Fortuna Düsseldorf: Robert Schäfer im Interview

Interview mit Fortuna-Boss Schäfer : "Sponsorensuche ist schon sehr konkret"

Fortunas Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer (40) spricht im Interview mit unserer Redaktion über die aktuelle sportliche Krise, die Gespräche mit einem neuen Trikotsponsor und die Vertragsverlängerung mit Vizekapitän Adam Bodzek.

Robert Schäfer hat seit seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender Fortunas schon viele kritische Situationen überstehen müssen. Die aktuelle Lage mit neun Spielen ohne Sieg nimmt er zwar ernst — Sorgen macht er sich jedoch nicht.

Platz zwölf mit fallender Tendenz, nur ein Treffer in 743 Spielminuten und seit November kein Pflichtspielsieg. Wie beurteilen Sie die Lage?

Robert Schäfer Ganz klar gesagt: Wir sind natürlich nicht zufrieden mit der bisherigen Rückrunde. Wir haben eine gute Hinserie gespielt, und das sehe ich auch für die letzten Spiele im Dezember so. Die Mannschaft muss sich aber bewusst sein, dass es jetzt an der Zeit ist, ihr Potential wieder voll abzurufen.

Die jüngsten Partien wecken aber nicht unbedingt Zuversicht.

Schäfer Das Rezept ist relativ einfach: Die Mannschaft muss im Training noch konzentrierter arbeiten, es muss noch mehr Wille und Aggressivität in unser Spiel. Gerade in der Offensive. Das muss in jedem Training erarbeitet werden, und nur so kommen wir wieder zurück in die Spur.

Ist Ihnen bewusst, dass viele Fans Angst haben, dass die Saison ein ähnlich böses Ende nimmt wie die Abstiegssaison 2012/13?

Schäfer Das ist uns bewusst, und wir nehmen diese Sorgen sehr ernst. Allerdings gibt es einen Riesenunterschied zu damals: Wir sehen die negative Entwicklung und wir handeln aktiv dagegen, bevor unser Saisonziel in Gefahr gerät.

Wie sieht dieses Handeln aus?

Schäfer Wir haben in Friedhelm Funkel und Peter Hermann ein erfahrenes Trainerteam, das solche Situationen schon oft gemeistert hat. Diese beiden, aber auch der übrige sportliche Bereich mit Sportvorstand Erich Rutemöller an der Spitze, sie alle wirken intensiv auf die Mannschaft ein und ergreifen die richtigen Maßnahmen.

In der Öffentlichkeit stellt sich Funkel aber sehr vor die Mannschaft.

Schäfer Das ist öffentlich ja auch richtig so. Intern gibt es eine klare Ansprache. Fortuna ist nicht paralysiert, Fortuna handelt. Ich bin absolut überzeugt, dass wir unser Saisonziel erreichen.

Aber wie sieht es darüber hinaus aus? Kann Fortuna Spieler wie Kaan Ayhan und Marcel Sobottka halten?

Schäfer Wir werden alles einsetzen, um sie zu halten. Natürlich gibt es Dinge im Fußball, die wir nicht in der Hand haben. Aber Kaan und Marcel haben sich bei Fortuna und durch Fortuna entwickelt, und wir zeigen beiden auf, dass es für ihre Entwicklung gut wäre, noch eine Weile bei uns zu bleiben.

Und wenn das nicht gelingt?

Schäfer Dann wird unser bestens aufgestelltes Scouting-Team den nächsten Leistungsträger finden. Niemand muss sich sorgen, dass wir dann wieder bei Null anfangen, schließlich haben wir im Winter ja in Gökhan Gül und André Hoffmann schon zwei Spieler für die Zukunft geholt.

Stimmt es, dass Schalke den Löwenanteil der Ablöse bekäme, falls Ayhan und Sobottka gehen?

Schäfer Nein. Es gibt zwar gewisse Vertragskonstruktionen, aber Schalke bekäme nicht den Löwenanteil. Wir wollen, wie gesagt, beide Spieler halten.

Wie steht es bei Rouwen Hennings?

Schäfer Wir müssen zunächst abwarten, wie sich die Tabellensituation des FC Burnley, der ihn an uns ausgeliehen hat, in der Premier League entwickelt. Wenn beide Vereine klarer sehen, wie ihre Lage ist, wird Hennings einer der Ersten sein, mit dem wir sprechen. Unser erster Fokus ist, unser Saisonziel zu erreichen, der zweite, unsere eigenen Leute zu halten.

Wie Adam Bodzek?

Schäfer Wie Adam Bodzek. Ich habe ihm telefonisch mitgeteilt, dass die automatische Verlängerung seines Vertrages vorzeitig in Kraft tritt. Wegen des Mittelhandbruchs, den er sich in Fürth zugezogen hat, kann er vorerst nicht die dafür erforderliche Zahl an Pflichtspieleinsätzen erreichen. Aber Adam ist ein Vollprofi, der in jedem Spiel alles für Fortuna raushaut. Deshalb wollten wir hier ein Zeichen setzen.

Wie lang ist die neue Laufzeit?

Schäfer Darüber werden wir in Ruhe mit Adam und seinem Berater sprechen.

Wie steht es um die Baustelle Trikotsponsor?

Schäfer Ich habe bei meinem früheren Klubs schon einige Male einen neuen Trikotsponsor suchen müssen, aber zu einem so frühen Zeitpunkt waren die Gespräche noch selten so konkret wie jetzt.

Dann verraten Sie uns doch am besten gleich, wer es ist!

Schäfer Nein, das werde ich natürlich nicht, weil noch nichts unterschrieben ist. Aber es ist ja, wie gesagt, auch noch sehr früh. Unsere Partnerschaft mit Otelo läuft noch bis Juni, und wir leben sie bis dahin auch. Gleichwohl sind die Gespräche mit einem Unternehmen schon jetzt sehr konkret, zwei weitere sind angebahnt.

Behindert die aktuelle sportliche Krise die Gespräche?

Schäfer Nein. Für unsere potentiellen Partner ist der gesamte Weg des Vereins wichtiger als der aktuelle Tabellenplatz. Ein Unternehmen fragt schließlich: Wo wollt ihr hin und wie wollt ihr das erreichen? Wir können dann aufzeigen, dass wir als Verein unseren Weg im Rahmen unserer geplanten Entwicklung gehen.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die sinkenden Zuschauerzahlen bei den Heimspielen?

Schäfer Wenn wir sportlich wieder erfolgreich sind, wird sich das auch in den Zahlen widerspiegeln. Wie schnell das allerdings passieren wird, weiß ich nicht.

Gehen Sie auch in diesem Fall aktiv gegen den Trend an?

Schäfer Ja, das tun wir. Mit verschiedenen Aktionen, zum Beispiel einem After-Work-Special, mit dem wir Unternehmen für ihre Mitarbeiter besondere Konditionen für den Besuch des Montagspiels gegen Braunschweig anbieten. Oder mit unserem neuen Fanshop an der Arena, der bei jedem Heimspiel öffnet. Wegen ihm hatten wir gegen Heidenheim den zweitbesten Spieltags-Umsatz dieser Saison, obwohl nur 20.178 Zuschauer da waren.

Zum Abschluss noch einmal zurück zur sportlichen Lage. Verlässt Fortuna ihren Weg, weil der eigene Nachwuchs selten zum Einsatz kommt?

Schäfer Nein, das Gegenteil ist der Fall. Friedhelm Funkel und Peter Hermann fördern die Talente, aber sie wissen auch, dass es nichts bringt, sie zu verheizen. Wir alle müssen Geduld haben, unser Trainerteam hat sie.

Und Fortuna bleibt in der Liga?

Schäfer Wie gesagt, unser Saisonziel war immer, nichts mit dem Abstieg zu tun zu bekommen. Das werden wir schaffen. Ich weiß, dass der sportliche Bereich die Situation voll im Griff hat. Die klare Botschaft ist: Die Konstellation ist völlig anders als 2012/13. Unsere Mannschaft hat viel Potential, das hat sie bewiesen und sie wird es wieder abrufen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fortuna stellt Robert Schäfer vor

(jol)