Fortuna Düsseldorf nutzt die Chancen nicht - Benito Raman ist das Symbol der Harmlosigkeit

Fortuna nutzt die Chancen nicht: Raman ist das Symbol der Harmlosigkeit

Fortuna arbeitet Fußball, vergisst aber das Toreschießen. Benito Ramans Chance gegen Schalke ist das beste Beispiel. Eine Analyse.

Erich Rutemöller schlenderte im Bauch der Arena unruhig umher, fand keine Ruhe. „Ich bin innerlich geladen“, sagte Fortunas Sportvorstand nach dem 0:2 gegen den FC Schalke 04. „Dass wir uns einfach nicht für unseren Aufwand belohnen, ärgert mich.“ Die dritte Niederlage in der Fußball-Bundesliga in Serie machten die meisten Beobachter an einer Szene fest, die sich bereits nach vier Spielminuten ereignete: Benito Raman tauchte allein vor Torhüter Ralf Fährmann auf, verpasste es aber, dem Spiel durch einen Führungstreffer eine völlig andere Dynamik zu verpassen. „Ich bin aufgesprungen und habe laut geflucht“, sagte Rutemöller. „Ich hatte natürlich auch unser 1:2 gegen Leverkusen direkt im Kopf.“

Die düstere Vorahnung sollte genau so eintreffen. Wieder nutzten die Düsseldorfer die Schwächeperiode des Gegners nicht aus, leisteten sich erneut nach Wiederanpfiff eine kopflose Phase und verloren dadurch das Spiel. Raman fasste das dann so zusammen: „Das ist eben erste Liga. Wenn du selbst nicht triffst, treffen die anderen.“ Der Belgier versuchte erst gar nicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Ich kann das besser, das weiß ich“, sagte Raman. „Ich habe den Torhüter gesehen und wollte ihn eigentlich überlupfen, dann bleibt er plötzlich stehen. Davon war ich überrascht. Ich hatte dann zwei Optionen: An ihm vorbeigehen oder schießen. Ich habe mich entschieden und daneben geschossen. Ich glaube nicht, dass ich heute schlafen kann. Wenn, dann erst sehr spät. Vorher werde ich mir die Szene noch einige Male angucken, um es beim nächsten Mal besser zu machen.“

Nach Ansicht der Bilder wird auch der 23-Jährige zum Schluss gekommen sein, dass die Option, mit vollem Tempo an Fährmann vorbeizulaufen wohl die bessere gewesen wäre. So sah es auch der Sportvorstand. „Da muss man auch mal ein Eins-gegen-eins gegen den Torwart nehmen. Dann haut der dich um, dann gibt es Elfmeter und Rote Karte“, sagte Rutemöller, nahm Raman dann zwar in Schutz, betonte aber auch: „Wenn man solche Chancen nicht nutzt, hat das am Ende immer mit Qualität zu tun. Das ist doch klar.“

Ramans Mitspieler beschrieben unisono, wie der flinke Stürmer ähnliche Situationen im Training eiskalt ausnutzt. Bereits gegen Leverkusen hatte Raman gute Gelegenheiten ausgelassen – eine so große freilich aber noch nicht. „Im vergangenen Jahr habe ich auch ein paar Chancen vergeigt“, sagte Raman. „Als ich dann ein, zwei Tore gemacht habe, ging es besser. Ich muss einfach locker bleiben. Ich arbeite hart für das Team, die Tore werden kommen. Da habe ich keine Angst.“

Am Ende der Aufstiegssaison standen in 28 Einsätzen in der zweiten Liga zehn Treffer und drei Vorlagen zu Buche. Und nach seinem Tor zum 1:0 gegen Augsburg am ersten Spieltag sah es so aus, als ginge es nahtlos weiter. Doch nun gilt er als Symbol, das für die aktuelle Fortuna-Form steht: lauffreudig, kampfstark, harmlos.

„Wenn man die sieben Spiele analysiert, ist es einfach: Wir haben sechs gute Spiele gemacht, nur ein schlechtes in Nürnberg. Aber: Wir haben nur fünf Punkte“, sagte Raman, wohlwissend, dass ein Abstiegskandidat, der seine guten Spiele nicht zu Punkten bringt, in der Regel auch in schlechteren Partien nichts Zählbares mitnimmt. Bei aller Enttäuschung gab sich Raman aber auch kämpferisch: „Jeder wusste vor der Saison, dass wir einer der ersten beiden Abstiegskandidaten sind. Wir haben allen gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Jetzt müssen wir einfach auch Spiele gewinnen.“

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