Fortuna Düsseldorf: Kritik an Thomas Röttgermann gefährdet ganzen Verein

„Spiegel“-Artikel über Fortunas Führung : Warum die Diskussion um Röttgermann gefährlich für den ganzen Verein ist

Es steckt nur sehr wenig Neues im Artikel des „Spiegel“ über die Fortuna-Führung. Die Art der Kritik und die bundesweite Ebene machen die Situation für Aufsichtsrat und Vorstand jedoch brenzliger. Eine Analyse.

Kurz vor Anpfiff des Fußball-Bundesligaspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und dem VfL Wolfsburg (1:1) sorgte ein Online-Artikel des „Spiegel“ für Wirbel. Darin wirft das Magazin der Fortuna-Führung um den Vorstandsvorsitzenden Thomas Röttgermann „Vetternwirtschaft“ und falsche Transfer-Informationen vor. Die wahre Stoßrichtung der Kritik ist jedoch eine andere.

Was ist neu an den Vorwürfen? Der „Spiegel“ serviert eine Familienportion kalten Kaffee mit einem Fingerhut voll frischer Sahne. Nahezu alle Kritikpunkte haben in den vergangenen Wochen in allen Medien Erwähnung und Kommentierung gefunden, so zum Beispiel die Ernennung des neuen Marketingdirektors Felix Welling, den Röttgermann bereits aus seiner Zeit beim VfL Wolfsburg kannte. Ganz zu schweigen von der epischen Aufbereitung des hinlänglich bekannten Chaos um die Vertragsverlängerung von Trainer Friedhelm Funkel in Marbella im Januar. Zu all dem liefert der „Spiegel“ nichts Neues, außer dem Detail, dass Welling noch eine ebenfalls Röttgermann bereits bekannte Assistentin erhalten solle. Spektakulär ist der Vorwurf des Magazins, Röttgermann habe bei der Ablöse für Benito Raman geschwindelt, Schalke müsse nur 6,5 Millionen Euro an Fortuna zahlen, das Gesamt-Transfervolumen betrage selbst bei unwahrscheinlichsten Raman-Erfolgen maximal zehn statt der allseits verbreiteten 13 Millionen.

Was ist dran an der Kritik? Fortuna hat die „Spiegel“-Behauptungen in Sachen Raman-Transfer auf ihrer Homepage sofort dementiert, das Transfervolumen betrage 13 Millionen. Falls dem Magazin Beweise vorliegen, sollte es sie am besten bald auf den Tisch legen – sonst setzt es sich dem Verdacht aus, lediglich einem seit Monaten in der Fanszene kursierenden Gerücht zu folgen. Schalke befeuert dieses unter der Hand gern, können die Gelsenkirchener doch damit den Anschein wecken, gut verhandelt zu haben. Hier muss man abwarten, wer seine Behauptung belegen kann. Die Kritik an Röttgermanns Personalpolitik hingegen ist seit längerem öffentlich, das „Geschmäckle“ bei der Einstellung eines alten Bekannten aus Wolfsburg allseits publiziert.

Was an den Vorwürfen ist gefährlich für Röttgermann? Die kritisierten Punkte mussten ohnehin seitens des Aufsichtsrates genau analysiert werden, hier ist das Gremium in der Pflicht – und nach Informationen unserer Redaktion auch längst an der Arbeit. Problematisch ist für die Klubführung, dass der „Spiegel“ die Kritik mit populistischem Vokabular wie „Vetternwirtschaft“ und „Führungschaos“ auf eine andere Plattform geschoben hat. Aus der bisherigen inhaltlichen Diskussion ist nun – zum Beispiel über den Vergleich mit der Entwicklung beim Hamburger SV – eine plakative, emotionale Debatte geworden, die andere Schichten des Fortuna-Anhangs erreicht. Eine solche droht oft, sich zu verselbständigen und aus dem Ruder zu laufen.

Ist Röttgermann die einzige Stoßrichtung? Nein, er ist für die Informanten des „Spiegel“ nicht einmal das wahre Ziel. Die ansonsten überflüssige x-te Aufbereitung des Marbella-Theaters zeigt, dass die Personen, die interne Informationen des Vereins an das Magazin weitergegeben haben, in Wahrheit den Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Reinhold Ernst im Visier haben. Das Gremium ist dafür verantwortlich, den Vorstand einzusetzen und gegebenenfalls abzulösen – wie es vor einigen Monaten mit Röttgermanns Vorgänger Robert Schäfer geschehen ist. Solche Maßnahmen polarisieren, und in diesem Spannungsfeld ist der Artikel in erster Linie zu sehen.

Was muss die Klubführung tun? Ihre primäre Aufgabe ist es, Schaden vom Verein abzuwenden. Und da der „Spiegel“ die ohnehin bestehende Diskussion auf eine bundesweite, populistische Ebene gezogen hat, droht Fortuna als Verein immenser Schaden, wenn es Aufsichtsrat und Vorstand nicht gelingt, die Kritikpunkte konsequent zu bearbeiten und letztlich auszuräumen. Der Aufsichtsrat mit Ernst an der Spitze hatte zugelassen, dass Schäfer sich auf der Geschäftsstelle eine Hausmacht, unter anderem mit dem inzwischen beurlaubten Marketingdirektor Alexander Steinforth, aufbaute, er darf nun nicht erneut gestatten, dass Röttgermann womöglich Ähnliches tut. Eine Hausmacht um einen Chef beinhaltet immer die Gefahr, dass bei dessen Ausscheiden Unzufriedenheit und Unruhe aufkommen. Dem Vorwurf von Vetternwirtschaft muss Fortunas Führung mit aller Entschlossenheit entgegentreten, in allen Gremien und Vereinsabteilungen. Nur wenn das gelingt, kann das vom „Spiegel“ bereits propagierte „Chaos“ vermieden werden.

Mehr von RP ONLINE