Fortuna Düsseldorf: Kaan Ayhan – stark am Ball und am Mikrofon

Fortunas Innenverteidiger: Ayhan – stark am Ball und am Mikrofon

Beim 2:1 gegen Nürnberg köpft Fortunas Abwehrchef das Siegtor. Hinterher lässt er für die Fans sogar den Sky-Experten Lothar Matthäus stehen.

Die Parallelen drängen sich geradezu auf. Am letzten Spieltag der Saison 2017/18 wird Fortuna durch einen 3:2-Erfolg beim 1. FC Nürnberg Zweitligameister – und Kaan Ayhan köpft in der Nachspielzeit das Siegtor. Diesmal schlagen die Düsseldorfer den Mitaufsteiger Nürnberg 2:1, sichern sich damit fast schon den Klassenerhalt – und der Siegtorschütze ist kurz vor Schluss erneut Ayhan.

Doch damit erschöpfen sich aus Sicht des türkischen Nationalspielers auch schon die Gemeinsamkeiten. „Das ist nicht zu vergleichen“, sagt Ayhan. „Damals war sofort nach dem Treffer Schluss, und es gab keine weiteren Spiele mehr. Jetzt ist ein bisschen mehr Erleichterung dabei.“ Es sei keine einfache Situation gewesen, schildert der 24-Jährige, fast 90 Minuten in Überzahl hätten schon einen gewissen Druck bedeutet. „Wir sind als Aufsteiger einfach noch nicht so weit, das Ding einfach so herunterzuspielen.“

Umso beschwingter absolviert die Mannschaft die Minuten nach dem Abpfiff. Eigentlich soll Ayhan am Pult des Bezahlsenders Sky mit dessen Experten Lothar Matthäus plaudern – schließlich durfte der Aufsteiger ja erstmals das „Topspiel der Woche“ absolvieren. Doch die Fans haben etwas dagegen und rufen ihren Helden zum Feiern in die Kurve. Matthäus hört es und schickt Ayhan zu den Anhängern. „Gar nicht so einfach, Lothar Matthäus abblitzen zu lassen“, erklärt der Interimskapitän lachend, „das schaffen ja Frauen nicht so oft.“ Vor der Südkurve singt der 24-Jährige dann ein „Schalalalalala, Fortuna Düsseldorf“ ins Mikrofon, als säße er jede Woche als Capo auf dem Zaun.

Wenig später, jetzt nicht mehr mit Mikro, dafür aber vor zahlreichen Aufnahmegeräten und Notizblöcken der Medienvertreter, packt der Abwehrchef noch mehr Bonmots aus. Auf die Frage, wie es denn zu dem speziellen Torjubel mit seinem Flankengeber Kevin Stöger gekommen sei, antwortet Ayhan launig: „Man hat ja heute im Hotel keinen Friseur und keine Playstation mehr auf dem Zimmer. Da hat man viel Zeit, solchen Blödsinn zu machen wie einen Torjubel abzusprechen.“

Dann jedoch wird der Gelsenkirchener wieder ernst, denn es ist ihm ein Bedürfnis, die Mikofonszene ins richtige Licht zu rücken. „Das war stellvertretend für die Mannschaft“, stellt er klar. „Es war ein ganz wichtiger Erfolg, den wir gemeinsam errungen haben. Unsere Antwort auf den Nackenschlag zum 0:1 zeigt, dass wir als Mannschaft eine Entwicklung genommen haben.“

Ein annähernd perfekter Samstagabend sei es auf diese Weise geworden. „Für einen wirklich perfekten hatten wir nach dem Rückstand doch ein bisschen zu viel Stress.“ Als klarer Favorit sei Fortuna trotz des deutlichen Vorsprungs in der Tabelle nicht in die Partie gegangen, meint der Innenverteidiger: „Dafür steckte uns die 0:3-Niederlage im Hinspiel und auch unser 0:2 in der Vorsaison noch zu sehr in den Hinterköpfen.“ Jetzt freilich sei die Punkt­ausbeute Fortunas mit 28 „schon sehr gut, besser als wir uns erträumt hatten“. Deshalb gönnt sich Ayhan auch schon einen Blick aufs nächste Spiel: „Ich habe meinem Ex-Verein Schalke in dieser Saison schon zweimal einen Gefallen getan, indem wir verloren haben. Jetzt kann mir auf Schalke keiner übelnehmen, wenn ich auch mal gewinnen will.“

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