Fortuna Düsseldorf: Mike Büskens — das Ende einer langen Demontage

Fortuna Düsseldorf : Büskens — das Ende einer langen Demontage

Fortuna Düsseldorfs ehemaliger Trainer Mike Büskens hatte fraglos zu wenig Erfolg – er wurde aber auch das Opfer einer Führungskrise des Vereins.

Fortuna Düsseldorfs ehemaliger Trainer Mike Büskens hatte fraglos zu wenig Erfolg — er wurde aber auch das Opfer einer Führungskrise des Vereins.

Am Samstagmorgen, kurz nach zehn Uhr, ging eine lange Hängepartie zu Ende. In den Fortuna-Büros hoch oben in der Esprit-Arena verlor Cheftrainer Mike Büskens seinen Job, während vier Stockwerke tiefer seine bisherigen Assistenten Oliver Reck und Uwe Klein die Übungseinheit der Düsseldorfer Mannschaft leiteten.

Grundsätzlich überraschend kam das nach der 0:2-Heimpleite des Zweitligisten am Abend zuvor gegen Aufsteiger Karlsruher SC nicht mehr — der Zeitpunkt ließ jedoch aufhorchen. Dass Vorstand und Aufsichtsrat zwei Tage vor der heutigen gemeinsamen Sitzung die Reißleine ziehen würden, hatte angesichts des zögerlichen Vorgehens der Führungsgremien in den vergangenen Monaten kaum jemand erwartet.

"Wir haben zu wenig Punkte", sagte Sportvorstand Wolf Werner, der bei diesen Worten sichtlich mitgenommen wirkte. "Die Entwicklung der vergangenen Spiele hat uns zu der Auffassung gebracht, dass wir etwas ändern müssen." Die Situation sei "sehr brisant und bedenklich", fügte der 71-Jährige an.

Derzeitige Situation ist nicht neu

Angesichts von vier Niederlagen aus den jüngsten fünf Spielen, die den Absturz auf den 15. Tabellenplatz mit sich brachten, ist das sicher keine übertriebene Darstellung. Der Haken ist nur: Die Situation ist alles andere als neu. Noch vor vier Wochen hatten Vorstand und Aufsichtsrat Büskens öffentlich den Rücken gestärkt, obwohl die Kritikpunkte, die dem Coach nun zu Lasten gelegt werden, schon seinerzeit auf dem Tisch lagen. Bereits damals allerdings wirkte die Vertrauenserklärung für den Trainer halbherzig. Nicht von Werner und dem Vorstandsvorsitzenden Peter Frymuth — diese beiden glaubten wirklich fest an Büskens' Konzeption, wollten zudem in ihren letzten Amtstagen keine Trainerentlassung mehr auf ihre Schultern laden. Frymuth wird in der Winterpause für den Amateurfußball zuständiger Vizepräsident des DFB, Werner tritt sein Manager-Amt an Helmut Schulte ab.

Die Rolle des Aufsichtsrats in der Trainerposse blieb dagegen von Beginn an undurchsichtig. "Mike Büskens ist schon zu einem frühen Zeitpunkt destabilisiert worden", sagt Frymuth, ohne dabei Namen zu nennen. "Das ist etwas, was man bei Fortuna in den vergangenen zehn Jahren nicht gekannt hat." Mehrere Aufsichtsratsmitglieder kritisierten Büskens hinter vorgehaltener Hand immer wieder. Die öffentliche Rückendeckung, die der Coach nach der von Fan-Tumulten begleiteten 0:1-Niederlage in Aalen aufgrund der Überzeugungskünste Peter Frymuths und Werners dann doch erhielt, war weniger tragfähig, als anfangs verlautete: Schon wenig später ging die Demontage des Trainers weiter.

Jäger und das Meier-Dilemma

Das einzige Mitglied der Führungscrew, das sich klar gegen Büskens positionierte und diese Meinung auch beibehielt, war Finanzvorstand Paul Jäger. Er beging allerdings den Fehler, ein Comeback von Ex-Trainer Norbert Meier ins Gespräch zu bringen. Seine anfangs guten Karten, Vorstandsvorsitzender zu werden, verschlechterten sich dadurch erheblich.

Es ist angesichts der aktuellen Ereignisse sehr fraglich, ob schon am Montag ein Frymuth-Nachfolger benannt wird. Jägers Hut liegt im Ring, zudem der des Aufsichtsratschefs Dirk Kall, der dann allerdings den Kreis der bezahlten Vorstandsmitglieder weiter vergrößern würde. Kall hatte zwar vor einigen Wochen erklärt, nicht für das Amt zur Verfügung zu stehen, soll sich nun jedoch anders entschieden haben. Die Baustelle Büskens hat Fortuna geschlossen — die größere in der Klubführung ist weiterhin vorhanden.

(jol)
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