Fortuna Düsseldorf: Kaan Ayhan spricht über Psychospielchen

Trashtalk und Nickeligkeiten : Fortunas Abwehrchef Ayhan spricht über Psychospielchen

Kaan Ayhan gilt nicht als Kind von Traurigkeit. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht Fortunas Abwehrchef über Psychotricks, die im Fußball helfen können.

Fußball wird nicht nur mit den Füßen entschieden. Es gibt dieses Spiel im Spiel. Das Beeinflussen des Gegners durch Psychotricks, durch den so genannten Trashtalk oder durch kleinen Nickeligkeiten, die hart an der Grenze des Erlaubten sind. „Die Spiele, die mir gefallen, sind schon die, in denen man sich gegenseitig ein bisschen kitzelt“, sagt Kaan Ayhan. „Diese Momente, wenn die gewisse Würze im Spiel ist, machen schon am meisten Spaß.“ Der Abwehrchef von Bundesligist Fortuna Düsseldorf gilt als einer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Seine Erfahrung bezieht er aus 76 Spielen in der Bundesliga, 54 in der zweiten Liga und 28 A-Länderspielen für die Türkei.

Wenn es auf dem Platz richtig zur Sache geht, ist der 25-Jährige meist nicht weit entfernt. Es hat den Anschein, dass ein gewisses Maß an Feuer im Spiel wichtig für ihn ist, damit er an sein Leistungsmaximum herankommt. „Das ist aber nichts, was ich mir vornehme vor dem Spiel“, sagt er. „Ich kenne natürlich die Geschichten von früher, als der Verteidiger sich den Stürmer in der ersten Minute geschnappt hat und ihm gezeigt hat, ,Mit mir nicht, Freundchen‘. So ist das bei mir aber nicht. Aber wenn das Spiel hitzig ist, wenn es unkontrolliert läuft, kann es gerne schon mal heißer hergehen.“

Für Ayhan ist wichtig, festzuhalten, dass es auch Spiele gibt, in denen er zur Halbzeit ein nettes Pläuschchen mit seinem Gegenspieler hält. Aber in manchen Partien kochen die Emotionen eben höher. Entweder allein aufgrund der Brisanz der Begegnung, oder weil die Spieldynamik eine aufgeheizte Atmosphäre heraufbeschwört. „Dann musst du die Grenzen des erlaubten Bereichs ausloten und es dem Gegenspieler möglichst schwer machen. Es geht nicht um dreckige Sachen, aber es ist gut, wenn der Gegner mal abwinkt und meckert. Das sind Psychospiele, die man auf seine Seite ziehen kann“, sagt Ayhan. „Wir Verteidiger haben das Glück, das wir diejenigen sind, die dem Gegner wehtun müssen. Da ist dann mal ein Schubser drin, gerade nach einem verlorenen Zweikampf.“

Doch der gebürtige Gelsenkirchener steht durchaus auch selbst mal im Fokus der Gegner. Und auch da bleibt es nicht nur bei Worten. „Es wird bei Standardsituationen schon mal zugekniffen. Seit bekannt ist, dass ich Kopfballtore machen kann, spüre ich schon die eine oder andere Zange am Arm“, sagt Ayhan, der sich bewusst ist, dass versteckte Fouls, die in die Kategorie Tätlichkeit fallen könnten, seit er Profi ist, nicht mehr drin sind. „Die vielen Kameras und den Videoschiedsrichter hat man mittlerweile schon im Hinterkopf“, sagt er.

Ayhan hat nach eigener Aussage einen Wandel vollzogen. Nach seinem Wechsel zur Fortuna kassierte er in den ersten beiden Jahren drei Gelb-Rote Karten. „Wenn wir dieses Interview vor zwei, drei Jahren geführt hätten, wäre ich bei diesem Thema nicht so entspannt gewesen“, betont er. „Heute habe ich die Spielregeln für solche Aktionen und Diskussionen akzeptiert, und ich bewege mich in diesem gesteckten Rahmen. Heute weiß ich, mich cleverer anzustellen. Das war mit 22, 23 Jahren noch anders. Aber ich habe mich auch nicht um 180 Prozent gedreht.“ Seinen bisher letzten Platzverweis bekam Ayhan in der Aufstiegssaison 2017/18 nach einem Wortgefecht mit dem Bochumer Thomas Eisfeld. „Das war eigentlich halb so wild. Ein anderer Schiedsrichter hätte das vielleicht auch anders bewertet.“

Generell hat Ayhan zu keinem Gegenspieler aus der Bundesliga ein nachhaltig belastetes Verhältnis. „Ich hatte noch nie einen Fall, aus dem eine persönliche Rivalität entstanden ist. Ich kann dem Gegenspieler meistens nach dem Spiel die Hand reichen und das auf dem Platz lassen“, erklärt er. „In der Liga gibt es allerdings schon auch Spieler, gegen die es angesagt ist, ein robusteres Spiel anzulegen.“

Noch elektrisierender empfindet Ayhan Länderspiele mit der Türkei: „Da überträgt sich die Atmosphäre schon schneller aufs Spielfeld. Es sind dann andere Emotionen als in einem normalen Bundesligaspiel. Länderspiele gibt es ja auch einfach seltener.“