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Fortuna Düsseldorf: Mitglieder schließen Bild-Zeitung von digitaler Mitgliederversammlung aus

Digitale Jahreshauptversammlung : Warum Fortuna-Mitglieder „Bild“-Zeitung ausgeschlossen haben

Die erste digitale Jahreshauptversammlung in der 125-jährigen Vereinsgeschichte von Fortuna Düsseldorf begann spektakulär. Die Mitglieder schlossen die „Bild“-Zeitung wegen angeblich vereinsschädigender Berichterstattung aus. Warum Christian von Larisch den Antrag gestellt hat.

Eigentlich sollten die Wahlen zum Aufsichtsrat der Höhepunkt der ersten digitalen Mitgliederversammlung in der Geschichte von Fortuna Düsseldorf werden. Eigentlich. Doch der Traditionsverein vermag es auch nach 125 Jahren noch, mit Überraschungen aufzuwarten. Nach einem entsprechenden Dringlichkeitsantrag des Mitglieds Christian von Larisch ließ der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Björn Borgerding über den Ausschluss der Journalisten der „Bild“-Zeitung abstimmen – und die überwältigende Mehrheit der zu diesem Zeitpunkt knapp 1500 zugeschalteten Mitglieder befürwortete den Antrag. Daraufhin wurde der digitale Zugang der „Bild“-Vertreter abgeschaltet. Wir berichten im Live-Blog von der Versammlung.

Nun ist ein Antrag, in dem der Ausschluss der Medienvertreter von der Mitgliederversammlung gefordert wird, alles andere als neu. Vor allem in den äußerst kritischen Jahren der Fortuna um die Jahrtausendwende gehörte er zum Standardprogramm, doch stets ging es dabei um einen Komplettausschluss aller Medien. Das Novum an der Entscheidung vom Samstag ist, dass ganz konkret eine Zeitung angesprochen und der Ausschluss tatsächlich vollzogen wurde. Auf Anfrage heißt es von der „Bild“, man prüfe den Vorgang derzeit juristisch.

Nach Informationen unserer Redaktion stand von Larisch mit seinem Antrag lediglich stellvertretend für eine größere Gruppe von Mitgliedern. Sie alle kritisieren, dass die „Bild“ ihrer Meinung nach „keinen kritischen Journalismus“ betreibe, sondern „Mitglieder der Vereinsführung diskreditiere“ (Zitate aus dem Antrag). Als Beispiel für die Ablehnung der „Bild“ durch ihn und seine Mitstreiter nannte von Larisch in seinem Dringlichkeitsantrag, dass sich die Zeitung „eines früheren Trainers“ (Friedhelm Funkel, Anm. d. Red.) bediene, um Unruhe bei Fortuna zu verbreiten.

Kritischer Journalismus, so heißt es im Antrag weiter, sei gut. So oder ähnlich werteten das offenbar auch die Mitglieder, denn als Borgerding in der Folge satzungsgemäß über die Anwesenheit der übrigen Medien, so auch der Rheinischen Post, abstimmen ließ, entschied sich die große Mehrheit dafür.

Unsere Redaktion hat Christian von Larisch noch während der digitalen Mitgliederversammlung telefonisch erreicht. Er sagt: „Mein Antrag war nicht als Angriff auf die Pressefreiheit gemeint. Ich wollte damit ein Zeichen setzen gegen eine seit Monaten tendenziöse Berichterstattung. Ich habe überhaupt nichts gegen kritische Berichterstattung. Die ist gut und wichtig auch für unseren Verein. Es ist aber eine Grenze überschritten, wenn Fakten bewusst weggelassen werden oder es nur um die Verbreitung von Unwahrheiten geht.“

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Dabei hatte es bei dieser Abstimmung sogar eine technische Problematik gegeben: Während der „Bild“-Antrag so formuliert war, dass man dem Ausschluss zustimmen musste, lief der andere exakt andersherum. Diesmal mussten die Mitglieder der Anwesenheit der übrigen Medien zustimmen; dies gelang dann allerdings.