Fortuna Düsseldorf: Profis gehen mit sich hart ins Gericht

Nach Niederlage in Bremen: Fortunas Profis gehen mit sich hart ins Gericht

Kapitän Oliver Fink kritisierte die Leistung seines Teams nach der 1:3-Niederlage bei Werder Bremen. Mit krassen Abwehrfehlern steht sich der Aufsteiger selbst im Weg. Trainer Friedhelm Funkel kritisiert das Verhalten von Dodi Lukebakio.

Rouwen Hennings wirkt so, als habe ihn jemand unter eine Eisdusche geschubst. De facto ist es ja auch fast so, hat der Fortuna-Stürmer doch zuvor wie seine Kollegen ein Fußballspiel im klassisch-hanseatischen Dauerregen gewürzt mit frischer Weserbrise absolvieren müssen. Doch die äußeren Bedingungen haben weniger mit Hennings‘ Stimmungslage zu tun. Es ist die Partie beim SV Werder Bremen, die ihm das Wochenende gründlich verdorben hat. „Das letzte Spiel gegen Mainz hätten wir gewinnen müssen“, sagt der 31-Jährige. „Diesmal war es zu deutlich, als dass wir sagen dürften: Hier wäre mehr drin gewesen.“

Der Frust über die 1:3-Niederlage im Weserstadion saß tief (Hier geht’s zum Spielbericht). Nicht allein des Ergebnisses wegen, das Fortuna zumindest für eine weitere Woche auf dem letzten Tabellenplatz festnagelt. Mehr noch gingen die Profis mit ihrer eigenen Leistung ins Gericht. „Wir haben vollkommen verdient verloren und von vorn bis hinten ein schlechtes Spiel abgeliefert“, stellte Kapitän Oliver Fink fest. „Wir sollten es ganz schnell abhaken und einfach nur festhalten, dass wir eine rundum schlechte Leistung gezeigt haben.“

Harte Worte, fast ein wenig zu hart sogar. Denn es gab eine Phase, in der das Spiel auf der Kippe stand. Nachdem Dodi Lukebakio kurz vor der Pause einen berechtigten Handelfmeter zum zu diesem Zeitpunkt äußerst glücklichen 1:1 verwandelt hatte, wirkten die Bremer angeschlagen, fanden nicht gut in die zweite Hälfte hinein – was Lukebakio und Hennings bei drei guten Konterchancen beinahe zu weiteren Treffern genutzt hätten. Doch das blieb letztlich nur eine Fußnote, da Fortuna mit haarsträubendem Defensivverhalten dem Ex-Düsseldorfer Martin Harnik und Joshua Sargent das 2:1 und 3:1 ermöglichte, ja geradezu auflegte.

„Wir schenken uns die Dinger selbst ein“, kommentierte Linksverteidiger Niko Gießelmann kopfschüttelnd, und Hennings ergänzte: „Wir haben beide Tore nach Flanken kassiert, wie sie in jedem Spiel tausendmal vorkommen. Sicher ist die Zuteilung manchmal schwer, wenn es schnell geht – aber wir kriegen ja die Abpraller nicht.“ Und das sah dann unterm Strich schlichtweg bedenklich aus, weil es bei so manchem Betrachter Zweifel an Fortunas Bundesligatauglichkeit aufkommen ließ. Zweimal wehrte Torhüter Michael Rensing den Ball ab, zweimal war niemand zur Stelle, um den Nachschuss zu verhindern. Nur beim zweiten Mal agierte Rensing dabei selbst unglücklich, ansonsten zählte der Keeper wie gewohnt zu den Besten seines Teams. „Wir dürfen Michael da einfach nicht so allein lassen“, erklärte auch Innenverteidiger Marcin Kaminski selbstkritisch.

Trainer Friedhelm Funkel urteilte weniger hart über seine Schützlinge als diese selbst, lobte sie sogar für die tatsächlich recht gut gelungene Umstellung von Vierer- auf Fünferkette, was nach der Pause die zuvor krasse Bremer Überlegenheit stark abmilderte.

Die Gegentore verärgerten aber auch den Coach: „Beim dritten Tor ist der Ball gefühlt eine halbe Stunde in der Luft. Da müssen wir energischer reagieren, auch mal gnadenlos und brutal sein, natürlich ohne jemanden zu verletzen. Aber wir sind einfach zu brav.“ Ein Urteil, was er über Lukebakio freilich so nicht fällen wollte – im Gegenteil. „Wir werden ernste Worte mit ihm reden“, sagte Funkel, der am Montag 65 Jahre alt wird, mit Blick auf einige theatralische Einlagen des Belgiers, der unter anderem nach seinem 1:1 den Ball nicht herausrücken wollte und dafür Gelb kassierte. „So was hat nichts mit Fußball zu tun, das provoziert Gegner und Zuschauer. Da muss sich Dodi einfach anders verhalten.“ Besseren Fußball hätte der Angreifer übrigens getrost auch spielen dürfen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Werder Bremen - Fortuna: die Fortunen in der Einzelkritik

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