Axel Zehle ist der Mann für die Köpfe Diesen besonderen Dank haben die Fortuna-Profis für ihren Mentalcoach

Düsseldorf · Axel Zehle ist keiner, der gern im Mittelpunkt steht. Fortunas Mentaltrainer fliegt lieber unter dem Radar, beobachtet und überlegt gemeinsam mit den Spielern, wie diese noch mehr aus sich herausholen können. Intensive Gespräche sind dafür die Basis, absolute Vertraulichkeit ist unerlässlich.

Das Funktionsteam (Trainer, Analysten, Scouts, Vorstand) bei Fortuna
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Fortunas Team hinter dem Team

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Axel Zehle ist fast immer da und doch in der Regel unsichtbar. Wenn er in einen Raum kommt, dann ohne viel Getöse. Er begleitet und steht fast nie selbst im Mittelpunkt. Er ist der Mann für die Köpfe bei Fußball-Zweitligist Fortuna. Das Auswärtsspiel am Samstag beim SV Wehen Wiesbaden (2:0) war sein 500. Einsatz für die Düsseldorfer.

Der 48-Jährige ist zwar immer mittendrin, immer dabei, wenn Fortunas Mannschaft auf Punktejagd geht. Zehle hält sich lieber im Hintergrund, beobachtet, stellt Zusammenhänge her. Es hat ihn daher überhaupt nicht gestört, dass er in den jetzt schon mehr als zehn Jahren, die er bei Fortuna als Mentaltrainer arbeitet, zumeist unter dem Radar geflogen ist.

Von Zeit zu Zeit gibt es Spieler, die ihre Dankbarkeit zu ihm sichtbar machen, in dem sie zum Beispiel im Rahmen eines Torjubels auf ihn zu stürmen und sich so für unzählige Stunden Vertrautheit bedanken möchten. Zehle hört zu. Zehle gibt Strategien vor. Zehle ist manchmal einfach nur da. Auch wenn es darum geht, private Probleme zu sortieren.

 Axel Zehle nimmt die Glückwünsche von Kris Peterson entgegen.

Axel Zehle nimmt die Glückwünsche von Kris Peterson entgegen.

Foto: dpa/Daniel Löb

Vor einigen Jahren hat er einmal im Rahmen des offiziellen Saisonmagazin Einblicke in seine Arbeit gewährt. Wie genau sieht diese eigentlich aus? Kommen die Spieler zu ihm, legen sich auf eine Couch und breiten ihr Seelenleben vor ihm aus? „Nein, ganz sicher nicht“, sagte Zehle lachend. „Ich bin kein Psychiater. Auch kein Psychotherapeut und kein Psychologe. Was ich mache, sehe ich als unterstützendes Tool für die Spieler.“ Er sei ein Teil von Fortunas Trainerteam – jenes Teils, der sich mit einem speziellen Part der täglichen Arbeit befasse.

Besonders erstaunlich dabei: Alle Trainer seit seinem Dienstbeginn, seit 2010 also, haben ihn übernommen, vertrauen auch seiner Expertise, setzen auf seine Impulse. Überhaupt keine Selbstverständlichkeit in einer Branche, in der es immer mal wieder gerne einen Wandel des Wandels wegen gibt. Zwölf Führungskräfte (einige nur wenige Partien) sind so zusammengekommen. Er ist geblieben.

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Foto: rpo, Falk Janning

„Es gibt im Grunde vier Bereiche, an denen man mit einer Fußballmannschaft arbeiten und sie besser machen kann“, erklärt er. „Der erste ist Technik, damit die Spieler vernünftig mit dem Ball arbeiten können. Der zweite ist Taktik: Wie kann ich gegen welchen Gegner das beste Ergebnis erreichen? Dann gibt es den Körper - und der vierte ist das Mindset. Wir wollen auch emotional kognitiv Leute entwickeln, damit sie in der Lage sind, selbstbewusst und fokussiert zu agieren, eine Mentalität zu entwickeln. Damit wir als Team erfolgreich sind. Das ist mein Job.“

Wobei „mein“ schon wieder ein Wort ist, dass Zehle in diesem Zusammenhang gar nicht gefällt. „Es ist keinesfalls so, dass ich mich allein um die mentale Seite der Spieler kümmere“, betonte er. „Das ginge auch gar nicht. Wir arbeiten bei Fortuna mit einem systemischen Ansatz. Das heißt, dass sich auch andere Personen sehr intensiv darum kümmern, dass die Spieler sich wohlfühlen. Mitglieder des Trainerteams zum Beispiel, die nicht in vorderster Linie stehen. Die Physios. Das Scouting-Team oder der Teammanager.“

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Foto: dpa/Uwe Anspach

Dennoch bleibt es natürlich seine ureigenste Aufgabe, mentalen Problemen auf den Grund zu gehen. Besser noch: solche zu erkennen, bevor sie zum Ausbruch kommen. „Es geht immer um Leistung“, erklärte der Meerbuscher, „es geht um die Performance.“ Dafür schaut er stets ganz genau hin, wie die Spieler sich verhalten. Auf dem Spielfeld. Auf dem Trainingsplatz. Beim Gang in die Kabine. Beim Beladen des Mannschaftsbusses und während der Fahrten zu den Spielen. Im Mannschaftshotel. Überall kann es Situationen geben, in denen ihm ein Detail auffällt, was ein störendes Moment in der Entwicklung eines Spielers sein könnte. Und im nächsten Gespräch mit diesem Spieler kann er dies dann thematisieren.

„Das ist natürlich alles freiwillig“, betonte der Familienvater. „Niemand wird gezwungen, mit mir zu reden oder gar sich mir zu öffnen.“ Wobei er nochmals betont, dass diese Gespräche ja keine Therapiesitzungen seien. „Wir unterhalten uns“, sagte er, „und dabei stelle ich Fragen. Fragetechniken sind letztlich der Kern meines Berufs. Wir kreisen ein Thema langsam ein, bis wir an einen Punkt kommen, an dem wir uns denken: Das kann es sein.“

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Foto: Moritz Mueller

Eine solche Erkenntnis müsse aber längst nicht immer spontan kommen. „Ich mache ausführliche Dokumentationen unserer Gespräche, schreibe alles Wichtige auf und arbeite es zu Hause noch mal durch. Und einige Male war es schon so, dass ich in unserem Garten im Liegestuhl gesessen und die Wolken beobachtet habe, als mir plötzlich der Gedanke kam: Mensch, er hat doch das und das gesagt, da könnte das Problem liegen.“

Es braucht schon ein gewisses Talent dafür – so viel gibt sogar der sehr bescheidene Zehle zu. Gespürt hat er dieses schon zu Schulzeiten und später im Studium – das allerdings nichts mit Psychologie zu tun hatte: Betriebswirtschaft war Zehles Metier. Aber da er nebenbei als Trainer und Co-Trainer bei Fußballmannschaften arbeitete, konnte er sein Talent für Gespräche und deren Bewertung immer ausleben. Später hat er dann eine 18-monatige psychologische Coaching-Ausbildung absolviert und gewusst, dass genau das sein Ding ist.

Nicht alle Spieler nehmen dieses Angebot an. „Es hat immer Spieler gegeben und es gibt sie auch jetzt, mit denen ich mich eher oberflächlich austausche. Mit anderen unterhalte ich mich dagegen immer wieder und sehr intensiv.“ Der Schwede Kristoffer Peterson arbeitete zum Beispiel sehr intensiv mit ihm, „aber das hätte ich nie öffentlich gemacht. Er selbst hat das in einem Videogespräch mit Journalisten erzählt, und das ist dann auch okay. Von mir hätte das niemand erfahren.“

Nun also das Jubiläum. Und eine besondere Anerkennung für Zehle. In Wiesbaden hat ihn die komplette Mannschaft mit einem besonderen Foto überrascht. „Er ist ein besonderer Mensch“, sagt Cheftrainer Daniel Thioune. „Er ist ein wichtiger Mosaikstein in der Arbeit mit den Jungs. Er macht sehr ruhig, mit einem sehr guten Auge seinen Job und ist immer da, wenn wir ihn brauchen.“

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