Fortuna Düsseldorf mit 1:1 im Testspiel bei BSG Chemie Leipzig

1:1 im Testspiel : Fortunas Hilfe für Chemie Leipzig

Um für eine Flutlichtanlage zu spenden, ist Fortuna Düsseldorf zu einem Testspiel bei Chemie Leipzig angetreten. Das letzte Spiel der Saison endete 1:1.

Sogar etwa 100 Unentwegte aus Düsseldorf sind dabei, als Fortunas Bundesliga-Kicker am Mittwochabend im altehrwürdigen Adolf-Kunze-Sportpark bei Chemie Leipzig zu einem Benefizspiel auflaufen. Mit 1:1 (1:0) trennt sich der Bundesligist von der BSG, die 1951 und 1964 DDR- Meister war und aktuell die fünftklassige Oberliga anführt. Das sportliche Ergebnis spielte für beide Seiten freilich überhaupt keine Rolle und war absolute Nebensache. Es ging um den Spaß an der Sache, und vor allem um die Kampagne „Flutlicht für Leutzsch“, wofür die Leipziger aus dem Stadtteil Leutzsch bisher rund 150.000 Euro gesammelt haben.

Dank der Truppe von Trainer Friedhelm Funkel wurde dieser Betrag nun noch einmal kräftig aufgestockt: Denn 3111 Besucher kamen in das bald 100 Jahre alte Stadion. Da die Fortunen zu dem Kick antraten, ohne auch nur einen Cent zu verlangen, gingen die Einnahmen aus dem Eintrittskartenverkauf komplett in die Kasse zum Bau der dringend benötigten Lichtmasten.

Für den Fortuna-Tross war das Spiel im Leipziger Westen der letzte Pflichttermin vor der fünfwöchigen Sommerpause. Und entsprechend entspannt ging es während der 90 Minuten zur Sache. Wie gut sich die Fußballer des Bundesliga-Zehnten verstehen, beweist die Tatsache, dass sie nach dem Schlusspfiff nicht auseinandergingen. Fast geschlossen reisen die Profis am Donnerstag für ein paar Tage zur großen Sause nach Ibiza.

Fortuna war mit einem 18er-Kader nach Sachsen geflogen, den sie mit fünf Spielern aus der U19 verstärkt hatte. Neben den Verletzten fehlten auch die Nationalspieler Kaan Ayhan, Dawid Kownacki, Kenan Karaman und Dodi Lukebakio. Der scheidende Takashi Usami war dagegen dabei und gab die Flanke, die Kapitän Oliver Fink per Kopfball zum 1:0 verwandelte (21.).

Zustande gekommen war das Spiel auf Initiative von Chemie-Fan Ronny Orlob, der Ende der 1990er-Jahre von Leipzig nach Düsseldorf gezogen war. Der 42-Jährige, der längst glühender Foruna-Fan ist und mit seiner Firma den Bundesligisten sponsert, lief mit seiner Idee bei den Funktionären der Rot-Weißen offene Türen ein.

Ursprünglich sollte das Spiel schon 2018 über die Bühne gehen, doch das ließ der enge Terminplan des Bundesligisten nicht zu. Im Rahmen der Kampagne „Flutlicht für Leutzsch“ war die Partie gegen Fortuna bereits die vierte. Zuvor waren schon Schalke 04 II und Eintracht Frankfurt zu Gast, hinzu kam ein Auswärtsspiel bei 1860 München. Weiterhin gab es eine Spendenaktion während eines Konzerts der Band „Feine Sahne Fischfilet“.

Die Sachsen benötigen die Flutlichtanlage, um in der Regionalliga spielen zu dürfen. Im vergangenen Jahr hatten sie für das DFB-Pokal-Spiel gegen den SC Paderborn ein mobiles Flutlicht aus England anfahren lassen müssen. Eine Verlegung auf den Nachmittag war aus fernsehrechtlichen Gründen nicht möglich gewesen.

Fortunas Fans reisten mit dem Spiel in die ostdeutsche Fußballgeschichte. Denn die sympathischen Fans des Gastgebers, die die grün-weißen Schals mit dem Aufdruck „von unten geliebt, von oben gehasst“ trugen, erzählten mit Begeisterung und Stolz von ihrer BSG „Schämmie" aus Leutzsch, die vor der Wende im Gegensatz zum Stadtrivalen Lokomotive keinerlei Privilegien hatte. Der Staatssicherheit waren die Begeisterung und die prowestliche Stimmung bei den Spielen von Chemie überhaupt nicht recht. Und so pfiffen die Schiedsrichter in der Regel extrem parteiisch gegen die kampfbetonten Leutzscher. Und das führte regelmäßig zu Platzstürmen der aufgebrachten Chemie-Fans. In der Saison 1965/66 wurde aus Furcht vor dem fanatischen Publikum der erste Stadionzaun Deutschlands errichtet. So erzählen es die Chemie-Anhänger.

Die reiselustigen Fans der BSG Chemie freuen sich schon auf das Rückspiel im Paul-Janes-Stadion, das in der kommenden Saison über die Bühne gehen soll. Das Remis gegen Fortuna feierten sie am Mittwochabend wie einen Sieg.

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