Fortuna Düsseldorf: Kapitän Oliver Fink prangert fehlende Einheit an

Mahnende Worte im Trainingslager : Fortuna-Kapitän Fink prangert fehlende Einheit an

Für Fortuna ging es immer darum, durch den Zusammenhalt fehlende individuelle Qualität auszugleichen. Das gelang in dieser Saison bisher nur selten. Das bestätigt der Kapitän.

Immer wenn ein Angestellter von Fortuna in den vergangenen Monaten und Jahren über die erreichten Erfolge gesprochen hat, hat er auf die Gemeinschaft verwiesen. Der Zusammenhalt, die Einheit in der Mannschaft, im Trainer- und Betreuerstab sei es gewesen, die als Basis für die Feierstunden gedient hat.

Nun sitzt Oliver Fink nach einer harten Morgeneinheit im Trainingslager im spanischen Marbella am Tisch im Mannschaftshotel und sagt: „Du musst dem ein oder anderen noch öfter die Hand reichen. Es bleibt unser ganz große Thema, dass wir als Team weiter zusammenwachsen müssen. Wir müssen alle ins Boot holen.“

Klingt danach, als wäre die vormals verschworene Einheit, etwas auseinander gedriftet. Einmal auf das Thema angesprochen, kommt Fink in Fahrt und erklärt, was er im Umgang mit den Zugängen verbessern möchte: „Es geht um kleine, subtile Gesten. Mal einen Witz machen, fragen wie der Urlaub war. Solche Sachen. Und sportlich am Platz Hilfestellungen geben, technisch und taktisch. Bei Fortuna sind vielleicht andere Dinge zu erwarten, als der Spieler es bisher kannte – ohne damit einen speziellen Spieler zu meinen. Man muss das rücksichtsvoll machen, aber die Jungs müssen auch verstehen, dass wir marschieren müssen. Da geht es um Grundtugenden von uns. Einsatz und Laufbereitschaft müssen hochgehalten werden.“

Der Aufstieg 2018, Platz zehn in der Bundesliga 2019 – das waren grandiose Erfolge für die Düsseldorfer. „Das F95-Logo mit Stolz durch die Liga getragen, die Kurve verneigt sich vor euch“, stand auf einem Banner nach dem letzten Spiel der vergangenen Saison. Mehr Anerkennung für eine Mannschaft geht nicht. Jetzt sagt Fink im Vergleich zu der Gemeinschaft in der vergangenen Spielzeit: „Nein, soweit sind wir noch nicht. Da fehlt noch ein bisschen. Ich weiß auch nicht, warum. Aber wenn dieser Joker nicht sticht, wird es schwer für uns. Das kann man mal kompensieren über eine kleine Strecke. Aber wenn du keinen Erfolg hast, ist das ein selbstverstärkender Prozess. Dann ist man dazu geneigt, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das ist dann aber nicht angebracht. Du muss bei dir selbst anfangen. Wir müssen Beziehungen schaffen, wie wir es in den vergangenen Jahren geschafft haben. Einer muss für den anderen da sein. Wir sind auf einem guten Weg, aber die Ergebnisse zeigen, dass wir diese Kompaktheit nicht über einen längeren Zeitraum auf den Platz bringen.“

Vor der Saison kamen in Zack Steffen, Nana Ampomah, Lewis Baker, Kasim Adams und Kelvin Ofori gleich fünf Profis, die noch kein deutsch sprechen. Auch der im Winter 2018/2019 verpflichtete Dawid Kownacki gehört dazu. In Ampomah, Tekpetey, Adams und Ofori sind vier Ghanaer im Kader. Gefahr für Grüppchenbildung? „Ich wehre mich dagegen, dass das an der Nationalität liegt“, sagt Fink. „Wenn man eine Gruppe aufmachen will, passiert das auch. Das kann überall geschehen, ist aber natürlich generell schlecht, wenn sich eine Gruppe der Gemeinschaft nicht zugehörig fühlt. Du brauchst auf Strecke immer alle.“

Als Alarmzeichen will Fink seine Worte aber nicht verstanden wissen, auch wenn sie genauso klingen. Der 37-Jährige sagt aber auch: „Wir wissen alle, wenn wir so weitermachen und wieder nur 15 Punkte holen, wird es für den Klassenerhalt nicht reichen. Deshalb müssen wir alle eine bessere Rückrunde spielen. Das Gefühl ist, dass es nicht so stimmig ist wie in der vergangenen Saison. Es ist noch viel Luft nach oben.“