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Fortuna Düsseldorf: Kevin Stöger setzt ein Ausrufezeichen in Kaiserslautern

Bei Fortunas 5:2 in Kaiserslautern : Kevin Stöger macht jeden Mitspieler besser

Ohne Kevin Stöger ganz dicht an der Pokalblamage, mit Kevin Stöger ein souveräner Viertelfinalist. Beim 5:2 in Kaiserslautern setzt Fortunas Mittelfeldstratege ein dickes Ausrufezeichen.

Am Ende wird Kevin Stöger sogar noch zum Kopfball-Ungeheuer. Als Niko Gießelmann in der Schlussphase des Pokal-Achtelfinales beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern eine Flanke in den Strafraum zirkelt, nickt der Österreicher den Ball zum 5:2 für Fortuna ins Netz und setzt damit den Schlusspunkt unter eine Pokalpartie, die ohne ihn vermutlich ganz anders ausgegangen wäre. Denn Stöger wurde wegen einer leichten Knöchelblessur zunächst geschont und kam erst zur Pause – und bis dahin stand sein Team beim Zwischenstand von 2:1 für den Außenseiter dicht vor einer handfesten Blamage.

Mit einem bärenstarken Auftritt riss der Mittelfeldstratege die Partie aus dem Feuer, unterstützt von seinem ebenfalls eingewechselten Kollegen Kelvin Ofori, der an Stögers Seite Werbung für weitere Einsatzchancen machte. Dass er sein ganz persönliches Erfolgserlebnis ausgerechnet per Kopf verbuchte, brachte den Österreicher richtig zum Lachen. „Wir haben im Training noch Kopfball-Übungen gemacht“, berichtete Stöger. „Da haben wir alle Witze über mich gerissen und gesagt, dass ich per Kopf wohl im Leben kein Tor erzielen würde.“

Weit wichtiger als dieser Treffer zu einem Zeitpunkt, als die Begegnung ohnehin entschieden schien, war jedoch der spielerische Beitrag des 26-Jährigen, der wegen eines Kreuzbandrisses die komplette Hinrunde verpasst hatte. Sein genialer Pass auf Rouwen Hennings nur drei Minuten nach Wiederbeginn, den der Torjäger volley mit seinem schwächeren rechten Fuß zum 2:2 verwertete, zog den zuvor frech aufspielenden Lauterern den Zahn. Und in der Folge strahlte Stöger mit seiner Ballkontrolle und seiner Passsicherheit eine solch überlegene Souveränität aus, dass der Außenseiter den Mut verlor.

Umgekehrt war die Ausstrahlung des früheren Bochumers auf seine Teamkollegen. Auf dem Betzenberg wurde nicht zum ersten Mal, nach der gruselig schlechten Phase zwischen der 11. und 45. Minute aber besonders extrem deutlich, was die größte Qualität Stögers ist: Er macht jeden Mitspieler besser. Matthias Zimmermann, Nana Ampomah, Rouwen Hennings – nur drei Beispiele für Fortunen, die nach der Pause wirkten, als seien sie in einen Topf mit Zaubertrank gefallen.

„Stögi hat eine unglaubliche Übersicht und ein Super-Spielverständnis“, sagte Angreifer Erik Thommy beeindruckt. „Er tut uns einfach gut, weil er viele Situationen hervorragend löst. Von mir aus kann er weiterhin fit bleiben, ich wünsche ihm nur das Beste.“ Hennings ergänzte: „Er bringt wahnsinnig viel Kreativität und Spielwitz bei uns rein, das hilft uns ungemein, zumal da er auch nach hinten giftig arbeitet. Ich betone immer wieder, wie gut ich Kevin finde, und ich hoffe, ich spiele noch ein bisschen länger mit ihm zusammen.“

Trainer Uwe Rösler sah das ebenso, doch lag ihm ein Aspekt der Trendwende besonders am Herzen. „Marcel Sobottka und Aymen Barkok habe ich nicht ausgewechselt, weil sie besonders schlecht gespielt hätten“, erklärte der 51-Jährige. „Aber ich musste Stögi bringen, weil wir einfach mehr Ballbesitz brauchten, das tut mir leid für die zwei.“ In das Lob für Stöger schloss Rösler dessen Nebenmann Ofori mit ein: „Was mich an Kelvin beeindruckt, ist seine Körperbalance. Er ist ganz schlecht zu greifen, er ist erst 18, und wir werden noch viel Freude an ihm haben. Mit Kelvin hat der Verein einen richtigen Volltreffer gelandet, das kann ich jetzt schon sagen. Er hat mir bewiesen, dass er unserer Mannschaft sofort helfen kann.“

In der Bundesliga allerdings vorerst noch nicht, da der Ghanaer nach einer Roten Karte, die er jüngst in einer Regionalliga-Partie von Fortunas Zweitvertretung sah, noch zwei Spiele gesperrt ist. Aber es gibt ja noch Kevin Stöger, der seinen leicht lädierten Knöchel kaum spürte. „Ich denke, man hat gesehen, dass ich wieder Spielfreude hatte“, sagte der Österreicher zum Abschluss. „Am Samstag in Wolfsburg möchte ich auf jeden Fall gern von Anfang an spielen.“ Mit dem Wunsch steht er nicht allein da.