Fortuna Düsseldorf nach 0:0 beim VfB Stuttgart zwischen Freude und leiser Enttäuschung

Nach 0:0 in Stuttgart : Fortuna zwischen Freude und leiser Enttäuschung

Das 0:0 beim VfB Stuttgart lässt viele im Tross des Bundesliga-Aufsteigers etwas ratlos zurück. Die Leistung passt, vor allem in der äußerst stabilen Defensive. Vorn jedoch lassen die Düsseldorfer eine Reihe hochkarätiger Chancen aus.

Am Ende wusste niemand, ob er sich jetzt freuen oder ärgern sollte. „Und das ist doch schon mal ein gutes Zeichen“, sagte Fortunas Sportvorstand Erich Rutemöller nach dem 0:0 am Freitagabend beim VfB Stuttgart. Trainer Friedhelm Funkel ergänzte im passenden Tenor: „Ich hab‘ auch erst mal überlegen müssen und mir dann gesagt: Lasst uns einfach zufrieden sein, am Ende ist jeder Punkt wichtig. Was mir besonders wichtig war, ist die Leistung der Mannschaft.“ Und an der gab es nun wirklich nicht viel auszusetzen - außer, dass Fortuna es verpasste, ihre ausgezeichneten Torchancen in einen verdienten Auswärtssieg umzumünzen.

Rutemöller hatte dennoch schnell seinen Frieden mit dem Ergebnis gemacht, das vor dem Anpfiff sicher jeder im Düsseldorfer Tross unterschrieben hätte. „Wenn man aus Stuttgart mit einem Eckballverhältnis von 9:2 nach Hause fährt, hat man nicht sehr viel verkehrt gemacht“, fasste der erfahrene Fußballlehrer zusammen. „Aufgrund der gesamten Spielanlage bin ich sehr zufrieden. Auch unsere Standards haben gepasst, aber Ron-Robert Zieler hat einfach großartig gehalten.“ Der VfB-Torhüter wurde in der zweiten Hälfte zum Schrecken der Düsseldorfer Angreifer. Dem bärenstarken Kaan Ayhan verdarb er mit seinen großartigen Reflexen gleich zwei mögliche Treffer, Marcel Sobottkas Kopfball fischte er mit Extremstreckung aus dem langen Eck, und sein Meisterstück machte der frühere Nationalkeeper, als er einen abgefälschten Schuss von Alfredo Morales noch gerade eben mit dem Fuß abwehrte.

„Zieler war einfach zu gut heute“, sagte Funkel, „leider.“ Zudem konstatierte der Trainer, „dass Michael Rensing nach der Pause keinen Ball halten musste“ – ein solches Chancenverhältnis hatte vorab niemand auf dem Zettel. Doch die Fortunen wollten den verpassten Sieg nicht allein am überragenden Zieler festmachen. „Auch wenn er gut gehalten hat“, kommentierte Linksverteidiger Niko Gießelmann, „wenn wir mit etwas mehr Konzentration abgeschlossen hätten, wäre mehr drin gewesen. Wir haben insgesamt ein gutes Spiel gemacht, uns aber leider nicht ausreichend belohnt.“ Seine böse Vermutung: „In der Bundesliga werden wir wohl nicht oft so viele gute Chancen kriegen.“

Der Trainer unterschied bei der Bewertung der Möglichkeit ganz klar zwischen Standardsituationen und Kontern. „Unsere Standards waren gut, gerade in der Schlussphase“, befand der 64-Jährige. „Wir haben viele Kopfbälle gewonnen und gut abgeschlossen. Aber bei unseren Konterchancen setzen wir unser hohes Tempo noch nicht in Präzision um.“ Kritik übte der Coach besonders an Jean Zimmer, der die größte Chance der Partie verbaselte, als er bei einem Zwei-gegen-Eins-Konter den Ball so schlecht auf Benito Raman passte, dass der nichts mehr ausrichten konnte. „Wenn der Pass genauer kommt, läuft Benito allein aufs Tor zu“, monierte Funkel. „An solchen Situationen müssen wir weiter arbeiten, das klappt im Training auch noch nicht so gut. Das sind Riesen-Tormöglichkeiten, da müssen wir uns verbessern.“

Aber an einem solchen Aufgabenheft arbeitet sich natürlich viel besser, wenn man mit immerhin einem Punkt nach Hause zurückgekehrt ist. Und die 2000 mitgereisten Anhänger feierten ihr Team – nachdem sie ihrem Klub durch ein Bengalo-Feuerwerk erneut eine deftige Geldstrafe an den Hals gehängt hatten – für die beherzte Vorstellung von Stuttgart zu Recht ausgiebig. Das gefiel dann sogar dem besonders unzufriedenen Gießelmann: „Wir können uns ja zumindest über das erste Zu-Null-Spiel der Saison freuen, das ein Verdienst der gesamten Mannschaft ist. Die Fans haben Spaß, wir haben Spaß – und zusammen haben wir noch mehr Spaß.“

(jol)
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