, die vielleicht eine andere Vorstellung davon haben, wie Fortuna geführt werden soll. Da ist jemand an Informationen gekommen und hat offensichtlich gedacht: Das reicht, um die oder die handelnde Person nachhaltig zu beschädigen. Ich habe den Verdacht, daraufhin wurde es zu einer journalistischen Auftragsarbeit.

Die vertraulichen Informationen sind aus Ihrem E-Mail-Postfach. Das klingt nicht nach Kreisen rund um Fortuna...

Röttgermann Ich vermute, es sind Kreise um Fortuna, die Drähte in die Geschäftsstelle haben.

Existiert der E-Mail-Verkehr zwischen Ihnen und Felix Welling, in dem es um das Vertragsangebot geht?

Röttgermann Ja, der existiert.

Das sind persönliche Mails ohne einen großen Verteiler. Wie dringen solche Mails nach außen?

Röttgermann Wir sind dabei, das zu ermitteln. Es kann sein, dass wir gehacked wurden. Es kann sein, dass jemand die E-Mails abfotografiert hat. Oder jemand hat meinen E-Mail-Zugang benutzt. Wir wissen es noch nicht.

Wer hat Zugang zu Ihren E-Mails?

Röttgermann Wenn Sie 50.000 Euro in die Hand nehmen würden, um einen Hacker anzustellen, können auch Sie bestimmt einen Zugang bekommen. Wir wissen nicht, was passiert ist und überlegen nun, wer davon denn einen Nutzen hätte. Wir werden alles technisch und juristisch aufarbeiten. Es braucht sich keiner Sorgen machen, dass hier irgendetwas unter den Teppich gekehrt wird.

Gilt der skizzierte Angriff eher Reinhold Ernst und dem Aufsichtsrat?

Röttgermann Getroffen ist der Verein im Ganzen. Gemeint ist die Führung im Verein. Jemand oder eine Gruppe haben offensichtlich eine andere Vorstellung, wie der Verein zu führen ist. Es ist eine paradoxe Situation: Fortuna lässt niemanden in Düsseldorf kalt. Deshalb gibt es eine Reihe von Gruppen, die sich involvieren wollen, weil ihnen der Verein am Herzen hängt. Das ist toll. Jede Gruppe kennt irgendjemanden im Verein und hat somit einen Zugang. Daraus entstehen Aktivitäten, was auch okay ist. Aber jetzt werden Grenzen überschritten. Es geht ja in Wahrheit zum Beispiel nicht um den Transfer von Benito Raman an sich. Sondern der Sachverhalt wird instrumentalisiert und als Munition benutzt, um ein Ziel zu erreichen. Diese Verknüpfung muss man benennen.

Es gibt in Traditionsvereinen wie Fortuna viele politische Strömungen in und um den Verein. Wie komplex macht das Ihre Arbeit?

Röttgermann Wenn wir als Vorstand die Entscheidungen so wählen, dass wir möglichst wenigen Gruppen weh tun – was ja in der politischen Denkweise eine logische Konsequenz wäre, dann würden wir auf einem kleinen Nenner arbeiten. Es muss umgekehrt sein. Wir müssen als vom Aufsichtsrat bestelltes Gremium überlegt arbeiten. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um Ziele und Zwischenziele zu erreichen. Und dann kann es auch mal passieren, dass man Gruppen auch einmal wehtut, die Widerstand erzeugen. Aber danach kann ich doch nicht – wenn ich die Interessen der Fortuna im Blick habe - meine Entscheidungen ausrichten. Und genau deshalb ist so ein Verein auch permanent in Unruhe. Das ist normal, man muss es nur richtig kanalisieren. Aber jetzt sind wir an einem Punkt, an dem Grenzen überschritten werden.

Herr Pfannenstiel, wird Fortuna eher sechs oder eher 13 Millionen Euro von Schalke 04 für Benito Raman bekommen?

Lutz Pfannenstiel Es ist branchenüblich, dass es eine Garantiesumme gibt, zu der Bonuszahlungen und eine Beteiligung am Weiterkauf kommen. Wir haben immer von einem Gesamtpaket gesprochen, in dem auch das Leihgeschäft mit Kaufoption von Bernard Tekpetey eine Rolle spielt. Die Darstellung im Spiegel ist also falsch..

Die fixe Ablöse ist also nicht 6,5 Millionen Euro?

Röttgermann Es gibt garantierte Bonuszahlungen, woraufhin die Summe in einen zweistelligen Millionenbereich steigen wird.

Pfannenstiel Man kann es drehen und wenden wie man will: Der gesamte Transfer hat ein garantiertes Volumen im unteren zweistelligen Millionenbereich. Das wird auch Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider bestätigen.

Herr Koke, gab es mit Direktor Alexander Steinforth keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit? Konnten Sie einfach nicht miteinander?

Koke So will ich das nicht stehen lassen. Wir haben professionell miteinander gearbeitet. Im Vorstand haben wir dann besprochen, wie es weitergehen soll und festgestellt, dass Alexander Steinforth und wir unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, wie der Weg der Fortuna aussehen könnte.

Röttgermann Es gab bekannterweise die Vorgeschichte, dass Alexander Steinforth auch für den Vorstandsposten im Gespräch war. So etwas bleibt nicht ohne Folgen. Ich habe das gespürt. Es war am Ende schwer, eine gemeinsame Zielsetzung mit Alexander Steinforth zu finden – und vor allem seine Rolle dabei. Daraufhin wurde das Vertrauensverhältnis brüchig.

Gehört er zu dem Kreis der Menschen, bei dem Sie sich vorstellen können, dass er Ihnen schaden möchte?

Röttgermann Ich kann diesen Kreis nicht benennen.

Gehört Robert Schäfer dazu?

Röttgermann Dafür habe ich keinen Beleg.

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