Fortuna Düsseldorf kann für ein weiteres Jahr in der Bundesliga planen

Zwölf Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz : Fortuna darf für die Bundesliga planen

Nach dem 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg braucht es viel Fantasie, um noch am Klassenerhalt der Fortuna zu zweifeln. Die Planungen für das zweite Jahr erste Bundesliga seit dem Aufstieg können daher langsam beginnen.

Bei der Fortuna sind sie sich einig. Das 2:1 gegen Nürnberg war ein wichtiger Sieg in der Fußball-Bundesliga, mehr aber nicht. Das klingt dann so: „Das bedeutet noch nichts“ (Kevin Stöger), „wir können weiter in Ruhe arbeiten“ (Lutz Pfannestiel) und „wir sind noch nicht durch“ (Friedhelm Funkel). Natürlich ist der Klassenerhalt für die von vielen vor der Saison als Absteiger Nummer eins eingestuften Düsseldorfer rechnerisch noch nicht fix, doch es braucht reichlich Fantasie, um daran wahrhaftig zu zweifeln.

Der Erfolg gegen den „Glubb“ war ein Schub für diese Zuversicht, die zumindest im Umfeld des Vereins vorherrscht. Fortuna zeigte einmal mehr, dass sie nicht nur als geschlossene Einheit auftritt, sondern Geduld und Willen zum Sieg mitbringt. Fast die gesamte Spielzeit rannten die Hausherren gegen das nach dem Platzverweis gegen Matheus Pereira nach vier Minuten dezimierte Bollwerk aus Franken an. Der erlösende Siegtreffer fiel aber erst in der 83. Minute durch Kaan Ayhan, der in Abwesenheit von Oliver Fink, Adam Bodzek, Marcel Sobottka und Michael Rensing erstmals die Kapitänsbinde trug. Für Ayhan war es auch eine Art Wiedergutmachung. Denn der türkische Nationalspieler hatte vor der Nürnberger Führung durch Eduard Löwen den Ball unglücklich in die Mitte geköpft. Das 1:0 aus der einzigen echten Torchance kurz vor dem Halbzeitpfiff spielte den Gästen in die Karten. „Wir haben in der ersten Halbzeit teilweise den Ball zu langsam laufen gelassen und die Seiten zu wenig verlagert. Zudem kamen schlechte Flanken, sowohl von links als auch von rechts“, sagte Fortuna-Coach Funkel, der sich sehr kritisch mit der Leistung seiner Mannschaft auseinandersetzte.

Fortuna spielte nach der Pause etwas schneller, viele Chancen sprangen aber nicht heraus. Ein Eigentor von Ewerton nach Flanke von Dodi Lukebakio und Ayhans Kopfball drehten schließlich die Partie. Die Freistoßflanke zum Siegtor schlug Kevin Stöger. Der Österreicher kurbelte vor allem im zweiten Durchgang das Spiel immer wieder an, steht ohnehin symbolisch für die positive Entwicklung Fortunas in dieser Saison. „Wir haben 28 Punkte, aber ich kann jetzt schon sagen: Wir werden uns auf Schalke den Arsch aufreißen“, sagte der Österreicher. Eben auf diese angeschlagenen Schalker, bei denen die Düsseldorfer am kommenden Samstag antreten werden, hat Fortuna nun einen üppigen Vorsprung. „Wenn ich sehe, dass wir am 23. Spieltag fünf Punkte vor Schalke stehen, denke ich, dass ich träume. Das ist Wahnsinn“, sagte Funkel.

Und genau dieser Blick auf die Tabelle, zusammen mit der Gemengelage in der Liga, spricht dafür, dass in den kommenden elf Spielen in Sachen Klassenerhalt für die Fortuna nichts mehr anbrennen wird. Auf den vom VfB Stuttgart belegten Relegationsplatz sind es zwölf Punkte Vorsprung. „Wir sind noch einiges weg von der Punktzahl, die in den vergangenen Jahren reichte, aber wir haben ja auch noch einige Spiele“, sagte Sportvorstand Pfannenstiel und reihte sich damit in die vereinsintern eingeübte demütige Sprachregelung ein. Gleichwohl fällt es schwer, dem Szenario zu folgen, in dem die verunsicherten Hannoveraner, Franken und Siegesserien starten, während das „vor Selbstvertrauen strotzende“ (Funkel) Düsseldorf völlig einbricht. Dazu ist auch die Fortuna-Bilanz seit November zu beeindruckend: 13 Ligaspiele, sieben Siege, zwei Remis, vier Niederlagen.

Und wenn die Mikrofone aus sind, gibt es in den Räumen auf der Geschäftsstelle dem Vernehmen nach auch nur eine Planungsrichtung: zweites Jahr erste Bundesliga. Und das wird ja – der alten Fußballweisheit folgend – schwerer als das erste nach dem Aufstieg.

Für Pfannenstiel stehen in den kommenden Wochen und Monaten nun zahlreiche Gespräche an. Neben der Kontaktaufnahme oder Gesprächsintensivierung mit potentiellen Zugängen geht es dabei auch um mögliche Vertragsverlängerungen. Die Verträge der altgedienten Michael Rensing, Adam Bodzek und Oliver Fink laufen aus. Die Leihgeschäfte von Markus Suttner, Takashi Usami, Marcin Kaminski, Aymen Barkok, Dawid Kownacki und Dodi Lukebakio enden.

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