Fortuna Düsseldorf: Matthias Zimmermann ist der Vorkämpfer

Defensiv-Allrounder: Matthias Zimmermann ist Fortunas Vorkämpfer

Matthias Zimmermann liefert ab – mit Worten und mit Taten. Am Freitag trifft der Defensiv-Allrounder mit der Fortuna auf seinen Ex-Klub VfB Stuttgart. Und dem will er es zeigen.

Mal klare Kante zeigen, einen Spruch raushauen, sich nicht den Mund verbieten lassen. All das findet man heutzutage in der modernen Glitzerwelt der Fußball-Bundesliga kaum noch. Umso erfrischender sind dann die Ausnahmen von dieser Regel. Eine dieser Ausnahmen heißt Matthias Zimmermann, 26 Jahre alt, Defensiv-Allrounder in Diensten der Fortuna. Was beim gebürtigen Pforzheimer hinzukommt: Er lässt seinen Worten gerne Taten folgen. Der Zugang zählt nach drei Bundesligaspielen zu den Leistungsträgern des Aufsteigers. Und jetzt steht für ihn ein spezielles Spiel an: Am Freitag geht es zu seinem Ex-Klub VfB Stuttgart (20.30 Uhr).

Während andere Spieler diese Duelle mit der eigenen Vergangenheit lieber kleinreden, macht Zimmermann aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Ich hatte dort drei schöne Jahre. Vor allem das Aufstiegsjahr war toll.“ In der Saison 2016/17 korrigiert Zimmermann mit dem VfB den Abstiegsunfall. 27 Mal läuft er mit dem roten Brustring auf. Doch dann bremst ihn eine schwere Verletzung:  Vor einem Jahr reißt beim ehemaligen Gladbacher das Kreuzband im linken Knie – bei einem Testspiel gegen den FC Ingolstadt. 254 Tage dauert seine Leidenszeit. Am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison darf er noch einmal zwei Minuten für den VfB gegen die Bayern ran, schließlich wird ihm mitgeteilt, dass seine Dienste beim VfB in Zukunft nicht mehr erwünscht sind.

Nun geht es mit dem Fortuna-Logo auf der Brust in die Arena in Bad Cannstatt. „Ich komme mit einem zwiegespaltenen Gefühl zurück. Ich hätte gerne die Chance bekommen, mich nochmal mehr zu zeigen. Aber Fußball ist ein hartes Geschäft. Sie haben sich gegen mich entschieden“, sagt Zimmermann, der bei der Fortuna einen Zweijahresvertrag plus Option unterschrieben hat. „Es war schon ein trauriges Auge beim Abschied dabei. Aber ich freue mich jetzt noch mehr, hier zu sein. Es läuft super für mich, das Team ist geil, ich fühle mich richtig wohl in Düsseldorf. Wenn ich in zwei Wochen dann in meiner eigenen Wohnung bin, fühle ich mich noch wohler. Ich bin hier, um mit Fortuna etwas aufzubauen. Von daher brauche ich denen beim VfB nichts beweisen.“ Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser haben auf Zimmermann gesetzt. Doch nach der Verletzung war Wolf nicht mehr Trainer – und auch der Sportvorstand war ausgetauscht worden. Tayfun Korkut und Michael Reschke waren und sind die neuen handelnden Personen in Stuttgart.

Und vor allem mit Letzterem scheint dann doch noch eine kleine Rechnung offen zu sein, wenn Zimmermann wieder sein Herz auf der Zunge trägt und sagt: „Ich habe nichts gegen den Trainer, ich habe nichts gegen den Verein, ich habe nichts gegen die Fans. Ich will aber gerne Herrn Reschkes Gesicht sehen, wenn wir gewinnen.“

Nach Zimmermanns Meinung hat der VfB in der vergangenen Transferperiode möglicherweise den falschen Weg eingeschlagen: „Ich habe schon vor der Saison gesagt: Der VfB hat Qualität geholt und Mentalität gehen lassen. So sehe ich das.“ Vor allem sein bester Kumpel Daniel Ginczek, der zum VfL Wolfsburg gewechselt ist, und er hätten in der Kabine für gute Stimmung gesorgt – auch in sportlich schlechteren Zeiten. Dennoch:„Der VfB hat eine überragende Mannschaft, die sich vielleicht noch finden muss“, sagt er. „Sie werden ihre Punkte noch holen. Am Freitag aber nicht. Danach können sie was holen, dann freue ich mich auch darüber.“

„Zimbo“, wie ihn seine Mannschaftskameraden nennen, hat auch schon Kontakt über das Smartphone zu seinen Ex-Kollegen aufgenommen. Mit Timo Baumgartl, Ron-Robert Zieler oder Christian Gentner wurde schon fleißig über das kommende Spiel geflachst. „Ich freue mich auf die Jungs. Wir hatten echt ein super Truppe – genau wie hier jetzt“, sagt er, bevor das Gespräch mit einem echten Zimmermann-Spruch endet: Hätten Sie sich ihr Tor in Leipzig nicht lieber für Freitag aufgehoben? „Nein, weil ich am Freitag noch eins machen werde.“

(erer)
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