Fortuna Düsseldorf: Oliver Fink ist der Mann des Jahrzehnts

Der ewige Oliver Fink : Fortunas Mann des Jahrzehnts

Oliver Fink trug im Januar 2010 das Fortuna-Trikot und im Dezember 2019. Dazwischen liegt ein Jahrzehnt, in dem der Oberpfälzer zum Düsseldorfer Kapitän aufstieg.

Oliver Fink pustet Luft durch die zusammengepressten Lippen. „Puh“, sagt er. „Ich habe so oft in Paderborn gespielt wie in kaum einer anderen Stadt.“ Erinnern kann er sich nicht mehr an den 15. Januar 2010. Es ist der Tag, an dem Fortuna ihr erstes Spiel im aktuellen Jahrzehnt bestreitet. Die Teams trennen sich mit 1:1, und Fink wird bereits in der Halbzeit ausgewechselt. „Ja“, sagt Fink. „Bei Norbert Meier konnte das schon mal passieren, wenn man schlecht gespielt hat.“ So viele schlechte Spiele hat Fink dann aber wohl nicht mehr gemacht. Denn anders ist nicht zu erklären, dass er auch knapp zehn Jahre später noch in Fortunas Startelf in der Bundesliga steht. „Grundsätzlich hätte es für mich nicht besser laufen können“, betont der 37-Jährige, der zweifelsohne als Fortunas Mann des Jahrzehnts bezeichnet werden kann.

Für Fink war der Wechsel nach Düsseldorf ein großer Schritt aus seiner Komfortzone, aus Bayern ins Rheinland. „Ich bin sehr heimatverbunden. Aber mir ist es durch viele neue Freunde hier oben gelungen, die Verbindung etwas zu lösen“, sagt er heute. „Ich habe die Menschen und die Stadt lieben gelernt.“

Fink ist mit Fortuna gewachsen, und Fortuna ist mit Fink gewachsen. „Als Wolf Werner mich damals anrief, war das natürlich nicht abzusehen. Man weiß ja nie, wie es im Fußball läuft. Aber das war eine goldrichtige Entscheidung“, sagt Fink. 269 Mal stand der gebürtige Oberpfälzer bisher mit dem F95-Logo auf der Brust in erster und zweiter Liga sowie im Pokal auf dem Platz. Er hat zwei Aufstiege in die Bundesliga, einen Abstieg und den Beinahe-Absturz in die Dritte Liga mitgemacht. „Viel geändert hat sich für mich über die Jahre aber eigentlich nicht“, erklärt Fink. „Ich habe immer noch den gleichen Spaß an der Sache. Ich gehe immer noch mit einem Lachen in die Kabine, flachse mit den Physios und den Zeugwarten. Es ist ist einfach ein Privileg, diese Arbeit ausüben zu dürfen.“

Wer mit Oliver Fink ins Gespräch kommt, merkt, dass er diese Worte nicht nur spricht, sondern danach lebt. Er gehört zu der Kategorie Profifußballer, die sich durch den Rummel um ihren Beruf nicht verrückt machen lassen, die reflektiert durchs Leben gehen und sich ihre Bescheidenheit und Höflichkeit bewahren konnten. Fink wollte nie im Mittelpunkt stehen. „Ich trage jetzt mehr Verantwortung, als ich das von meiner Person erwartet habe“, sagt der Kapitän. Womöglich ist er genau deshalb die wichtigste Bezugsperson von Friedhelm Funkel, weil er mit dem Trainer eines gemein hat: Beide haben sich durch das Fußballgeschäft nicht groß verändert.

Fink ist einer, der gerne zuschaut und lernt, und nicht der Arroganz unterliegt, Jüngeren nur etwas beibringen zu wollen, anstatt auch von ihnen zu lernen. „Was das Kapitänsamt angeht habe ich mir einiges bei Lumpi abgeschaut – aber auch eigene Vorstellungen eingebracht“, sagt Fink.

Wenn Fink Fortuna und die Bedeutung dieses Klubs beschreiben soll, fällt ihm das nicht leicht. „Eigentlich ist es banal: Fortuna ist etwas Spezielles“, sagt Fink. „Man kann es aber nicht auf eine kleine Sache herunterbrechen. Fortuna sind die Mitspieler, die Mitarbeiter, die Stadt, die Fankultur. Es ist etwas Besonderes, was es nur einmal so gibt.“

Auch wegen solcher Aussagen ergreifen die Fans immer wieder Partei für ihren dienstältesten Spieler. Als es vor Jahren zweifelhaft erschien, ob der Verein an Fink festhalten würde, hing über Wochen ein Banner in der Kurve. Aufschrift: „Fink muss bleiben.“ Es half. Auch im vergangenen Jahr half es wieder. Sein Vertrag läuft nun wieder aus. „Ich habe mich schon gefragt: Bist du zu alt? Willst du das noch mitmachen?“, gibt Fink Einblicke in seine Gedanken und liefert die Antwort gleich mit: „Ja, es ist das, wofür ich jeden Tag Opfer bringen kann.“